Die Meinung der Anderen: Gold und Palladium schütteln die Hände

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von Przemyslaw Radomski, CFA

Der Palladiumpreis übertraf den Goldpreis zum ersten Mal seit 16 Jahren. Das ist ein episch. Aber was heißt das wirklich und warum sollten sich Gold-, Silber- und Minenaktienanleger für den kleinen Palladiummarkt interessieren? Kurz gesagt, weil diese Entwicklung uns etwas über die zukünftige Entwicklung des Edelmetall-Sektors im Allgemeinen sagen kann...

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Das letzte Mal, als das Gold-Palladium-Ratio unter 1 lag, bedeutete dies, dass Palladium Ende 2002 mehr wert war als Gold. Das Verhältnis verharrte dort für einige Monate, bevor es schließlich darüber stieg, was darauf schließen lässt, dass Anleger möglicherweise beide Metalle auf ähnlichen Preisebenen sehen müssen, bevor sie akzeptieren, dass Palladium wirklich mehr wert sein kann als Gold. Das Beispiel aus dem Jahr 2002 zeigt jedoch, dass die 1er Ebene als Widerstand für das Ratio dient und in diesem Fall ist es wichtig, zu prüfen, ob sie als Unterstützung funktioniert.

Und das tut sie. Nicht mit perfekter Präzision, aber auf jeden Fall nützlich. Als das Ratio 1998 unter 1 brach, bewegte es sich für mehrere Monate auf diesem Niveau hin und her und fiel erst nach Abschluss dieser Konsolidierung unter dieses wichtige Niveau.

Was bedeutet dies für die aktuelle Situation? Es zeigt an, dass der Aufwärtsmarsch des Palladiums für eine Weile stoppen kann. Zudem kommt, falls der Goldpreis in den folgenden Wochen nachgibt kann es ebenfalls zurückgehen, um das Ratio nahe 1 zu halten.

Die Schlüsselfrage, die Sie sich wahrscheinlich stellen, ist die Frage, warum dieser kleine Markt (die Größe des Palladiummarktes ist im Vergleich zu Gold eine winzige Größe) für diejenigen von Bedeutung ist, die an Gold, Silber und Minenaktien interessiert sind, und nicht nur an Palladium. Die Antwort ist, dass die Verbindung von Palladium zu Gold bei sorgfältiger Annäherung als technisches Signal dienen kann.

Das Ratio von Gold zu Palladium an sich ist nicht an an eine Range gebunden. Es bewegt sich extrem, was im Laufe der Zeit nicht unbedingt gleichbleibend ist und ist daher alleine nicht wirklich nützlich. Wenn Sie jedoch einen Indikator verwenden, der die Ratiobewegung in etwas verwandelt, das stärker Range gebunden ist, können wir davon wertvollere Informationen erhalten. Wir verwenden den RSI-Indikator, den Sie im oberen Teil des obigen Charts sehen.

Beginnen wir mit der Einschränkung des obigen Ansatzes. Selbst im Fall des RSI-Indikators stimmen die überkauften Werte des Gold-Palladium-Ratios nicht überein (das Ratio kehrt sich nach Erreichen des gleichen Wertes nicht um), was ein schlechtes Signal für das Erkennen von Extremen darstellt. Nebenbei bemerkt haben die Gold- und Silber-CoT-Berichte die gleichen Schwachstellen.

Glücklicherweise gibt es eine Möglichkeit, das oben genannte trotzdem zu verwenden. Die überverkauften Werte des Gold-Palladium-Ratios haben eine höhere Konsistenz gezeigt und dienen als bärisches Signal für Gold. Es ist nicht eindeutig genug, um sich bei Investitionsentscheidungen allein darauf zu verlassen, aber es erscheint als Bestätigungstool sehr nützlich. In den letzten zehn Jahren war der RSI, der auf dem Ratio unter oder sehr nahe bei 30 basierte, ein sehr zuverlässiger Hinweis darauf, dass ein starker Goldpreisrückgang unmittelbar bevorstehen könnte. Die Hochs von 2009, Ende 2010, Anfang 2013, Ende 2016, Anfang 2018 wurden alle von diesem Signal begleitet. Mitte 2014 gab es eine Ausnahme von der Regel.

Da es in fast allen Fällen des letzten Jahrzehnts, in denen der RSI, der sich auf das Ratio von Gold zu Palladium stützte, sehr nahe oder unter 30 lag, bedeutete, dass massive Goldpreisrückgänge bevor stehen, können wir es als sehr bärisches Signal betrachten. Dies ist insbesondere der Fall, da es derzeit keinen einzigen bärischen Faktor gibt. Umgekehrt gab es eine Reihe von Faktoren, die in den folgenden Wochen auf einen starken Preisverfall bei Gold, Silber und Minenaktien hindeuteten. Folglich dient das oben erwähnte bärische Signal als ihre Bestätigung.

Aus der Sicht des Gold & Silber-Portfoliomanagements ist es möglicherweise verlockend, sich auf Palladium zu konzentrieren, da es in letzter Zeit so gut funktioniert. Die langfristigen Aussichten sind jedoch nicht so rosig, wie es scheint. Wir haben es in Teil 5 unserer Serie "Vorbereitungen für den Boden“ mit dem Titel "What to Buy" erklärt. Angesichts der aktuellen Preisentwicklung bei Palladium ist es angebracht, diese Analyse zu zitieren:

Nun, sein Potenzial scheint vielversprechender zu sein als das von Platin (und das Platin-Palladium-Ratio ist dementsprechend zurückgegangen), aber es ist immer noch wahrscheinlich, dass es in den kommenden Jahren aus den gleichen, fundamentalen Gründen leiden wird. Nahezu 85% der Palladiumnachfrage stammt aus der Automobilindustrie (wird bei Benzinfahrzeugen anstelle von Platin verwendet), was es zu einem Industriemetall macht, das Kupfer ähnlicher ist als Gold. Sollte es wirklich Teil eines Edelmetallportfolios sein? Es könnte, wenn es eine vielversprechende Perspektive hätte und dies scheint auch ein Problem zu sein. Während es wahrscheinlich Platin outperformen wird (genau wie Benzinfahrzeuge Dieselfahrzeuge übernehmen), hat es ein großes Problem durch den langfristigen Anstiegs des Marktanteils von Elektroautos. Diese Autos werden den Markt zwar nicht in Kürze beherrschen, aber der Trend ist bereits vorhanden, und da die Märkte im Allgemeinen nach vorne blicken, könnten die Preise diesen Trend viel früher widerspiegeln, was für die Preise von Palladium in den folgenden Jahren nicht gut ist (zumindest im Vergleich zu Gold und Silber). Einige könnten sagen, dass Brennstoffzellen die Nachfrage nach Platin und Palladium stützen werden, aber das scheint nicht der Fall zu sein.

Aus technischer Sicht sehen wir, dass Palladium seit einigen Jahren den Edelmetallsektor outperformt, die Performance in den Jahren von 2000 bis 2009 war jedoch sehr schwach. Der größte Anstieg - zusätzlich zum aktuellen - wurde unmittelbar nach dem 2008er Tief (160,30 $) verzeichnet, als Palladium im Jahr 2011 auf 862 $ stieg (eine Rallye von fast 438%). Zum Vergleich: Silber stieg von 8,40 auf 49,83 Dollar (über 493%) - letztere übertraf die Performance noch.

Wann also outperformte Palladium nun genau? Als der Edelmetallsektor - im Allgemeinen - rückläufig war. Kein Wunder, dass dies passiert ist - schließlich haussierte der allgemeine Aktienmarkt und der überwiegende Teil der Nachfrage nach Palladium ist industrieller Natur.

Da wir in den Edelmetallmarkt einsteigen und ihn nahe am Hoch verlassen möchten, ist die Performance während der Aufschwünge am wichtigsten. Man kann aber sagen, dass das oben genannte über Palladium zumindest "interessant" ist.

Weniger interessant ist die Performance von Palladium in dem vor vier Jahrzehnten gesehenen großen Bullenmarkt. Palladium stieg von unter 40 USD auf etwa 350 USD, während Gold von unter 40 USD auf etwa 850 USD und Silber von unter 1,50 USD auf etwa 50 USD stieg. Palladium war in diesem Rennen ein klarer Verlierer, und da die Geschichte dazu neigt, sich zu reimen, versetzt es uns nicht gerade in Begeisterung über die zukünftige Performance von Palladium.

Alles in allem, obwohl der Preis derzeit deutlich über den Palladium-Produktionskosten liegt, scheint dieses Edelmetall kein langfristiger Gewinner zu sein. Aufgrund seines fundamentalen Bildes und der Analogie zum früheren großen Bullenmarkt zögern wir, ihn in die Kategorie langfristiger Anlagen des Edelmetallportfolios aufzunehmen. Es gibt bessere Möglichkeiten, sich gegenüber anderen Anlegern einen Vorteil zu verschaffen, als Palladium in sein Anlageportfolio aufzunehmen.

Zusammenfassend bleiben die Aussichten für den Edelmetallmarkt für die folgenden Wochen sehr bärisch. Die stark bärischen Analogien zu den Jahren 2013 und 1999, die Unterperformance der Minen, die Anzahl der Intraday-Reversals des GLD-ETF, die Dreiecks basierten Reversal bei Gold und Silber, die Aussichten für den USD-Index sowie die Situation im Ratio von Gold zu Palladium, sind nur einige von vielfachen Gründen, die in der nahen Zukunft auf deutlich niedrigere Edelmetallpreise hindeuten.

Vielen Dank.

© Przemyslaw Radomski, CFA

Founder, Editor-in-chief, Gold & Silver Fund Manager

Sunshine Profits - Gold & Silver Investment

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Der Artikel erschien im engl. Original am 06. Dezember 2018 auf goldseek.com und wurde von der Metallwoche exklusiv und ohne Gewähr übersetzt.

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