Edelmetallmesse 2013: Im Gespräch mit Chris Berry

Tags: Rohstoffe Inflation Deflation Wirtschaft Chris Berry Tug of War

Das heutige Interview mit dem kanadischen Rohstoff-Analysten Chris Berry führte Lars Schall exklusiv für die Metallwoche auf der diesjährigen Edelmetallmesse in München. Chris Berry gab am Vortag eine Präsentation, wo er von einem "Tug of War", dem Tauziehen zwischen den Kräften der Deflation und der Inflation in der Wirtschaft sprach...



Chris Berry (geboren 1974 in Phoenix, Arizona) hat einen MBA in Finanzen mit internationalem Fokus von der Fordham University und einen BA in Internationale Studien vom Virginia Military Institute. Er arbeitete mehr als ein Jahrzehnt lang in verschiedenen Aufgabenbereichen an der Wall Street. Im Jahr 2010 gründete er House Mountain Partners LLC. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Schnittstelle dreier Bereiche:

  • Den neuen geopolitischen Beziehung zwischen Schwellen- und Industrieländern;

  • Dem Rohstoff- und Energiebereich;

  • Junior Mining und Rohstoffaktien.


Chris Berry ist Mitglied des Canadian American Business Council, trägt zusammen mit seinem Vater, Dr. Michael Berry, aktiv zum Morning-Notes-E-Mail-Newsletter bei (siehe: DiscoveryInvesting.com), und schreibt Kolumnen für verschiedene Publikationen wie dem Gold Report. Er lebt in New York City, U.S.A.

*****


Als Abonnent der Metallwoche haben Sie ebenfalls Zugriff auf die vollständige, schriftliche, deutsche Übersetzung dieses Interviews im weiteren Verlauf dieser Seite. Viel Spaß!

Sie sind nicht eingeloggt! Um den gesamten Inhalt sehen zu können, müssen Sie eingeloggt sein und ein aktuelles Abonnement besitzen. Log-In


Wer uns noch nicht kennt


Wie komme ich hier rein?
Ihr Browser unterstützt diese Audio-Funktion nicht. Bitte benutzen Sie einen aktuellen Browser.






Download

Homepage von Chris Berry

Metallwoche - Forum

Chris Berry - Präsentation Edelmetallmesse München 2013 (pdf)

 

Chris Berry: der "Tug of War"


Lars Schall: Hallo, meine Damen und Herren bei der Metallwoche, mein Name ist Lars Schall, und ich bin jetzt hier mit Chris Berry, einem kanadischen Rohstoff-Analysten. Chris, gestern haben Sie hier auf der Internationalen Edelmetall- und Rohstoff-Messe eine Präsentation gegeben, bei der Sie von einem Tauziehen (“Tug of War“) sprachen. Können Sie ein wenig darüber sprechen?

Chris Berry: Sicher. Wissen Sie, ein großer Teil der Arbeit, die ich tue, ist vom Wesen her Makro-Ökonomie, so dass Top-Down-Investoren und ich auf jeden Fall über das sprechen wollten, was ich derzeit in der Weltwirtschaft geschehen sehe; einige der Kräfte, die gegeneinander Drücken und Ziehen, und deren Auswirkungen auf den Rohstoff-Komplex im Großen. Und so war eine der wichtigsten davon, über die wir gestern gesprochen haben, die Schlacht zwischen Inflation und Deflation in der Wirtschaft, wer der Gewinner zu sein scheint und wie die Zukunft aussieht.

L.S.: Glauben Sie, dass im Augenblick die Deflation gewinnt?

C.B.: Das tue ich in der Tat, und ich sage das aus westlicher Perspektive. Wenn ich mir die entwickelten Volkswirtschaften wie die der Vereinigten Staaten und Kanada und viele von ihnen hier in Westeuropa anschaue, kann man auf eine Reihe von Metriken wie die Rohstoffpreise im Allgemeinen blicken. Ich glaube, sie sind zuverlässige Indikatoren für Inflation und Inflationserwartungen. Und der Trend bei den Rohstoffen, allgemein gesprochen, ist der, dass die Preise nach unten gefallen sind. Das ist also kein inflationärer Indikator für mich; das ist de-inflationär und wohl deflationär. Zweitens schaue ich auch auf die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, das heißt, wie schnell ein Dollar oder ein Euro oder eine Währungseinheit in einer Volkswirtschaft den Besitzer wechselt. Und man kann sich einige der Daten auf der Website der St Louis Federal Reserve Bank anschauen, und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes befindet sich im Trudeln. Sie verlangsamt sich also. Trotz der Tatsache, dass die Federal Reserve in den Vereinigten Staaten ihre Bilanz um 85 Milliarden US-Dollar pro Monat ausweitet und Liquidität in das System pumpt, findet dieses Geld nicht seinen Weg durch den Filter. Das ist also auch ein deflationärer Indikator für mich. Das sind die beiden primären Dinge, die ich mir anschaue.

L.S.: Eine Deflation wäre nicht gut für Edelmetalle. Doch längerfristig, sind Sie da optimistisch?

C.B.: Längerfristig bin ich optimistisch, denn letztendlich, obwohl ich denke, dass QE und diese Anleihekäufe vom Wesen her deflationär sind, wird es, wenn eine Verringerung der Käufe stattfindet oder die Quantitative Lockerung an sich gestoppt wird, eine Situation geben, wo es letztlich mit diesen Volkswirtschaften nach oben geht, sich das Wirtschaftswachstum umdreht, die Arbeitslosigkeit weiter sinken wird und sich hoffentlich die Erwerbsquote erhöht. Und das bedeutet, dass man eine Lehrbuch-Definition für die Inflation haben wird. Zu viel Geld wird zu wenigen Gütern hinterherjagen. Es gibt derzeit auf dem Arbeitsmarkt eine große Flaute, welche die Produktivität und Wirtschaftsleistung beeinträchtigt, aber schließlich wird es eine Lehrbuch-Situation geben, in der zu viel Geld zu wenige Waren jagt, und das ist der Grund, warum Gold und Silber auf lange Sicht enorm von dem profitieren werden, was derzeit passiert.

L.S.: Wird der Westen oder der Osten dann am meisten davon profitieren?

C.B.: Nun, das ist eine gute Frage, und ich denke, dass es eine Reihe von verschiedenen Möglichkeiten gibt, sie zu beantworten. Das zweite Tauziehen, über das ich gestern sprach, war diese Schlacht zwischen Ost und West und die Verlagerung der globalen wirtschaftlichen Überlegenheit, wenn man so will, von den westlichen Volkswirtschaften hin zu den östlichen Volkswirtschaften. Natürlich konzentriert sich jeder auf China und Indien, und ich denke, dass man sicherlich dahingehend argumentieren kann, aber ich würde alle Leser und Hörer hier ermutigen, sich daran zu erinnern, dass es eine ganze zusätzliche aufstrebenden Welt da draußen gibt. Das Spiel ist nicht nur auf China und Indien begrenzt, es umfasst Länder wie Indonesien oder Mexiko - oder eine Reihe von Volkswirtschaften auf dem afrikanischen Kontinent, die auch zweistellige Wachstumsraten erleben. Es gibt also eine Situation, wo man dieses Lebensqualitätsphänomen oder diesen Lebensqualitätszyklus hat, das/der in Asien viel schneller entfaltet. Die Menschen haben ein Leben von höherer Qualität sehr viel schneller als je zuvor. Das ist also längerfristig bullish für alle Rohstoffe. Ganz offensichtlich ist das so für weiche Rohstoffe wie Weizen und Rindfleisch und so weiter und so fort, aber man auch für Gold und Silber und die Industriemetalle kann dahingehend argumentiert werden.

L.S.: Und auch für andere strategische Rohstoffe?

C.B.: Absolut. Wissen Sie, vor ein paar Jahren gab es eine große Aufregung, wenn man so will, bezüglich der Seltenen Erden und Chinas Kontrolle über die gesamte versorgungskette. Und was interessant für mich ist, trotz der Tatsache, dass diese Preise allesamt gefallen sind, besteht das Problem, wenn man so will, des chinesischen Besitzes der gesamten Versorgungskette noch heute. Nur sehr wenig ist im Westen getan worden, um zu versuchen, unsere Abhängigkeit von dem, was in Ländern wie China vor sich geht, zu verringern. Wir sehen, dass China nunmehr enorme, steigende Mengen an Devisenreserven ausgibt, zum Beispiel für Forschung und Entwicklung, weil sie versuchen, all diesen natürlichen Reichtum, den sie ansammeln, zu nehmen und globale Lieferketten und High-Tech-Wertschöpfungsketten aufzubauen. Sie sind nicht damit zufrieden, weiterhin eine Art Niedriglohn-Export-Wirtschaft zu sein. Das ist ein sehr besorgniserregendes Problem, denke ich, für eine Menge Leute in Washington DC und in Brüssel, die sich das anschauen, aber für mich hat es den Anschein, dass wir uns einfach nicht schnell genug bewegen, um dieses Problem zu ändern.

L.S.: Was sind Ihre Gedanken bezogen auf Ölprodukte?

C.B.: Nun, wenn man auf gewisse Weise noch einmal zu dem zurückgeht, worüber wir am Anfang sprachen: inflationäre oder deflationäre Erwartungen, wissen Sie, das Öl der Sorte Brent Crude oder WTI wird derzeit unter 100 USD pro Barrel gehandelt. Man sieht also gedämpfte Ölpreise. Ich denke, einer der Lichtblicke in der amerikanischen Wirtschaft ist diese ganze Schiefergas-Revolution mit der Fracking-Technologie gewesen, und die Fähigkeit, nicht Energie unabhängig zu werden, weil das nie passieren wird, aber die Verringerung unserer Abhängigkeit, wenn man so will, und die Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommen zuhause. Längerfristig bin ich aufgrund dessen, dass mehr Menschen auf höherer Qualität leben und ressourcen-intensivere Leben führen werden, einmal mehr bullish, was die Öl- und Gas-Bereiche angeht. Ich verfolge die nicht so genau wie die Metalle, aber ich denke, dass eine unendliche Nachfrage, wenn man so will, nach endlichen Ressourcen ein langfristig überzeugendes Bild malt.

L.S.: Glauben Sie, dass Edelmetalle in der Zukunft verwendet werden, um beispielsweise Öl zu kaufen?

C.B.: Das tue ich. Es ist schwer, wirklich zu wissen, wie ein System wie dieses aussehen würde. Eine der interessanten Sachen, die China unternimmt, ist natürlich die, dass sie versuchen, sich von ihrer US-Dollar-Abhängigkeit weg zu diversifizieren. Natürlich ist die Geschichte, die jeder kennt, die über die Mengen an Gold, die sie auf monatlicher Basis importieren. Die sind ansteigend. Das tun sie offensichtlich als Absicherung, aber eine von den anderen interessanten Dingen, die die Chinesen in den letzten paar Jahren gemacht haben, ist die, dass sie schon 22 verschiedene Währungs-Swap- Verträge abgeschlossen haben. Ein Beispiel dafür wäre, dass China einen Deal mit Indonesien oder den Euro-Eigentümern oder dem Vereinigten Königreich macht und sagt: wir verständigen uns darauf, für ein bestimmtes Zeitfenster, vielleicht drei oder fünf oder zehn Jahre, Geschäfte im chinesischen Renminbi und englischen Pfund abzuwickeln und die Dollar-Abhängigkeit zu umgehen.

Ihre ursprüngliche Frage war, ob Gold und Silber oder Edelmetalle jemals für den Handel genutzt werden? Das könnten Sie sicherlich, und man sieht China in diese Richtung gehen. Ich denke, es gibt eine Menge Unsicherheit darüber, wie ein solches System aussehen würde. Ich meine, gehen wir zurück zum Goldstandard? Würden die USA das erlauben? Mit dem mächtigsten Militär der Welt und ihren Leitwährungsstatus ist alles, was mit dem Herabfallen des US-Dollars von seiner Stange zusammenhängt, ein ereignis von einem Jahrzehnt und mehr. Ich glaube einfach nicht, dass ein Schwarzes-Schwan-Ereignis oder dergleichen daran etwas ändert. Man wird beginnen zu sehen, dass Gold und Silber wieder ihre Rolle als monetäre Metalle in der Zukunft einnehmen. Ob sie tatsächlich für Transaktionen und zur Garantie von Transaktionen verwendet werden, bleibt abzuwarten, aber auf jeden Fall werden sie eine viel häufigere Rolle in der Zukunft spielen.

L.S.: Würden Sie darauf wetten, um beim Gold und Silber bullish zu sein, oder gibt es dafür andere wichtige Gründe?

C.B.: Nun, in Bezug auf Silber würde ich darauf wetten, dass es kurzfristig gegenüber Gold besser abschneidet. Offensichtlich wegen seiner industriellen Nutzung, und einige der Daten, auf die ich bei der gestrigen Präsentation sah, sprachen davon, dass die Weltwirtschaft vielleicht einen Boden erreicht. Nicht, dass wir umdrehen; es gibt einige Lichtblicke, aber im Allgemeinen, dass wir einen Boden finden. In einem Jahr, denke ich also, werden wir sicherlich höhere Silberpreise sehen; vielleicht näher an 30 Dollar pro Unze dran. Und ich kann nicht unbedingt dasselbe zu Gold in der nahen Zukunft sagen. Längerfristig ist das einmal mehr anders, wegen dem, was passiert, wegen dieser losen Geld-Politik in West und Ost, und wegen der Diversifizierung weg von diesen Fiat-Währungen wie dem US-Dollar. Also ich bin nicht bereit zu sagen, dass ich darauf wette, dass so etwas passiert, aber ich bin bereit zu sagen, dass ich darauf wette, dass der Dollar seinen Reiz verliert, oder an Macht und an Kaufkraft. Und das ist der Grund, warum man nicht nur China, sondern auch andere Länder versuchen sieht, sich davon weg zu diversifizieren. Eine dieser Methoden besteht natürlich durch den Besitz physischer Goldbarren.

L.S.: Ich danke Ihnen sehr!

C.B.: Danke!

[/mw]

Wer uns noch nicht kennt


Wie komme ich hier rein?

Kommentare

Sie sind nicht eingeloggt! Sie können Kommentare nur sehen, wenn Sie eingeloggt sind und ein aktuelles Abonnement besitzen. Log-In