Andreas Hoose: Goldpreis - Entfesselt?

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Nach acht Jahren Konsolidierung könnte bei den Edelmetallen der Knoten jetzt endlich platzen. Wie ist die Lage? In dieser Woche hat der Goldpreis bei rund 1.390 US-Dollar je Feinunze ein Fünf-Jahres-Hoch erreicht. Bei vielen Kleinanlegern und Analysten knallen bereits die Sektkorken. Nach acht Jahren "Streckfolter" ist die Versuchung natürlich groß, bei den Edelmetallen jetzt den ganz großen Mega-Ausbruch zu erwarten...

Einige Aspekte mahnen jedoch zur Vorsicht:

Erstens: In die aktuellen Kursregionen war der Goldpreis zuletzt Anfang 2018 vorgedrungen, also vor rund anderthalb Jahren.

Seinerzeit bewegten sich die Notierungen anschließend ein volles Quartal (!) im Bereich um 1.370 US-Dollar - um anschließend wieder abzutauchen. Auch in den Jahren zuvor wurde die Region immer wieder angelaufen und mehrere Wochen lang getestet. Doch letztlich waren bisher alle Ausbruchsversuche vergeblich.

Aus zyklischer Sicht wäre es daher höchst ungewöhnlich, wenn der Goldpreis das enorm wichtige Widerstandsniveau bei 1.380 US-Dollar jetzt im ersten Anlauf überwinden sollte.

Wie enorm bedeutend diese Hürde ist, das zeigt die folgende Grafik: Ein Sprung über die waagrechte rote Linie markiert für das Gold zweifellos so etwas wie einen Gezeitenwechsel. Kann sich das Edelmetall über dieser Zone etablieren, dürfte eine Art Kaufpanik einsetzen und das Edelmetall sehr zügig noch deutlich weiter nach oben befördern:

Zweitens: Gegen einen erfolgreichen Ausbruch über diesen Betonwiderstand zum jetzigen Zeitpunkt sprechen jedoch sowohl charttechnische Beobachtungen, wie auch einige Sentiment-Indikatoren.

So sind aktuell schon wieder sehr euphorische Kommentare zu vernehmen. Technische Indikatoren, wie RSI oder Stochastik haben im Tageschart obere Extremzonen erreicht.

Auch die aktuellen COT-Daten sprechen für zu viel Optimismus. So haben etwa die kommerziellen Marktteilnehmer, also etwa die Edelmetall-Produzenten, ihre Short-Bestände zuletzt wieder stark ausgebaut. Achten Sie auf den roten Pfeil in der folgenden Grafik. Die gelbe Linie bildet den Goldpreis ab:

 

Drittens: Wirklich belastbar wird das Ausbruchs-Signal beim Gold ohnehin erst bei einem Monats-Schlusskurs oberhalb von 1.380, oder besser noch oberhalb von 1.400 US-Dollar je Feinunze. Erst Anfang Juli wird man daher wissen, was von der aktuellen Vorstellung zu halten ist.

Eine gesunde Portion Skepsis ist daher weiterhin angebracht. Shorten würde ich persönlich den Goldpreis selbstverständlich nicht. Fallweise könnte man bei einigen Minenwerten in naher Zukunft aber Teilgewinne realisieren...

 

Und wie geht´s weiter?

Langfristig ist der Weg in Richtung 2.000 US-Dollar vorgezeichnet. Dort wird es jedoch nur eine kurze Verschnaufpause geben, wie etwa der Goldpreis in australischen oder kanadischen Dollar zeigt: In beiden „Rohstoff-Währungen“ hat der Goldpreis sein Hoch aus dem Jahr 2011 bereits klar überwunden.

Die folgende Grafik zeigt beispielhaft den Verlauf des Goldpreises in australischen Dollar. Das Hoch aus dem Jahr 2011 bei 1.800 AUD liegt mittlerweile schon weit zurück. Übertragen auf die Weltleitwährung müsste das Gold heute bereits im Bereich von 2.150 US-Dollar notieren. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Goldpreis auch in US-Dollar einen ähnlichen Verlauf nehmen wird, wie in allen anderen Währungen:

In den kommenden Jahren werden alle Papierwährungen gegenüber Gold systembedingt, und daher zwangsläufig, massiv an Wert verlieren.

In australischen Dollar hat der Goldpreis sein Hoch aus dem Jahr 2011 bereits deutlich hinter sich gelassen…

Das nächste ganz große Ziel beim Gold liegt im Bereich von 5.000 US-Dollar je Feinunze. Unsere Welt wird dann allerdings eine andere sein...

Und wer meint, ein solches Kursziel sei vollkommen utopisch, dem sei ein Blick in die Geschichtsbücher angeraten. Historisch betrachtet könnte das nämlich schneller gehen, als sich die meisten Anleger heute vorstellen können.

Jede Papierwährung der vergangenen 5.000 Jahre war am Ende wertlos. Und jede heutige Papierwährung wird ganz ohne Zweifel das gleiche Schicksal ereilen. Der weitere Weg ist vorgezeichnet:

Je stärker die Notenbanken in den kommenden Jahren den Schalter auf "Rettung" umlegen, desto dramatischer wird der Vertrauensverlust der Menschen in das ungedeckte Schuldgeldsystem werden. Auch Staatsfinanzierung über die Notenpresse werden wir zu einem späteren Zeitpunkt wieder erleben.

Wohl dem, der die Nerven hat, den wilden Ritt bei den Edelmetallen in den kommenden Jahren mit einem ausgewählten Portfolio an Gold- und Silberminen-Aktien durchzustehen.

Doch wie gesagt: Gold 5.000 wird am Ende nur eine vergleichsweise unbedeutende Randerscheinung sein.

Im großen Bild werden wir dann nämlich ganz andere Probleme haben...

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

Der Artikel erschien zuerst auf godmode-trader.de

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