Bevorstehende Überraschung beim Handeln von Platin-Futures?

Tags: Heraeus Edelmetall Bulletin Gold Silber Platin Palladium Rhodium Iridium Ruthenium Charts Analyse Marktreport vom 02.07.2018

Heraeus Edelmetall Bulletin

Die Nettoposition der Platin-Futures nicht gewerblicher Händler weist erstmals seit zehn Jahren eine Netto-Short-Position in Höhe von 258 koz Kontrakten aus. Nicht gewerbliche Händler sind vor allem große Investmentfonds, die auf Preisschwankungen spekulieren. Sie können entweder eine Long-Position einnehmen, bei der sie von steigenden Preisen profitieren, oder eine Short-Position, um an fallenden Preisen zu verdienen, wobei die Nettoposition der saldierten Gesamtposition entspricht. Zuletzt hielten die nicht gewerblichen Händler im Jahr 2004 für fünf Wochen und im Jahr 2001 zwei Mal eine Netto-Short-Position.

Der Platinpreis ist auf seinen niedrigsten Stand seit Anfang 2016 gefallen. Im Vergleich zu seinem Hoch im Januar gab er 16 % nach, weshalb es vielleicht nicht überraschen mag, dass die nicht gewerblichen Händler weiter auf fallende Kurse spekulieren. Die Bilanz der nicht kommerziellen Händler fällt allerdings eher gemischt aus. Im Juli 2001 nahmen sie, kurz nach einem Kursrückgang von 14 %, eine Netto-Short-Position ein, woraufhin der Preis in den drei darauffolgenden Monaten weiter nachgab. In den beiden anderen Fällen kam es bei einem Kurstief zu einer Netto-Short-Position und die Preise konnten sich kurz danach wieder deutlich erholten. Wirft man einen Blick auf die jüngsten Preisspitzen, wird deutlich, dass die Nettoposition non kommer- zieller Händler an Wendepunkten des Kurses ebenfalls zu Extremwerten tendiert. Im Juli 2016 kam es zu einem Rekordstand der Netto-Long-Position von 2,8 Moz, nachdem der Kurs seinen Spitzenwert bei 1.182 $/oz erreicht hatte. Andere Rekordstände entsprachen ebenfalls Preishöchstständen.

Aufgrund der Fundamentaldaten rechnen Marktteilnehmer in diesem Jahr mit einem Platinüberschuss. Der aktuell niedrige Preis verdeutlicht die Markteinschätzung. Nach einem Rückgang um 16% könnte es aber dennoch zu einer kurzfristigen Rally kommen, was die großen Händler – wie bereits in der Vergangenheit – erneut auf dem falschen Fuß erwischen würde.

GOLD

Vergangenen Montag unterschritt der 50-Tages-Durchschnitts- kurs für Gold den 200-Tages-Durchschnittswert; Ein negativer Indikator für Gold. Dieses Ereignis wird von Fachanalysten, die sich mit Kursmustern beschäftigen, als ein Anzeichen für einen weiteren Preisrückgang gesehen. Das letzte Mal kam es am 21. November 2016 zu solch einem Fall, als Gold mit 1.212 $/oz bewertet wurde. Anschließend setzte der Preis seinen Rückgang fort und erreichte schließlich innerhalb eines Monats ein Tief von 1.129 $/oz. Da die Durchschnittswerte über recht lange Zeiträume berechnet werden (50 Handelstage entsprechen 2,3 Monaten), hinkt dieser Indikator aber dem Kurs hinterher. Der Vorfall von 2016 ereignete sich jedoch erst, nachdem der Kurs von seinem Spitzenwert von 1.366 $/oz um 144 $/oz gefallen ist. Auch der Kurs am vergangenen Montag war von seinem Spitzenwert von 1.363 $/oz am 25. Januar um 97 $/oz zurückgegangen. Er könnte allerdings noch weiter fallen und sein Tief von 1.240 $/oz vom Dezember 2017 erreichen oder darüber hinaus bis auf etwa 1.215 $/oz sinken, was dem Unterstützungsniveau von Mai und Juli 2017 entspricht.

Chinas Goldimporte aus Hongkong stiegen im Mai gegenüber demselben Monat im letzten Jahr um 28% auf 58 Tonnen, was einem Zuwachs von 50% gegenüber April entspricht. China selbst meldet zwar keine Goldimporte, jedoch ist die oben genannte Kennzahl ein guter Trendindikator, weil ein Großteil des Goldhandels über Hongkong abgewickelt wird. Das Handelsvolumen für Gold während der ersten fünf Monate des Jahres erreichte 242 Tonnen, was gegenüber 2017 einen Rückgang von 22% darstellt. Im selben Zeitraum fiel der durchschnittliche lokale Goldpreis in China um 1,4% im Jahresvergleich. Diese Daten lassen auf einen schwachen Jahresbeginn für die chinesische Goldnachfrage schließen und verheißen nichts Gutes für den Goldpreis.

SILBER

Der Silberpreis entwickelte sich zuletzt parallel zu den Basismetallpreisen. Diese wiederum sind rückläufig, weil sich die Nachfrage bei einem Handelskrieg verringern könnte. Dem Silberpreis gelang es nicht, von der aktuellen unischeren politischen Situation und der Marktvolatilität zu profitieren, welche Händler in der Vergangenheit veranlasst hatten, nach sicheren Zufluchtshäfen Ausschau zu halten, in denen mit geringen Verlusten zu rechnen ist – ein Verhalten, das am Edelmetallmarkt oft beobachtet wird. Seit Beginn des jüngsten Ausverkaufs von Edelmetallen am 15. Juni gab der Silberpreis um 5,8% nach, während der Bloomberg Base Metals Index über denselben Zeitraum um 5,6% zurückging. Eine weitere Auswirkung der Handelssorgen ist die begonnene Baisse chinesischer Aktien (die seit ihren Januar-Hoch über 20% gefallen sind), was auf sich verschlechternde wirtschaftliche Rahmenbedingungen hindeutet. Folglich könnte auch die Silbernachfrage abnehmen. China ist der mit Abstand größte Hersteller von industriellen Silberprodukten und war laut der Umfrage World Silver Survey 2018 im Jahr 2017 mit 26% an der globalen Nachfrage beteiligt. Allem Anschein nach wird Silber weiter weniger nachgefragt und so dürfte auch der Silberpreis nachgeben, falls die Nachfrage für die „sicheren Häfen“ nicht wieder steigt.

PLATIN

Die Brennstoffzellentechnologie erhielt zusätzlichen Auftrieb aus Südkorea, nachdem das Land angekündigt hatte, während der nächsten fünf Jahre rund 2,3 Mrd. $ auszugeben, um die Technologie voranzutreiben und zu unterstützen. Bis 2022 wird es Erwartungen zufolge 310 Wasserstofftankstellen sowie 16.000 mit Brennstoffzelle betriebene Fahrzeuge geben. Der Großteil wird in den Bau von Tankstellen und in die Erweiterung der Produktionskapazitäten für die Herstellung von Wasserstoff- und Brennstoffzellenantriebe investiert. Zudem werden Mittel zur Finanzierung von F&E-Projekten und für wasserstoffbetriebene Busse zur Verfügung gestellt. Diese Ankündigung des südkoreanischen Ministeriums für Handel, Industrie und Energie folgt auf die jüngst bekannt gegebene Förderung von Brennstoffzellenfahrzeugen seitens der chinesischen Regierung und der aktuellen Entwicklung in Japan in diesem Bereich. Diese Unterstützung der Regierung verringert das Risiko südkoreanischer Automobilhersteller wie Hyundai weitere Investitionen vorzunehmen. Hyundai gilt bereits als einer der führenden Hersteller für Brennstoffzellenautos. Im Rahmen dieses Projekts wird es eine direkte Nachfrage nach Platin im Umfang von ein paar Tausend Unzen geben, wenngleich das größte Nachfragepotential sich aus dem zunehmenden Einsatz von Brennstoffzellen ergibt, was im Jahr 2025 erwartet wird.

PALLADIUM

Die Androhung amerikanischer Strafzölle auf europäische Fahrzeugexporte nahm während der vergangenen Wochen zu und stellt, für die zukünftigen Produktionsmengen von Fahrzeugen ein Risiko dar. Die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium veranlassten die EU, am Freitag, den 22. Juni, Vergeltungszölle auf einige amerikanische Produkte zu verhängen. Als Reaktion meldete Donald Trump, dass die USA auf Autos aus der EU mit einem Zoll in Höhe von 20% zurückschlagen würde, falls die aktuellen Zöllerhöhungen nicht wieder abgeschafft werden. Der derzeitige US-Einfuhrzoll beträgt lediglich 2,5%. Letzten Dienstag bestärkte Trump seine Aussage durch die Bemerkung: „Wir befinden uns momentan in der Schlussphase unserer Studie über Zölle auf Autos aus der EU.“ Aufgrund der potenziellen Zölle veröffentlichte Daimler eine Gewinn- warnung, nachdem die Aktienkurse führender europäischer Automobilhersteller bereits während der letzten beiden Wochen nachgaben. Die ifo-Umfrage über die deutschen Exporterwartungen zeigte im Juni, dass die Exporteure ihre Dreimonatsprognosen bereits das siebte Mal in Folge weniger optimistisch einschätzen. Laut der Umfrage rechnen die Automobilhersteller erstmals seit Dezember 2016 nicht mit einem Anstieg der Exportzahlen. Nach Angaben des Europäischen Automobilherstellerverbands ACEA wurden 2017 15 Mio. Fahrzeuge von der EU in die USA exportiert. Falls höhere US-Preise europäischer Autos den Absatz in den USA sinken lassen, würde auch die Palladiumnachfrage sinken.

Jaguar Land Rover (JLR) treibt seine Entwicklung im Bereich der Elektrofahrzeuge voran, wahrscheinlich um seine CO2-Emissionsziele erreichen zu können. Die Hauptmärkte von JLR sind Luxusfahrzeuge und SUVs, die deutlich mehr CO2 ausstoßen. So bezeichnete Andy Goss, Group Sales Operations Director von JLR, CO2-Emissionen vor kurzem als „großes, brisantes Problem“. Vergangene Woche gab das Unternehmen bekannt, während der nächsten drei Jahre 13,5 Mrd. £ in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen investieren zu wollen. JLR präsentierte vor kurzem den I-PACE, ein batteriebetriebener Geländewagen, und hofft, bis zum Jahr 2025 für jedes Modell eine reine Elektroversion anbieten zu können. Die Unternehmensstrategie für Elektrofahrzeuge könnte sich während der nächsten sieben Jahre jedoch noch ändern, je nachdem wie sich die Akzeptanz gegenüber batteriebetriebener Fahrzeuge entwickelt. Die Verkaufszahlen des I-PACE werden deshalb nicht nur durch JLR genau beobachtet, um die Verbraucherwünsche nach diesen Elektrofahrzeugen besser einschätzen zu können. Der kombinierte Einsatz verschiedener Antriebe wird sich in den kommenden Jahren vermutlich zugunsten von Palladium mit Benzin-Hybrid-Motoren entwickeln, bevor die zunehmende Popularität von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen im Laufe der nächsten zehn Jahre die wachsende Nachfrage nach Palladium bremsen könnte.

RHODIUM, RUTHENIUM, IRIDIUM

Die kleinen PGMs erlebten eine weitere Woche ohne wirkliche Preisschwankungen. Ruthenium und Iridium weisen seit fast fünf Wochen denselben Preis auf. Auch Rhodium wurde, mit Ausnahme von drei Tagen an denen es auf 2.265 $/oz gestiegen war, unverändert gehandelt. Die ETF-Bestände von Rhodium stabilisierten sich auf rund 52.000 oz und sind während der letzten sechs Wochen lediglich um 2.000 oz gefallen.

MARKTINDIKATOREN

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