Florian Grummes: Silber - Zwischenerholung oder impulsive Bugwelle?

Tags: COT-Daten Saisonalität Sentiment Palladium Platin Grummes Florian Grummes Pro aurum Silberedition 10.10.2017 Charts Analyse Silber Silber in Euro SIL Silberminen

Nach zwei starken Sommermonaten und einer heftigen vierwöchigen Korrektur stehen Gold und Silber aktuell wohl am Beginn einer mehrtägigen bzw. mehrwöchigen Zwischenerholung. Diese könnte den Goldpreis im besten Fall bis auf 1.345 USD voranbringen, denn dort wartet noch ein offenes Gap. Alternativ scheitern die Bullen schon vorher im Bereich um 1.315 - 1.320 USD. Für die dynamisch gestartete Erholung am Silbermarkt bedeutet dies einen weiteren Anstieg bis mindestens 17,50 USD, eher aber 17,90 – 18,00 USD...

Aufgrund der ungünstigen Terminmarktkonstellation und den noch nicht vollständig bereinigten Wochencharts tendiere ich aktuell eher zu der Annahme, dass es sich lediglich um eine Zwischenerholung handelt. Im Anschluss wäre eine weitere deftige Abwärtswelle zu erwarten, die den Goldpreis mindestens bis an seine 200-Tagelinie (1.250 USD) zurückführen sollte.

Gerne lasse ich mich vom Markt aber auch eines Besseren belehren, denn die Korrektur von fast 100 USD am Goldmarkt und knapp 2 USD am Silbermarkt könnte ebenso bereits abgeschlossen sein! Damit stünden die beiden Edelmetalle am Beginn der nächsten großen Aufwärtswelle, welche dann die dritte impulsive „Hauptantriebswelle bzw. Bugwelle“ sein müsste. Für diese sehr optimistischen Perspektive wäre ein Anstieg bis auf mind. 1.415 USD beim Gold sowie ein Ausbruch über 18,50 USD und Anstieg bis mind. 20,50 USD beim Silber zu erwarten.

Lesen Sie ab hier die komplette Analyse mit den dazugehörigen Charts von Florian Grummes

1. Silber in USD


Rückblick:

Am 8.September erreichte der Silberpreis nach zweimonatiger „Sommer-Rally“ bei 18,20 USD einen vorläufigen Hochpunkt. In der Folge kam es zu einer deutlichen Korrektur, welche die Notierungen in den letzten vier Wochen doch etwas tiefer als ursprünglich erwartet abstürzen ließ. 

Erst bei 16,31 USD gaben die Bullen am vergangenen Freitagnachmittag ein Lebenszeichen von sich. Allerdings konnten sie dieses klare Umkehrsignal zu Wochenbeginn bestätigen, so dass der Silberpreis aktuell schon wieder klar oberhalb von 17,00 USD notiert.


Silber Monatschart:



Trotz der recht deutlichen Kursbewegung in den letzten drei Monaten hat sich auf dem logarithmischen Monatschart für den Silberpreis nicht viel getan. Lediglich die obere Begrenzung der altbekannten Seitwärtsspanne wurde im Bereich um 18,20 USD erneut bestätigt. Die untere Begrenzung hingegen wurde bislang nicht wieder angelaufen.
Auch die Indikatoren haben sich nicht verändert. 

Der MACD-Indikator meldet weiterhin das im Januar 2016 erzeugte Kaufsignal, der RSI-Indikator schlingert nach wie vor um seine neutrale Linie herum und die Stochastik hat das Kaufsignal trotz der Korrektur im September nicht verloren. Positiv ist die Tatsache, dass das untere Bollinger Band (15,13 USD) in den Sommermonaten eine deutliche Etage nach oben ansteigen konnte und somit den Spielraum auf der Unterseite verringert hat.

Insgesamt bleibt die Bewertung des Monatscharts mit etwas gutem Willen weiterhin auf „vorsichtig bullisch“. Vor allem das Momentum der Stochastik zeigt "noch immer" nach oben. Mögliche Kursziele auf der Oberseite sind zunächst die obere Kante des Seitwärtskanals im Bereich um 18,50 USD sowie das obere Bollinger Band (19,88 USD). Auf der Unterseite darf der Silberpreis jetzt nicht mehr unter 15,00 USD fallen, sonst gerät die mühsame Bodenbildung der letzten zwei Jahre wieder in Gefahr.

Dass die Bullen in den kommenden Monaten den Ausbruch über 18,50 USD zustande bringen, ist nach wie vor denkbar. Die tiefe Korrektur hat aber doch wieder einige Zweifel auf den Chart gebracht. Nur mit einem Ausbruch aus der Seitwärtsrange wird im Anschluss der Anstieg bis ca. 26,00 USD möglich. 

Im ganz großen Bild bringt jedoch erst ein Monatsschlusskurs oberhalb von 26,50 USD den entscheidenden Befreiungsschlag. Erst dann wäre der Weg in Richtung der Allzeithochs um 50,00 USD frei.


Silber Wochenchart:



Nach der steilen Rally im Juli und August hat sich die überkaufte Lage im September durch den scharfen Rücksetzer auf dem Wochenchart wieder etwas abgekühlt. Wirklich bereinigt ist der Wochenchart aber noch nicht! 

Während der Silberpreis bislang wie vermutet lediglich die ehemalige Abwärtstrendlinie in der letzten Woche kurz von oben getestet hat, wurden die untere Begrenzung der Seitwärtszone (ca. 15,50 bis 18,50 USD) sowie das untere Bollinger Band (15,65 USD) deutlich verfehlt. 

Allerdings ist die Stochastik gerade erst aus der überkauften Zone in den neutralen Bereich zurückgefallen und hat immer noch ein Verkaufssignal aktiv. Damit wird klar, dass der Wochenchart einem mittelfristigen Anstieg derzeit eher entgegensteht. Natürlich kann die Stochastik ähnlich wie in diesem Frühjahr und wie im Frühsommer 2016 auch schon vorzeitig wieder nach oben drehen, typischer wäre aber ein kompletter Rückfall bis in die überverkauften Zone.

Mit dem Reversal am Freitagnachmittag sowie dem starken Wochenauftakt lässt sich die derzeitige Chance auf eine Erholung jedenfalls bereits auf dem Wochenchart ablesen. Positiv ist auch die Tatsache, dass das Tief am Freitag deutlich über dem Kapitulationstief von Anfang Juli liegt. Trotz der etwas fragwürdigen Konstellation bei den Indikatoren ist der Aufwärtstrend also intakt und bis auf weiteres auch völlig ungefährdet.

In der Konklusion und auf Sicht der nächsten vier Wochen ist der Wochenchart aber nur "neutral" einstufen, da es an einem klaren Signal des Momentum-Oszillators "Stochastik" mangelt. Im besten Fall gelingt den Bullen jetzt aber trotzdem ein weiterer Angriff auf die Zone um 18,50 USD. Dann wäre die Stochastik aber wohl schon wieder überkauft und die Luft würde erneut sehr dünn werden. Insofern spricht die Lage der Stochastik auf dem Wochenchart eher für eine gerade gestartete Zwischenerholung als für den Beginn der nächsten Aufwärtswelle.


Silber Tageschart:



Auf dem Tageschart kam es am Freitagnachmittag zu einem klaren Reversal und somit zu einem kurzfristigen Kaufsignal. Neben dem langen Docht der Freitagskerze und dem positiven Wochenauftakt ist es vor allem die Stochastik, welche sich hier jetzt auf Sicht der nächsten ein bis drei Wochen extrem vielversprechend präsentiert.

Nachdem der Oszillator in den letzten zwei Wochen in den bärisch eingebetteten Status konvertiert war und damit trotz der überverkauften Lage den Abwärtstrend zunächst noch weiter festgezurrt hatte, haben sich die beiden Signallinien noch am Freitagnachmittag über die Marke von 20 erholen können. Damit ist den Bullen der Befreiungsschlag gelungen und es liegt nun ein klares Kaufsignal bei der Stochastik vor, welche durchaus noch über Platz nach oben verfügt. 

Je nachdem wie schnell und stark sich der Silberpreis nun erholen kann, sind im besten Fall mehr oder weniger direkte Anstiege bis zum oberen Bollinger Band (17,92 USD) denkbar. Auf dem Weg dorthin dürften allerdings schon in Kürze sowohl die 50-Tagelinie (17,12 USD) als auch die 200-Tagelinie (17,13 USD) zumindest eine kurze Verschnaufpause erzwingen.

Da der Goldpreis aber im Bereich um 1.345 USD noch ein offenes Gap hat, sind Silberpreise um 17,90 - 18,00 USD ebenfalls möglich.

Zusammengefasst ist der Tageschart somit "zunehmend bullisch" einzuschätzen. Allerdings wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen, ob wir am Freitag den Abschluss der gesamten Korrektur gesehen haben, oder ob sich lediglich eine Zwischenerholung auf den Weg gemacht hat. Da der Wochenchart eher noch mehr Korrekturbedarf andeutet und auch die CoT-Daten noch nicht bereinigt sind, könnte es sich daher vermutlich eher um eine ABC-Korrektur handeln, wonach die Welle B irgendwo im Bereich zwischen 17,50 und 17,90 USD ihren Abschluss finden könnte. Im Anschluss wären nochmals tiefere Kurse zwischen 16,50 und 16,00 USD zu erwarten.

 

2. Gold/Silber Ratio:



Das Gold/Silber-Ratio läuft seit Anfang Juli erneut in ein Dreieck hinein. Damit ist der Ausgang in beide Richtungen möglich. Immerhin wurde bislang die Abwärtstrendlinie seit dem Mehrjahreshoch bei 83 Punkten respektiert. Da die Stochastik auf dem Wochenchart aber gerade erst ein Kaufsignal geliefert hat, ist die Wahrscheinlichkeit für ein steigendes Ratio erhöht.

Für den Edelmetallsektor bedeutet dies weiterhin ein Warnsignal, denn Silber konnte den Goldpreis schon in den bullischen Sommermonaten nicht wirklich outperformen.


Insgesamt deutet auch das Ratio an, dass die Korrektur beim Gold und Silber noch nicht ausgestanden ist. Erst klar unterhalb von 75 Punkten verbessert sich das Blatt.


3. Silberminenaktien (SIL):



Seit der steilen und sehr schnellen Erholung ab Mitte Dezember 2016 bis Anfang Februar 2017 begann für die Silberminenaktien eine lange Leidensphase. Zwar konnte der repräsentative Silberminen-ETF "SIL" die extrem wichtige Unterstützungszone um 32,20 - 32,50 USD im Jahresverlauf immer wieder verteidigen, in den starken Sommermonaten Juli und August reichte es jedoch nur zu einer "verspäteten" Rally bis auf 36,36 USD.

Vorrausgegangen war der Ausbruch über die ab Anfang Februar deckelnde Abwärtstrendlinie. Der Ausbruch sorgte für einen schnellen Anstieg, welcher aber in den vergangen Wochen wieder vollständig zurückgegeben werden musste. Letztlich sorgte die Korrektur im September für den typischen Test der ehemaligen Abwärtstrendlinie von oben und brachte den Tiefpunkt bei 32,53 USD mit sich.

Allerdings können sich die Minenaktien nun seit diesem Tief, welches bereits Mitte September erreicht wurde, doch deutlich besser als die Silberpreisnotierungen halten und zeigten in den letzten sechs Handelstagen eine relative Stärke, die schon seit längerem nicht mehr zu beobachten war. 

Angesichts der bereits überkauften Stochastik muss man sich aber fragen, wie lange diese relative Stärke durchgehalten werden kann. Die 50-Tagelinie (33,92 USD) konnte jedenfalls nach kurzer Konsolidierung übersprungen werden. Damit wäre nun ein Anstieg bis zur 200-Tagelinie (35,12 USD) zu erwarten. Im Bereich um 35,50 USD wartet zudem eine neue Abwärtstrendlinie, welche sich aus den Hochpunkten vom Februar und September ergibt. Das obere fallende Bollinger Band (34,86 USD) verleiht der Zone um 35,00 USD zusätzlichen Widerstand.

In der Summe ist der Silberminen-ETF vorläufig "bullisch". Der ETF hat noch Platz bis ca. 35,00 USD. Allerdings mahnt die überkaufte Stochastik zur Vorsicht. Positiv für Gold und Silber ist aber die erwähnte relative Stärke der Minenaktien.


4. CoT-Report:





Laut dem aktuell vorliegenden CoT-Report für den Silberterminmarkt betrug die Netto-Shortposition der kommerziellen Hedger am 3. Oktober kumuliert 68.717 leerverkaufte Kontrakte auf den Silberfuture. Damit haben die Profis ihre Shortpositionen in die Korrektur der letzten Wochen hinein nur in überschaubarem Maße abgebaut. Angesichts des zwischenzeitlichen Rücksetzer von fast zwei USD beim Silberpreis, wäre eigentlich eine deutlich stärker reduzierte Shortposition zu erwarten gewesen. 

Gleiches gilt für den Goldmarkt. Hier beträgt die kumulierte Shortposition 224.423 leerverkaufte Kontrakte, womit die Terminmarktampel sogar dunkelrot eingestuft werden muss.

Insgesamt liefert der aktuelle CoT-Report weiterhin ein klares Verkaufssignal für Gold und Silber. Von einer antizyklischen Engstelle sind wir weit entfernt, so dass der Analysebaustein Terminmarkt die gerade gestartete Aufwärtsbewegung mit hoher Wahrscheinlichkeit nur als eine Zwischenerholung klassifiziert.


5. Sentiment:




Das Sentiment für den Edelmetallsektor war Anfang September in überschaubarem Maße etwas zu heiß gelaufen. Mittlerweile hat sich die Lage wieder beruhigt. Ein übertriebener Pessimismus ist derzeit aber nicht auszumachen. Vielmehr bewegen sich die Stimmungswerte für Gold und Silber nahe der neutralen Zone. Auch am Währungsmarkt hat sich die Stimmungslage durch den Rücksetzer beim Euro wieder normalisiert.

Die schneller schwankenden Sentimentdaten für die verschiedenen ETFs deuten kurzfristig hingegen vor allem bei den Minenaktien schon eine leichte Übertreibung an.
Deutlich aus der Reihe tanzt dieses Mal die wöchentliche "Kitco Gold-Umfrage". Hier überraschen die Profis mit einer extrem bärischen Erwartungshaltung, welche vom Markt in den letzten drei Tagen bereits eindeutig wiederlegt wurde.

Zusammengefasst fördert die Sentimentanalyse wieder einmal ein neutrales Stimmungsbild für Gold und Silber zu Tage.


6. Saisonalität:



Während das Frühsommertief Anfang Juli ziemlich gut in das saisonale Muster gepasst hatte, kam die Korrektur Anfang September etwas zu früh. Typischerweise wäre das Hoch erst Ende September oder Anfang Oktober zu erwarten gewesen. Allerdings sind saisonale Muster doch immer sehr abstrakt zu betrachten und dürften keinesfalls überbewertet werden.

In jedem Fall lässt der typische Kursverlauf der letzten vierzig Jahre am Silbermarkt bis zum Ende des Jahres keine Glanztaten mehr erwarten. Statistisch betrachtet wäre Ende Oktober ein wichtiges Tief zu erwarten, auf das ein Anstieg bis Mitte Dezember folgen müsste. Für den Monat Oktober liefert die Saisonalität jedenfalls ein rotes Vorzeichen.

Denkbar wäre auch, dass es wieder so wie in den letzten beiden Jahren abläuft. Sowohl 2015 als auch in 2016 erreichten die Edelmetalle erst Mitte Dezember das finale Tief der jeweils im Spätsommer gestarteten Korrekturen. Dass es auch ein drittes Mal so läuft, ist eigentlich eher ungewöhnlich, aber eben trotzdem möglich.


7. Silber in EUR

Rückblick:

In Euro gerechnet kam der Silberpreis in den Sommermonaten nur mühsam auf die Beine und erreichte am 5.September mit 15,02 EUR das Hoch seiner überschaubaren Aufwärtsbewegung.

Im Anschluss folgte eine Korrektur, die in den letzten fünf Wochen in zwei Schüben zu einem Tief bei 13,97 EUR führte.

Der dynamische Anstieg in den letzten drei Handelstagen hat den Silberpreis aber in kürzester Zeit zurück über seine 50-Tagelinie (14,50 EUR) gebracht.


Euro-Silber Wochenchart:



Auf dem Wochenchart fiel der Silberpreis zuletzt ansatzweise bis in die breite Unterstützungszone zwischen 13,50 und 14,00 EUR zurück. Zwar kam die Erholung in den letzten Tagen hier nicht überraschend, bislang hat sie den Bullen aber auch noch nicht wirklich viel Luft verschafft. Vielmehr lässt sich das Kursgeschehen seit dem Hoch im Sommer 2016 weiterhin innerhalb eines Abwärtstrendkanals eingrenzen. Um diesen Abwärtstrendkanal zu sprengen, bedarf es ambitionierte Kurse oberhalb von 16,00 EUR!

Bei den Indikatoren hinterlässt vor allem die Stochastik mit ihrem aktiven Verkaufssignal den Eindruck, dass die Korrektur noch nicht ausgestanden sein kann. Positiv ist hingegen das nach wie vor gültige Kaufsignal beim MACD, welches die Korrektur in den letzten fünf Wochen überlebt hat. Der RSI hat sich seit dem Kapitulationscrash im Juli mittlerweile wieder bis in die neutrale Mitte vorgearbeitet.

Sollte es nun zu einer größeren Erholung kommen, wartet im Bereich um bzw. oberhalb von 15,00 EUR die nächste starke Widerstandszone, an der die Notierungen bereits Anfang September gescheitert waren. Erst wenn die Bullen das letzte Hoch bei 15,20 EUR überwinden können, hellt sich das Bild deutlich auf. Dann wäre auch ein zügiger Anstieg bis an die nächste Widerstandszone um 16,00 EUR zu erwarten.

Auf der Unterseite bietet der Abwärtstrendkanal aktuell noch bis ca. 13,25 EUR Platz. Auf dem Weg dorthin müssten die Bären aber nicht nur die solide Unterstützungszone 13,50 - 14,00 EUR durchschreiten, sondern auch das untere Bollinger Band (13,50 EUR) nach unten biegen.

Insgesamt muss der Wochenchart auf „neutral“ zurück gestuft werden. 


Euro-Silber Tageschart:



Auf dem Tageschart wird das Trauerspiel für die europäischen Silberinvestoren in diesem Jahr noch besser deutlich. Während man in US-Dollar gerechnet schon jetzt von einem akzeptablen Gold-Jahr sprechen kann, kommt der Silberpreis in Euro gerechnet einfach nicht in die Gänge. Stattdessen steht seit Jahresbeginn ein Verlust von 5,87% zu Buche. Abschreiben sollte man das Edelmetall aber dennoch nicht, denn Silber bleibt im großen Bild klar unterbewertet und ist jederzeit für eine Überraschung gut.

Charttechnisch spricht jetzt jedenfalls alles für eine angelaufene Erholung, denn vom Tief am vergangenen Freitag bei 13,97 EUR konnten sich die Notierungen bereits bis auf aktuell 14,60 EUR recht deutlich erholen.

Dadurch ist die Stochastik erfreulicherweise bereits steil aus der überverkauften Zone nach oben geschossen und hat somit ein klares Kaufsignal geliefert, welches noch viel Platz nach oben hätte. Auch der MACD steht kurz vor einem Kaufsignal. Allerdings haben sich die beiden Bollinger Bänder durch die Kursschwäche in den letzten zwei Wochen ungünstiger weise nach unten verschoben, wodurch auf der Oberseite nur noch bis ca. 15,00 EUR Spielraum bleibt.

Zusammengefasst lässt sich aktuell ein "vorsichtig bullisches" Bild zimmern. Um die Lage weiter zu verbessern, müssen die Bullen die Notierungen jetzt aber über der heute zurückeroberten 50-Tagelinie (14,50 EUR) halten. Außerdem gilt, solange sich Silber in EUR so deutlich unterhalb seiner 200-Tagelinie (15,40 EUR) bewegt, sind alle Erholungen mit Vorsicht zu genießen.


Handelsempfehlung:

Silber ist bis auf weiteres eine Halteposition.


8. Platin



"Wie gewonnen so zerronnen" ist mal wieder das Motto am Platinmarkt. Das Edelmetall konnte sich ab Anfang Juli bis Anfang September zunächst fulminant von 891 USD bis auf 1.026 USD erholen, nur um dann so ziemlich alle Gewinn schnurstracks in den letzten vier Wochen noch schneller wieder herzugeben. Der Tiefststand am Freitag lag bei knapp 900 USD. Damit ist der Platinpreis bis an die extrem wichtige Unterstützung um 890 - 900 USD zurückgefallen. Mit etwas gutem Willen kann man diesen Rücksetzer als Test der ehemaligen Abwärtstrendlinie interpretieren. Unterhalb von 890 USD wird es jetzt aber wirklich gefährlich für die Platinbullen.

Bei den Indikatoren überschreibt die "bärisch eingebettete Stochastik" alle sonstigen Vorzeichen. Vielmehr ist der Abwärtstrend dadurch bis auf weiteres festgezurrt. Erst wenn der Platinpreis einen ähnlichen Befreiungsschlag zustande bringt, wie er letzten Freitag Gold und Silber gelang, dürfte der Startschuss für eine Erholung in Richtung der 200-Tagelinie (957 USD) gefallen sein. Kommt es nicht dazu, brechen unterhalb von 890 USD alle Dämme und Platin könnte zügig bis auf 800 USD in die Tiefe stürzen.

In der Summe erzwingt die "eingebettete Stochastik" eine extrem bärische Einschätzung des Tagescharts. Erst wenn sich beim Oszillator zumindest eine der beiden Signallinien über die Marke von 20 bewegen kann, wäre dies als Startschuss für eine Erholungsrally zu bewerten. Andernfalls steigt ab jetzt täglich die Gefahr weiter an, dass die Bullen die extrem wichtige Unterstützung um 890 - 900 USD nicht mehr lange verteidigen werden können.

Positiv anzumerken wäre aber noch das mittlerweile sehr pessimistische Sentiment sowie die mittlerweile neutrale Lage am Terminmarkt. Beides spricht eigentlich gegen einen Crash am Platinmarkt.


Handelsempfehlung:

Platin bleibt bis auf weiteres eine Halteposition.


9. Palladium



In den vergangenen vier Handelswochen konnte sich der Palladiumpreis wieder als das stabilste Edelmetall erweisen. Während es bei Gold, Silber und Platin deutlich in den Keller ging, kam es am Palladiummarkt lediglich zu einem überschaubaren Rücksetzer, welcher schon Mitte September bei 898 USD sein Tief fand. Seitdem schieben sich die Notierungen langsam und zäh wieder nach oben. Dabei scheint Palladium derzeit an seiner weiter steigenden 50-Tagelinie (918 USD) zu kleben. 

Auf der Oberseite hat der Palladiumpreis allerdings bereits in der letzten Handelswoche das obere Bollinger Band (941 USD) erreicht. Bleibt es bei dem insgesamt sehr stabilen Auftreten, müsste es auf Sicht der nächsten Woche zwischen der 50-Tagelinie und dem oberen Bollinger Band erst mal konsolidierend seitwärts weitergehen. Kann das Bollinger Band jedoch nach oben aufgebogen werden, rückt das Hoch vom September bei 997 USD sowie die breite Widerstandszone 975 - 1.000 USD wieder in den Blickpunkt.

Können die Bullen die 50-Tagelinie aber nicht verteidigen, dürfte das untere Bollinger Band (900 USD) nur vorübergehend Stützung liefern. Vielmehr müsste die Notierungen dann zügig bis zur Unterstützungszone um 875 USD oder sogar bis zum extrem wichtigen Aufwärtstrendkanal (ca. 860 USD) durchgereicht werden.

Der immer noch große Abstand zur 200-Tagelinie (825 USD) deutet immer noch weiteren Korrektur- und Konsolidierungsbedarf an. Ebenso lastet die immer wieder erwähnte negative Divergenz des MACD-Indikators auf dem Tageschart. Die Stochastik jedoch überzeugt mit einem aktiven Kaufsignal.

In der Summe verdient sich der Palladiumchart eine "vorsichtig bulische" Bewertung.


Handelsempfehlung:

Palladium bleibt bis auf weiteres eine Halteposition.


10. Zusammenfassung & Konklusion



Nach zwei starken Sommermonaten und einer heftigen vierwöchigen Korrektur stehen Gold und Silber aktuell wohl am Beginn einer mehrtägigen bzw. mehrwöchigen Zwischenerholung. Diese könnte den Goldpreis im besten Fall bis auf 1.345 USD voranbringen, denn dort wartet noch ein offenes Gap. Alternativ scheitern die Bullen schon vorher im Bereich um 1.315 - 1.320 USD. Für die dynamisch gestartete Erholung am Silbermarkt bedeutet dies einen weiteren Anstieg bis mindestens 17,50 USD, eher aber 17,90 - 18,00 USD.

Aufgrund der ungünstigen Terminmarktkonstellation und den noch nicht vollständig bereinigten Wochencharts tendiere ich aktuell eher zu der Annahme, dass es sich lediglich um eine Zwischenerholung handelt. Im Anschluss wäre eine weitere deftige Abwärtswelle zu erwarten, die den Goldpreis mindestens bis an seine 200-Tagelinie (1.250 USD) zurückführen sollte.

Gerne lasse ich mich vom Markt aber auch eines Besseren belehren, denn die Korrektur von fast 100 USD am Goldmarkt und knapp 2 USD am Silbermarkt könnte ebenso bereits abgeschlossen sein! Damit stünden die beiden Edelmetalle am Beginn der nächsten großen Aufwärtswelle, welche dann die dritte impulsive "Hauptantriebswelle bzw. Bugwelle" sein müsste. Für diese sehr optimistischen Perspektive wäre ein Anstieg bis auf mind. 1.415 USD beim Gold sowie ein Ausbruch über 18,50 USD und Anstieg bis mind. 20,50 USD beim Silber zu erwarten.

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© Florian Grummes

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Quelle: pro aurum Silberedition vom 10.10.2017

 

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