Augen auf beim ETF-Kauf

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Von Bankhaus Rott

Die letzten Jahre waren für viele Rohstoffproduzenten eine harte Zeit. Während nahezu alle Anlageklassen rund um den Globus neue Hochpunkte markierten und die Weltwairtschaft robust vor sich hin wächst erreichten die Rohstoffpreise neue Tiefpunkte. Ist das Ende der Abwärtsbewegung bald erreicht?

Rohstoffmärkte sind bekanntermaßen nichts für unbedarfte Anleger, die ein bisschen buy & hold spielen wollen. Die Bewegungen sind sehr erratisch und der Einflussfaktor der Terminkurven wird von den meisten Anlegern nach wie vor unterschätzt. Das gilt insbesondere für Käufer von ETFs und Zertifikaten, die oft nicht verstehen, warum der Ölpreis um 25% steigt, ihr Produkt aber kaum vom Fleck kommt. Hier gilt ein alter Grundsatz. Es kann manchmal nicht schaden, wenn man weiß, was man tut.

Eine der spannendsten Terminkurven ist seit jeher die des Rohöls (WTI – West Texas Intermediate). Die folgende Grafik zeigt die Veränderung der letzten Jahre. Zu Beginn des Jahres 2016 geriet der Ölpreis noch einmal mächtig unter Druck. Dieser Zeitpunkt markierte das Ende einer Abwärtsbewegung des Ölpreises von 120 Dollar auf 30 Dollar pro Fass. Zu diesem Zeitpunkt war die Terminkurve sehr steil. Wer hier einen Kontrakt mit einem Jahr Laufzeit erwarb, zahlte im Vergleich zum aktuellen Preis einen Aufschlag von 16%.

Crude Oil Futures

Heute sieht die Welt ganz anders aus, wie die folgende Grafik zeigt. Blau die oben schon gesehene Kurve, grün die aktuelle.

Die Kurve hat eine gänzlich andere Form. Wer heute auf Termin in einem Jahr kauft, zahlt rund 4% weniger als den aktuellen Spotpreis. Sollten die Spotpreise zum Laufzeitende unverändert sein, verdient der Anleger Geld.

Da ETFs und Zertifikate in der Regel auf Terminmarktgeschäften (Futures) basieren, sind diese Betrachtungen nicht nur theoretischer Natur. Wer 2016 einen ETF erworben hat, der musste gegen enormen Gegenwind vom Terminmarkt kämpfen. Das zeigt sich in der Performance der entsprechenden ETFs. Hier ein Vergleich vom Ölpreis (rote Linie) und einem Öl ETF (weiße Linie).

 

Dass dies keine böser Wille des Emittenten ist, zeigt die folgende Grafik, die die Entwicklung von Ölpreis und ETF darstellt. Seinerzeit waren die Effekte aus der Terminstruktur neutral.

Diese Effekte können über lange Zeiträume dramatische Ausmaße annehmen. Daher sollten Sie also in Rohstoff ETFs investieren, dann lohnt es sich, zumindest einen groben Überblick über die Situation am Terminmarkt zu behalten. Das gilt umso mehr bei mittel- bis langfristigen Spekulationen in einzelnen Rohstoffen.

Für die meisten Freunde von Gold und Silber sei angemerkt, dass in diesen beiden Märkten die Terminstrukturkurve in der Regel sehr unauffällig ist und die dargestellten Effekte im Verhältnis zur normalen Schwankungsbreite der Notierungen meistens zu vernachlässigen sind. Wer die Metalle physisch hält, der kann sich ohnehin entspannt zurücklehnen. Bei Erdgas, Öl und Eisenerz bietet sich die physische Lagerung allerdings nur bei größeren Grundstücken an ….

Der Artikel erschien zuerst auf Rottmeyer.de

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