Der Marktüberschuss von Platin unterstützt den Anstieg des Rhodiumpreises

Tags: Heraeus Edelmetall Bulletin Gold Silber Platin Palladium Rhodium Ruthenium Iridium Analyse Charts Meinung Marktreport 05.11.2018

Heraeus Edelmetall Bulletin

Die Verwendung von Rhodium in Autokatalysatoren erreichte in den Jahren 2007 und 2008 ihren Höhepunkt, als der Preis auf über 10.000 $/oz stieg. Bis 2010 war der Verbrauch auf das Niveau von 1999 zurückgegangen und verharrt seitdem dort, da die Katalysatorhersteller die Beladung von Drei-Wege-Katalysatoren reduzierten und den Bedarf an NOx-Speicherkatalysatoren mit einem hohen Rhodiumanteil für die Erfüllung der Euro-6-Norm reduzierten. Der durchschnittliche Rhodiumpreis belief sich 2008 auf 6.550 $/oz und erreichte 2016 einen Tiefststand von unter 700 $/oz.

Die Primärversorgung mit Rhodium erfolgt fast vollständig durch Südafrika – das Land war in 2017 für 80% der weltweiten Minenproduktion verantwortlich. Der Rhodium-Gehalt in Merensky-Erzkörper beträgt bei der 4E-Produktion (Pt, Pd, Rh, Au) typischerweise 3-5%, im UG2-Erzkörper können es jedoch bis zu 11% sein. Als der Rhodiumpreis Mitte 2000 stark anstieg, wurden in der Folge bis 2009 sieben Minen im UG2-Erzkörper erschlossen. So konnte die jährliche Produktionskapazität um etwas mehr als 100.000 Unzen (3t) ausgebaut werden. Diese neue Kapazität hat dazu beigetragen, dass sich das südafrikanische Angebot von einem etwa 1:1-Verhältnis aus Merensky- und UG2-Erzkörper in den 1990er-Jahren auf ein Verhältnis von etwa 0,3:1 bis Ende der 2010er Jahre verschoben hat.

Die südafrikanischen Produzenten sind durch Veränderungen in der Zusammensetzung des Erzes zunehmend auf Einnahmen aus Rhodium angewiesen. Mit Rhodium wurde während der Preisspitzen des Metalls mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes (aus PGM und Nebenprodukten) erwirtschaftet, jedoch nur 7% im Jahr 2017. Der Preisverfall führte zu mehreren Schachtschließungen, die sich hauptsächlich auf den Abbau im UG2-Erzkörper auswirkten.

Das Primärangebot von Rhodium ist nun rückläufig. Der westliche und östliche Bushveld-Komplex enthält bedeutende Reserven an stillgelegtem und nicht abgebautem Rhodium, dessen Abbau anlaufen und die Produktion steigern könnte. Das UG2-Erz enthält – verglichen mit anderen Erzen im südlichen Afrika – deutlich weniger Basismetalle, die als Nebenprodukte einen Beitrag zum Ausgleich der Kosten leisten können. Folglich sind signifikant höhere Preise für Platin und Rhodium erforderlich, um entsprechende Anreize zu setzen. Zwischenzeitlich drückt der Angebotsüberschuss den Platinpreis und beschränkt das Angebot von Rhodium, was wiederum dessen Preis Auftrieb verleiht.

 

GOLD

Gold kann von einem politischen Stillstand in den USA nach den Zwischenwahlen profitieren. Die Aktienmärkte erholten sich nach dem schlechtesten Monat für den globalen Aktienmarkt seit 2012. Der S&P500-Index erholte sich am Dienstag um 3%, nachdem eine Reihe von Unternehmensberichten starke Gewinne berichteten und die Nachfrage nach sicheren Häfen nachließ. Der Dollar-Index übertraf das Niveau vom August und erreichte mit 97 ein neues 16-Monats-Hoch, schwächte aber am Donnerstag ab, was zu einer teilweisen Erholung des Goldpreises führte. Weitere Schwäche könnte sich im Zuge der US-Zwischenwahlen am 6. November ergeben. Umfrageergebnisse legen nahe, dass die Demokraten eine Mehrheit im Repräsentantenhaus erreichen werden; die Republikaner jedoch ihre Senatsmehrheit erhalten können. Dies würde zu einem politischen Stillstand führen und es Präsident Trump erschweren, seine unternehmensfreundliche Politik fortzusetzen. Die erhöhte Unsicherheit könnte zu einem Rückgang des Dollar-Kurses und einer Erholung des Goldpreises führen.

Hohe lokale Goldpreise in Indien und China begrenzen die Nachfrage der beiden größten Märkte. Der Renminbi hat mehr als die meisten Währungen gegenüber dem Dollar verloren und ein 10-Jahres-Tief erreicht. Dies hat den Goldpreis in Landeswährung nach oben getrieben und sorgt für Gegenwind für die physische Nachfrage auf dem größten Goldmarkt der Welt. In Indien entfielen dem World Gold Council (WGC) zufolge auf das jeweils vierte Quartal der Jahre 2016 und 2017 36% bzw. 31% der Gesamtjahresnachfrage. Feierlichkeiten, die Hochzeitssaison und die Einkünfte aus der Ernte stützen die Goldkäufe in Indien. Dhanteras, der Beginn von Diwali (dem hinduistischen Lichterfest), fand heute am 5. November statt und gilt in Indien als eine glückbringende Zeit für Goldkäufe. Die Goldeinfuhren stiegen im September um 6,5% im Vorjahresvergleich. Ein schwächelnder Rupienkurs hat den Goldpreis jedoch in 2018 bisher um 10% auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 90.000 INR/oz erhöht. Die Daten des WGC belegen, dass der Anstieg des Goldpreises in Indien um 10% im Laufe des Jahres 2012 zu einem Rückgang der Nachfrage um 6,1% führte.

 

SILBER

Die zunehmende Elektrifizierung von Autos lässt die Nachfrage nach Silber steigen. Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen ist in den USA im dritten Quartal 2018 stark gestiegen und übertraf die Nachfrage im gleichen Quartal in 2017 mit 110.500 Fahrzeuge um 107% (ev-volumes.com). Dies entspricht einem Marktanteil von 3,2% gegenüber einem Jahresdurchschnitt von 1,2% im Jahr 2017. Dieser hohe Absatz ist im Wesentlichen auf den Produktionsanlauf des Tesla-Modells 3 zurückzuführen, von dem im dritten Quartal 54.000 Fahrzeuge abgesetzt wurden. Die Nachfrage der Automobilindustrie nach Silber im Jahr 2017 wurde in der World Silver Survey 2018 auf 50 Mio. Unzen (ca. 1.420 t, entsprechend 5% der globalen Nachfrage) geschätzt. Wenn der Marktanteil von 3,2% aufrechterhalten werden kann, könnte die Silbernachfrage in den USA im Jahr 2019 trotz eines erwarteten Rückgangs des Fahrzeugabsatzes um 5% steigen.

Eine ähnliche Wachstumsrate wird weltweit prognostiziert und sollte bei fortschreitender Elektrifizierung bis 2040 nachhaltig sein. Alle Kraftfahrzeuge enthalten Silber in ihren elektrischen und elektronischen Systemen, wie beispielsweise Relais, Sensoren, Stellmotoren oder Heckscheibenheizungen. Positive Prognosen des globalen Automobilabsatzes und eine steigende Anzahl von Funktionalitäten in den Fahrzeuge dürften die Silbernachfrage begünstigen. Die Elektrifizierung und Hybridisierung von Autos sollte dieses Wachstum beschleunigen, da in den Batterie- und Motorsystemen zusätzliches Silber vorhanden ist. Darüber hinaus haben elektrifizierte Fahrzeuge typischerweise mehr Funktionen, wie zum Beispiel autonomes Fahren auf niedrigem Niveau.

 

PLATIN

Das Ersetzen von Palladium durch Platin in Abgaskatalysatoren benzingetriebener Fahrzeuge ist nicht trivial, so die Automobilindustrie. Derzeit enthalten Benzin-Abgaskatalysatoren einen hohen Palladiumanteil, der hohe Palladiumpreis könnte jedoch zu einer wachsenden Verwendung von Platin führen. General Motors hat jedoch hervorgehoben, dass für eine Substitution ein 18- bis 24-monatiger Entwicklungszyklus erforderlich ist. Daher müssen die Automobilhersteller ein hohes Maß an Vertrauen haben, dass der Preisabschlag von Platin gegenüber Palladium andauern wird, bevor entsprechende Maßnahmen starten. Da sich ein signifikanter Abschlag erst in diesem Jahr herausgebildet hat, dürfte die Substitution erst Ende 2019 oder 2020 beginnen, sofern dieser Abschlag erhalten bleibt. Die Konsenspreis-Prognosen von Bloomberg für Platin und Palladium deuten auf eine Verringerung des Platinabschlags auf 32 $/oz bis Q4 2019 (ausgehend von derzeit 249 $/oz) hin, was die Hersteller von Katalysatoren abschrecken dürfte. Wenn sich der derzeitige Abschlag jedoch manifestiert, würde eine weltweite Substitution von 5% des in Benzin-Abgaskatalysatoren verwendeten Palladiums durch Platin die Platinnachfrage um etwa 300.000 Unzen (8,5 t) steigern.

 

PALLADIUM

Chinas Steuersenkungen auf Kraftfahrzeuge könnten die Palladiumnachfrage um 150.000 Unzen (4,25t) erhöhen. Chinas Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, die wichtigste Institution für Wirtschaftsplanung im Land, hat vorgeschlagen, die Umsatzsteuer auf Kraftfahrzeuge von 10% auf 5% zu halbieren. Dies ist ein Versuch, den Automobilabsatz zu steigern, der im dritten Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahr um 7% zurückging. Es herrscht Druck zur Belebung der chinesischen Wirtschaft, da sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts verlangsamt hat, während zeitgleich die Aktienmärkte und die Landeswährung Renminbi an Wert eingebüßt haben. Eine ähnliche Senkung der Umsatzsteuer auf Autoverkäufe von 10% auf 5% wurde im September 2015 eingeführt, um den Markt zu stärken, der in jenem Jahr seit Jahresbeginn bis August kein Wachstum verzeichnet hatte. Im darauf folgenden Jahr 2016 stieg der Absatz um 14% (3,4 Mio. Fahrzeuge). Es ist unwahrscheinlich, dass der Umsatzanstieg diesmal so groß sein wird: Der Markt hat sich entwickelt und seine Wachstumsrate hat ihren natürlichen Zenit überschritten. Dennoch würde eine Absatzsteigerung um 2 Millionen Fahrzeuge eine zusätzliche Nachfrage nach Palladium um 150.000 Unzen (4,25 t) im Jahr 2019 bedeuten.

Der Produzent Norilsk Nickel (Nornickel) bekräftigt seine Prognose von 2,7 Mio. Unzen (76,5 t) Palladium trotz eines Quartalsrückgangs der Produktion um 14% im dritten Quartal 2018. Die Produktionsmenge im zweiten Quartal 2018 war erhöht, da im Quartalsverlauf bereits gefördertes Erz verarbeitet wurde. Die Prognose der Palladiumproduktion für das Gesamtjahr liegt bei 2,630 Mio. – 2,725 Mio. Unzen (74,55 – 77,25t), womit die Jahresproduktion von 2017 (2,728 Mio. Unzen/ 77,34t) leicht unterschritten würde. Demgegenüber steigerte das Unternehmen North American Palladium seine Produktion von Palladium im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 7% auf 57.000 Unzen (1,6 t). Die Prognose für 2018 bleibt unverändert – jedoch wird nun ein Produktionsergebnis am unteren Ende der Bandbreite zwischen 230.000 und 240.000 Unzen (6,5 bzw. 6,8t) erwartet, da der Metallgehalt im abgebauten Erz hinter den Erwartungen zurückbleibt.

 

RHODIUM, RUTHENIUM, IRIDIUM

Die Produktionskürzungen von Impala Platinum Holdings (Implats) könnten das Gesamtangebot von Platingruppenmetallen weniger stark senken als zunächst angenommen. Impala, dass ein Sechstel der Gesamtproduktion von Rhodium liefert, hat im dritten Quartal 2018 eine starke Leistung gezeigt: Die Rhodiumproduktion stieg um 2% auf nunmehr 47.000 Unzen (1,3t). Das Unternehmen bekräftigte seine Pläne, die Produktion ab 2019 zu reduzieren, was den Markt voraussichtlich weiter verengen wird. Impala berichtete jedoch auch, dass es derzeit Verhandlungen mit Interessenten für einen der Schächte führe, dessen Schließung bevorsteht. Im Falle erfolgreicher Gespräche könnte dies dazu führen, dass die Marktprognosen nach oben korrigiert werden: Ein höheres Produktionsniveau für alle Platingruppenmetalle (einschließlich Rhodium, Ruthenium und Iridium) sowie folglich sinkende Preise wären die Folge.

Die Preise für Ruthenium und Iridium verbleiben weiterhin in ihrer bisherigen Spanne, der Rhodiumpreis fiel jedoch um 20 $/oz – der vierte wöchentliche Preisrückgang in Folge. Auf diesem Preisniveau ist jedoch ein höheres Kaufinteresse zu verzeichnen. Die Bestände der Rhodium ETFs sind seit dem Höchststand des Preises am 1. Oktober um weitere 8% (3.800 Unzen; 0,1t) gesunken und es gab keine Zuflüsse im Zuge des tieferen Preises.

 

MARKTINDIKATOREN

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