Abkühlung voraus?

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vom Smart Investor

Nicht nur unser Erdtrabant tauchte in der Berichtswoche mit einer totalen Mondfinsternis in den Schatten, auch bei einigen der Darling-Aktien der US-Hightech-Szene ging vorübergehend das Licht aus. Eine totale Mondfinsternis ist übrigens nicht gar so ein Jahrhundertereignis wie es uns der Sommerloch-geplagte Boulevard in seinen Schlagzeilen weismachen wollte... Wer sich dafür interessiert, dem sei dieser Link empfohlen. Demnach ist in München bereits am 21. Januar 2019 die nächste „Jahrhundert“-Mondfinsternis zu erwarten – das allerdings ist dann ein Termin für Frühaufsteher. Was den Himmelsguckern der Blutmond war, waren den Anlegern die blutigen Nasen, die sie sich bei Facebook, Twitter & Co. holten. Ob dies allerdings bereits jene sprichwörtliche Kombination aus Kanonendonner und Blut in den Straßen war, die der Bankier Rothschild einst als die Kaufgelegenheit schlechthin identifizierte, darf bezweifelt werden. Denn was wir hier sahen, waren Risse in bis dahin weitestgehend intakten Aufwärtstrends, nicht jene allgemeine Panik, in der ohne Ansehen des Unternehmens Aktien auf den Markt geworfen werden.


Differenziert abwärts

Und weil es keine allgemeine Panik war, lässt sich derzeit auch noch recht gut differenzieren, woher die Abwärtsimpulse kamen: Aus dem Bereich jener Hightech-Unternehmen, die die NASDAQ und die US-Börsen insgesamt über Jahre hinweg anführten. Der Relativchart des NASDAQ 100 im Vergleich zum S&P 500 zeigt, den Rückschlag, den die Technologietitel diesmal auch relativ erlitten haben (Abb., unterer Teil, rechte gelbe Markierung). Damit unterscheidet sich dieser Rücksetzer auch deutlich von dem aus dem Februar, als der Markt in seiner Breite absackte, die sogenannten FAANG-Aktien und alles was sich in deren Dunstkreis befindet, die Abwärtsbewegung seinerzeit aber nicht anführten (linke gelbe Markierung). Eine Schwäche der führenden Aktien ist immer ein Warnsignal, auch wenn eine solche Schwäche nicht zwangsläufig das Ende der bis dahin vorherrschenden Hausse-Bewegung bedeuten muss. Um aber einen Aufwärtstrend unter den Vorzeichen einer solchen Favoritenschwäche letztlich dennoch fortzusetzen zu können, muss eine von zwei Bedingungen erfüllt werden. Entweder war die Schwäche vorübergehender Natur, in diesem Fall also ein Ausrutscher bei den Quartalszahlen, oder eine andere Gruppe von Aktien muss genügend Schubkraft entwickeln, um die  Favoritenrolle zu übernehmen. Ohne Zugpferde keine Hausse. Zwar gibt es vernachlässigte Aktien zuhauf, echte Aufwärtsimpulse sind dort bislang aber nicht zu erkennen.

Verschnupfte Jünger

Was ist also mit den bisherigen Favoriten? Einige von ihnen weisen eine durchaus extreme Bewertung auf. Und da genügen dann auch kleinere Ausrutscher, um die Marktteilnehmer über eine mögliche Neubewertung nachdenken zu lassen. Dann kann bereits der Wegfall der Vorschusslorbeeren für künftig erwartetes Wachstum zu empfindlichen Kursrückgängen führen. Facebook und Twitter sind schöne Beispiele dafür, wie verschnupft einstige Jünger reagieren können, wenn sich die Realität auch nur ein wenig von den rosigen Erwartungen entfernt. Beide Aktien zeigen zudem, wie gefährlich es ist, derart hoch bewertete und schwer zu kalkulierende Titel in die Veröffentlichung von Zahlen hinein zu halten. Je höher die Erwartungen im Vorfeld bereits waren, desto unwahrscheinlicher wird es, dass diese dann noch einmal übertroffen werden können. Ein allzu gutes Klima im Vorfeld der Berichtserstattung – etwa durch ansteigende Kurse – signalisiert vor allem eines: Enttäuschungspotenzial. Nebenbei bemerkt kann in weniger schnell wachsenden oder gar rückläufigen Nutzerzahlen im Bereich Social Media auch etwas Positives gesehen werden: Menschen erobern sich möglicherweise wieder etwas Lebenszeit zurück, statt sie in der virtuellen Welt bei weitestgehend sinnlosen Aktivitäten zu verplempern.

Unter Hochspannung

Richtig spannend dürfte es heute bei den Q2-Zahlen von Tesla werden. Denn das Unternehmen und dessen hyperaktiver Chef Musk standen jüngst im Zentrum zunehmend beißender Kritik. Zu oft hatte sich Musk in Ankündigungen geflüchtet, denen später nur wenig Konkretes folgte. Zudem zeigte er sich im Umgang mit seinen Kritikern zuletzt äußert dünnhäutig. Diesen Mangel an Souveränität könnte man als Hinweis deuten, dass Musk mit dem Rücken zur Wand steht. Andererseits dürften selbst eingefleischte Tesla-Fans nach dem ganzen Hickhack der letzten Monate keine grandiosen Quartalszahlen erwarten, so dass auch das Enttäuschungspotenzial begrenzt sein dürfte – es sei denn, Tesla setzt heute Abend eine wahre Horrormeldung ab.

Ergänzung durch die Metallwoche am 03.08.2018 nach den Zahlen von TESLA...


Zu den Märkten

Der DAX lieferte in der vergangenen Woche ein durchwachsenes Bild. Ein kurzer Lauf über die Marke von 12.800 Punkten erwies sich zwar als nicht nachhaltig, hatte aber dennoch Auswirkungen auf unser Musterdepot (siehe dort). Auch wenn die Kurse nun nach rechts immer weiter aus unserer freihändig gezeichneten rechten Schulter einer möglichen Schulter-Kopf-Schulter-Umkehrformation herauslaufen, sollte man diese Möglichkeit dennoch im Hinterkopf behalten. Denn sobald die Kurse wieder etwas stärker unter Druck kommen sollten, wäre diese mögliche Top-Bildung am Ende einer neunjährigen Hausse sicher wieder ein Thema. Die Trendlinie dieser Hausse (grün) verläuft – je nach Zeichnung – aktuell irgendwo zwischen 12.000 und 12.200 Punkten. Ohne hier mit allzu spitzem Stift zu zeichnen: sollte der Bereich von 12.000 Punkten deutlich unterboten werden, ist mindestens mit einem Auffächern des Aufwärtstrends in einen flacheren Aufwärtstrend zu rechnen, möglicherweise aber auch mit deutlich Schlimmerem. Für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends müsste dagegen der harte Widerstand im Bereich von 13.000 bis 13.5000 Punkten überwunden werden. Dieses Mal verloren die Anleger allerdings bereits knapp über 12.800 Punkten schon wieder ihren Mut.

Fazit

Abkühlung tut not. Nicht nur bei einigen Highflyern der letzten Monate und Jahre.

© Ralph Malisch, Ralf Flierl – Homepage vom Smart Investor

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