Branchenprimus mit primären Auflösungserscheinungen

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von Bankhaus Rott

Die Aktie der Deutschen Bank hat sich von ihrem Allzeithoch mittlerweile rund 80% entfernt. In dieser trostlosen Entwicklung sind die Dividendenzahlungen bereits enthalten, Steuern und etwaige Kosten nicht. Im Vordergrund räumt der Vorstandschef Cryan kräftig auf, im Hintergrund wirken deutlich dubiosere Spieler. Wieder aufgetaucht ist in diesem Spektakel auch ein alter Bekannter, der ehemalige Gesundheitsminister Rösler…

Die chinesische Holding HNA hält direkt und indirekt noch 8,75% der Deutsche Bank-Aktien. Damit ist sie der größte Einzelaktionär, nichts mit dem man derzeit prahlen sollte. Abgesehen von den schwer messbaren aber gegebenenfalls vorhandenen politischen Vorteilen einer derartigen Beteiligung dürfte man wenig Freude an der Entwicklung der Papiere haben. Der Vorsitzende des dominanten Anteilseigners der HNA ist die Hainan Cihang Charity Foundation. Diese Stiftung operiert von New York und Zürich aus und wird seit dem letzten Jahr vom ehemaligen Gesundheitsminister und FDP-Chef Rösler geleitet, einer Person also, die sich mit Misserfolgen gut auskennt. Das ist in Finanzdingen stets hilfreich.

Zu den strategischen Zielen von HNA lässt sich bisher wenig sagen. Außer der üblichen Bullenmarktstrategie, immer mehr Anteile an zahlreichen Firmen zu erwerben, und das alles mit immer mehr Krediten zu finanzieren, lässt sich wenig aus den Unterlagen der Firma ableiten. Man darf gespannt sein, wie die nächste Kreditklemme sich auf diesen und andere hochverschuldete Konzerne auswirkt. Aber was soll schon überraschendes passieren? Es wird auch dieses Mal so ablaufen, wie es bei plötzlich teurer werdenden oder ganz ausbleibenden Anschlussfinanzierungen immer der Fall war. Der eine geht pleite und zieht ein paar andere mit sich ins schwarze Loch hinein. Kurz vorher betonen noch einmal alle, dass sie eigentlich von nichts etwas wissen und es ganz erschreckend fänden, sollte so etwas unfassbares jemals geschehen. Da muss doch jemand betrogen haben, wird es heißen. Aber man soll nicht alles mit Betrug erklären, was man auch mit Dummheit erklären könnte. Sehr niedrig geschätzt dürften rund 90% derartiger Fälle auf Unfähigkeit zurückzuführen sein.

Die HNA hält die Anteile indirekt über den Asset Manager C-Quadrat. Die Position ist den Pflichtveröffentlichungen der Deutschen Bank zu entnehmen.

Zunächst wird man dann versuchen in einem schwachen Markt noch ein paar Milliarden teurer zu refinanzieren. Gleichzeitig sackt der Wert der Beteiligungen deutlich ab, woraufhin sich das Kreditprofil auf zwei Seiten gleichzeitig verschlechtert. Die Gewinnmargen, so noch vorhanden, schrumpfen durch steigende Fremdkapitalkosten zusammen, und die Kreditsicherheiten in Form von Beteiligungen sinken. Das führt zu weiter steigenden Kreditkosten, gerne auch sprunghaft. 

Je nachdem wie und mit wem man die vorhandenen Finanzierungen abgeschlossen hat kann es durch diese Veränderungen auch zu Verletzung von Kreditklauseln (covenants) kommen. Der nächste Schritt ist dann der Verkauf von Beteiligungen um den Finanzierungsbedarf zu reduzieren. Da jeder weiß, wer gerade akute Probleme hat, hilft auch das Schönreden („strategische Entscheidung“, blabla) nicht mehr weiter und die Verkaufspreise fallen dementsprechend tief aus. Schlussendlich geht es nur noch darum, eine solche Krise zu überleben.

Die Auswirkungen sind natürlich nicht nur auf den einen Konzern beschränkt, sondern betreffen durch Zugeständnisse oder sogar Abschreibungen auch die Kreditgeber und unmittelbar die betroffenen Beteiligungen. Wenn ein Konzern 8,75% an einer ohnehin nicht gerade sonderlich stabil wirkenden Bank hält und diesen Anteil unter Druck veräußern muss, kann sich jeder die möglichen Auswirkungen auf den Kurs der Bankaktie ausmalen. Schön sieht der schon jetzt nicht aus.

Die folgende Grafik zeigt den längerfristigen Verlauf des Aktienkurses der Deutschen Bank. Die paar Dividenden, die im Chart nicht enthalten sind, retten das Bild angesichts der nahezu totalen Katastrophe auch nicht mehr. Umso bemerkenswerter ist es, wenn mittlerweile die Vorgänger von Herrn Cryan, der den Komposthaufen schon qualmend übernahm, betonen, sie hätten eine gesunde Bank hinterlassen. 

Es geht doch nichts über eine klare Richtung. Mittlerweile sollte auch die Finanzierungsprobleme bei der HNA jeder wahrgenommen haben, wurden doch bereits mehrere Finanzierungsrunden für Beteiligungen mangels Anlegerinteresse abgesagt. Das ist problematisch, denn ein Kreditnehmer hängt am Vertrauen der Anleger. Fehlt dieses, kann man schon mal den Schlüssel holen und die Tür hinter sich zuziehen.

In Zeiten, in denen Banken in Liquidität geradezu ersaufen und für die Liquiditätshaltung auf Grund der schwachsinnigen, rein durch die „Ein Euro Politik“ bestimmten Zinspolitik der EZB auch noch Kosten anfallen, wird der Ausstieg eines Ankerinvestors rasch zu einer existenziellen Bedrohung. Die Ursache dafür liegt in der von vielen immer noch nicht realisierten Natur der Bankenkrise in Europa. Es handelt sich nicht um ein Liquiditätsproblem sondern um ein Solvenzproblem. Die meisten Banken in Europa haben viel zu wenig Eigenkapital. Das ist ein Grund für das Festhalten an der unsinnigen Risikogewichtung von 0 für europäische Staatsanleihen. Das Risiko eines Kreditausfalls ist nie Null, schon gar nicht innerhalb eines Konstruktes, bei dem die Fähigkeit zur Rückzahlung einer Anleihe in Euro im Falle einer Aufspaltung der Einheitswährung in vielen Ländern nicht gegeben wäre.

Sollte die HNA den Gang zum Kursrichter gehen müssen, so ist jeder, der im Nachhinein behauptet, dafür hätte es keine Anzeichen gegeben, entweder ein Lügner, ein Trottel oder beides. Gerade die letztgenannten Mischwesen tauchen bekanntermaßen gerne in Kreditkrisen auf, wie das Beispiel 2008/2009 lehrt.

Der Artikel erschien zuerst auf Rottmeyer.de

(Bild: CC0 License)

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