Gold: Die ehemalige Aufwärtstrendlinie - Sargnagel oder Sprungbett?

Tags: Goldminen GDX Midas-Touch Consulting Saisonalität Sentiment COT-Daten Gold in Euro Gold Charttechnik Charts Meinung Analyse pro aurum Florian Grummes Goldedition vom 27.12.2018

von Florian Grummes

Nach einer längeren Bodenbildungsphase konnte sich der Goldpreis in den letzten Wochen im Zuge der Panik an den Aktienmärkten deutlich erholen. Trotzdem erscheint mir der Anstieg seit Mitte August eher korrektiv und wenig impulsiv. Zudem bestätigt der schwache Silberpreis überhaupt nicht die grundsätzlich bullische Ausgangslage.

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Vorwort

Sehr geehrte Leserschaft,

nach über sieben Jahren, in denen ich für Sie regelmäßig, die pro aurum Gold- und Silbereditionen verfassen durfte, ist nun der Zeitpunkt für meine letzte Ausgabe gekommen. Pro aurum und ich werden in Zukunft getrennte Wege gehen.

Leider waren diese siebeneinhalb Jahre übergeordnet vor allem von fallenden bzw. seitwärts laufenden Gold- und Silberpreisen geprägt. Zwar war ich dabei mit meinem nüchternen und systematischen Ansatz oft auf der richtigen Seite der Preisentwicklung, gleichzeitig musste ich daher aber regelmäßig vor übertriebenen Erwartungen warnen.

Gerade weil Gold und Silber echtes Geld sind und sie insbesondere durch ihre einzigartigen physikalischen Eigenschaften uns freiheitsliebende „Goldbugs“ leider leicht zur Blindheit verführen, ist es wichtig sachlich zu bleiben. Perma-Bullisch für einen so komplexen internationalen Markt zu sein, ist keine gute Idee. 

Dennoch lehrt uns das Gold aber mehr über unsere Geschichte, über Geopolitik und über freie Märkte als jede andere Anlageklasse. Und egal ob Bullen- oder Bärenmarkt, Gold ist grundsätzlich immer eine gute und sinnvolle langfristige Anlage! 

Vielleicht ist das Ende meiner pro aurum Analysen in diesem Zusammenhang ja ein gutes Omen für die zukünftige Entwicklung des Goldpreises.

Abschließend möchte ich mich bei pro aurum und insbesondere bei Herrn Robert Hartman für sein Vertrauen und die gute Zusammenarbeit bedanken. Ich habe in diesen siebeneinhalb Jahren viel gelernt über Gold, Geldgeschichte, Charttechnik und natürlich auch über mich selber.

Dabei hat mir pro aurum jahrelang die Möglichkeit gegeben, meine Analyse- und Prognosefähigkeiten zu schärfen und mir dabei kein einziges Mal hineingeredet. Auch wenn das eigentlich selbstverständlich für einen ehrbaren Kaufmann sein sollte, so ist es in der heutigen Zeit leider doch nicht mehr normal. Umso mehr gilt meine Anerkennung daher pro aurum!

Natürlich werde ich auch in Zukunft über die Edelmetalle und die Finanzmärkte berichten. Am besten tragen Sie sich hier für meinen kostenlosen deutschen Verteiler ein.

Vielen Dank für Ihre Treue! Bleiben Sie mir gewogen und rutschen Sie gut in das neue Jahr!

Herzliche Grüße

Florian Grummes

www.midastouch-consulting.com

 

Die ehemalige Aufwärtstrendlinie - Sargnagel oder Sprungbett?

Nach einer längeren Bodenbildungsphase konnte sich der Goldpreis in den letzten Wochen im Zuge der Panik an den Aktienmärkten deutlich erholen. Trotzdem erscheint mir der Anstieg seit Mitte August eher korrektiv und wenig impulsiv. Zudem bestätigt der schwache Silberpreis überhaupt nicht die grundsätzlich bullische Ausgangslage. Zwar wissen wir, dass Silber am Anfang einer Aufwärtsbewegung im Edelmetallsektor meist hinterherhinkt, dass es sich dieses Mal aber so derartig schwach präsentiert (abzulesen am Gold/Silber-Ratio), interpretiere ich nach wie vor als ein Warnzeichen. Letztlich zeigt Silber die stark deflationären Tendenzen an den Finanzmärkten schon das ganze Jahr über an.

Gleichzeitig gelang dem Goldpreis in den letzten Wochen aber erstmals seit Jahren ein fulminantes Kaufsignal gegen die Aktienmärkte (Dow/Gold-Ratio). Und auch gegen die Rohstoffe (z.B. Gold/Öl-Ratio) spielt Gold seinen Charakter als sicherer Hafen momentan voll aus.

Mit dem Erreichen der ehemaligen Aufwärtstrendlinie um 1.275 USD erscheint mir das kurzfristiges Anstiegspotential jedoch vollständig ausgereizt. Ein Rücksetzer in Richtung 1.235/1.240 USD sollte den Bullen die Möglichkeit geben, ihre Kräfte für einen erneuten Angriff zu sammeln. Angesicht der tumultartigen Zustände an den Finanzmärkten ist natürlich alles denkbar. Die Panik an den Aktienmärkten ist mittlerweile aber übertrieben und sollte schon in Kürze zu einer Erholung führen.

Im ganz großen Bild steuert das globale Finanzsystem nun allerdings wohl auf jenes Szenario zu, welches Goldanleger schon seit Jahren haben kommen sehen:

Die vom billigen Geld abhängigen Finanzmärkte erzwingen eine Kursänderung seitens der FED. Eher früher als später wird die amerikanische Notenbank daher wohl den Zinserhöhungszyklus beenden und vermutlich sogar Zinssenkungen vornehmen müssen. Dann würde natürlich die große Stunde des Goldes schlagen. Charttechnisch wird ein nachhaltiger Anstieg über die ehemalige Widerstandslinie ein klarer Vorbote für dieses Szenario sein.

 

1. Gold in USD

Jahresückblick:

 

2018 war zweifelsohne ein schwieriges Jahr für den Goldpreis. Obwohl mit dem Tief- und Trendwendepunkt bei 1.236 USD am 12.Dezember 2017 eigentlich ideale Voraussetzungen für eine nachhaltige Aufwärtsbewegung gegeben waren, endete die Rally im Anschluss an den damaligen FED-Zinsentscheid bereits sechs Wochen später! 

In das neue Jahr startete der Goldpreis am 2. Januar 2018 mit 1.302 USD in den Handel. Die begonnene Aufwärtswelle konnte sich in den ersten drei Januarwochen zunächst stürmisch bis auf 1.366 USD fortsetzen. Am 26.Januar wurde an diesem Punkt aber bereits der Jahreshöchststand erreicht! Im Anschluss folgte eine recht wilde Seitwärtsphase, in der der Goldpreis fast vier Monate lang zwischen 1.305 und 1.355 USD hin und her schwankte. 

Passend zum saisonalen Muster und entsprechend meiner Erwartung konnten die Bullen dann Mitte Mai ihre Unterstützungszone um 1.300 – 1.310 USD nicht länger verteidigen. Zwar gelang es Ihnen zunächst noch für weitere vier Wochen die Bären eine Etage tiefer zwischen 1.285 und 1.310 USD in Schach zu halten, im Zuge des immer stärker gewordenen US-Dollar brachen dann aber am 15. Juni alle Dämme. So fiel der Goldpreis in gerade einmal zwei Wochen von 1.310 USD bis auf 1.237 USD Ende Juni zurück. 

Hier konnte die Aufwärtstrendlinie der letzten zweieinhalb Jahre den scharfen Abverkauf um 1.240 USD zunächst noch stoppen und für eine vorübergehende Erholung bis auf 1.266 USD sorgen. Nur eine Woche später wurde diese wichtige und vielversprechende Trendlinie (aufsteigendes Dreieck) jedoch von den Bären pulverisiert. 

Schwer getroffen von diesem technischen K.O. taumelte der Goldpreis in den folgenden Sommerwochen weiter gen Süden und konnte auch die alte Haltezone und psychologische Marke um 1.200 USD letzten Endes nicht verteidigen.

Mitte August war aus der mehrmonatigen Abwärtswelle dann jedoch ein Sturzflug geworden und die Lage in allen Zeitebenen extrem krass überverkauft. Gleichzeitig signalisierten die Sentimentwerte eine völlig überzogene Panikstimmung unter den Goldanlegern. Zudem präsentierte sich die Konstellation am Terminmarkt so bullisch wie seit fast 20 Jahren nicht mehr.

So kam es im frühen asiatischen Handel des 16.August 2018 bei 1.160 USD zum finalen Tief der Abwärtswelle und einer großen klaren Umkehrkerze. In der Folge konnte sich der Goldpreis zunächst jedoch nur sehr zaghaft erholen, denn nach einer ersten Erholungswelle bis auf 1.215 USD pendelten die Notierungen bis Mitte Oktober zwischen 1.185 USD und 1.210 USD knapp zwei Monate orientierungslos seitwärts. Rückblickend war dies aber eine klare Bodenbildung.

Erst am 11.Okotber sorgte eine große grüne Tageskerze schließlich für den Ausbruch nach oben. Letztlich wurde das Kursgeschehen dadurch aber vorläufig nur eine Etage höher in den Bereich zwischen 1.212 USD und 1.235 USD verlagert. Denn als ob das diesjährige Verwirrspiel noch nicht ausgereicht hätte, fiel der Goldpreis vier Wochen später dann sogar noch einmal bis auf 1.195 USD zurück. Der flache Aufwärtskanal konnte den Abverkauf aber auffangen. 

Erst diese Tatsache sorgte seit dem 11.November für ein zunehmend besseres Bild beim Goldpreis. So konnten die Bullen in den letzten beiden Novemberwochen die 50-Tagelinie zurückerobern. Pünktlich zum ersten Dezember folgte dann ausgehend von 1.212 USD die bis gestern laufende Aufwärtswelle.

Wenige Stunden vor dem FED-Zinsentscheid am 19.Dezember konnte der Goldpreis schließlich erstmals seit dem 14.Juni seine 200-Tagelinie um 1.253 USD und damit ein erstes sehr wichtiges Kursziel wieder erreichen. Über die Feiertage konnten sich die Bullen problemlos oberhalb dieser immer noch fallende Durchschnittslinie halten.

Im Zuge der um sich greifenden Panik an den weltweiten Aktienmärkten ging es am 2.Weihnachtsfeiertag sogar noch bis auf 1.279 USD weiter nach oben. Damit erreichet der Goldpreis zum Jahresende die ehemalige Aufwärtstrendlinie, die nun aber natürlich einen massiven Widerstand darstellt. Damit war gestern eine klare kurzfristige Übertreibung zu beobachten, die sofort mit einer hässlichen Umkehrkerze bestraft wurde.

Insgesamt war am Goldmarkt in diesem Jahr auf der Long-Seite fast elf Monate lang wenig zu holen. Während die ersten drei Januarwochen kaum Chancen boten, mit einem vernünftigen Chance/Risiko-Verhältnis in das schnell steigende Kursgeschehen einzusteigen, konnten man als Trader eigentlich nur mit Spekulationen auf fallende Kurse ab Mitte April bis Mitte August von einer nachhaltigen Trendbewegung profitieren. Das Tief Mitte August war zwar klar ersichtlich, führte aber zunächst nur zu einer zähen und verwirrenden Seitwärtsphase. 

Erst in den letzten sechs Wochen kamen die Bullen aus ihrem Versteck und sorgten mit einem starken Finale zumindest für ein halbwegs versöhnliches Jahresende. Auffällig ist, dass der Goldpreis zwar an sich keine starke Performance ablieferte, im Vergleich zu den meisten anderen Anlageklasse aber unterm Strich relativ stabil blieb. Edelmetallinvestoren sind im Zuge des Crashs beim DAX und Co. daher mal wieder heilfroh, mit dem Gold einen stabilen Anker im Portfolio zu haben.

 

Gold in USD Monatschart:

 

Im großen Bild fehlen weiterhin klare Hinweise auf ein Ende der fünfjährigen Seitwärtsphase. Zwar spricht vieles für eine langgezogenen Bodenbildung, den Beweis für einen neuen Bullenmarkt ist der Goldmarkt aber bislang schuldig geblieben. 

Erst ein Anstieg über die horizontale Widerstandszone zwischen 1.350 und 1.375 USD wäre der langersehnte Befreiungsschlag am Goldmarkt. Nur dann ist der Weg in Richtung 1.500 USD frei. Und selbst wenn es der Goldpreis mit einem großen Kraftakt bis an die entscheidende Marke um 1.500 USD in den nächsten Monaten bzw. ein bis zwei Jahren schaffen sollte, treffen die Bullen an der Abrissmarke des 2013er Crashs auf Beton! Schon jetzt kann man sich daher in diesen immer noch weit entfernten Preisregionen auf eine mindestens einjährige Korrekturschleife einstellen.

Positiv ist hingegen in jedem Fall die Tatsache, dass das untere Bollinger Band (1.189 USD) den Preisverfall im Sommer gestoppt hat und sich seitwärts bewegt. Damit lässt sich grob gesprochen eine Handelspanne zwischen 1.190 und 1.360 USD für die nächsten Monate vorhersagen. Gleichzeitig liefert die Stochastik als Momentum Oszillator ein Kaufsignal und deutet damit eher steigende Kurse bis in das Frühjahr hinein an.

Die beiden eigezeichneten Trendlinien machen aber auch klar, dass der Goldpreis aktuell im Bereich um 1.275 USD auf einen starken Widerstand getroffen ist. Hier verläuft zudem auch das mittlere Bollinger Band (1.273 USD).

Zusammengefasst ist der Monatschart „neutral bis vorsichtig bullisch“. Gelingt der Sprung zurück über die gebrochene Aufwärtstrendlinie um 1.275 USD, wäre im Januar und Februar noch Platz bis ca. 1.300 – 1.310 USD. Mit etwas Glück und weiter schwächelnden Aktienmärkten sind auch noch 1.350 USD denkbar. 

Scheitern die Bullen hingegen an der Zone um 1.265 – 1.275 USD rücken ab dem Frühjahr möglicherweise erneut das untere Bollinger Band und damit Kurse um bzw. unterhalb von 1.200 USD in den Fokus.

 

Gold in USD Wochenchart:

 

Auf dem arithmetischen Wochenchart erreichte der Goldpreis gestern mit schnellen Schritten die ehemaligen Aufwärtstrendlinie (aktuell um ca. 1.275 USD). Gleichzeitig ist es den Bullen in den letzten vier Wochen gelungen, das obere Bollinger Band (1.265 USD) nach oben aufzubiegen. Im aktuellen Marktumfeld wäre daher eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung auch über die ehemaligen Aufwärtstrendlinie hinaus durchaus möglich. Der nächste horizontaler Widerstand findet sich um 1.300 bis 1.310 USD. Bis dahin könnte die Rally am Goldmarkt also theoretisch noch laufen. 

Allerdings steht dem die zugrundeliegende Statistik der Bollinger Bänder entgegen. Lediglich fünf Prozent der Zeit bewegen sich die Kurse außerhalb der beiden Bänder. Kurse oberhalb des oberen Bandes (1.265 USD) besitzen daher nur eine Wahrscheinlichkeit von 2,5%. Die Luft ist also kurzfristig sehr dünn geworden auf dem Wochenchart. Nur wenn die Aktienmärkte ihre Talfahrt nicht beenden können, hat der Goldpreis auf seinem Wochenchart noch die Chance weiter zu steigen. 

Ungünstig präsentiert sich zudem der Stochastik Oszillator, welcher klar und deutlich in die überkaufte Zone vorgedrungen ist.

In der Summe ist der Wochenchart trotz der überkauften Stochastik und der Überreizung hinsichtlich des Bollinger Bandes vorerst „noch bullisch“. Ein deutlicher Rücksetzer erscheint aber nur noch eine Frage der Zeit und könnte vermutlich bereits gestern gestartet sein.

 

Gold Tageschart:

 

Auf dem arithmetischen Tageschart ist der direkte Sprung über die 200-Tagelinie (1.256 USD) vor Weihnachten geglückt. Da der Durchschnitt immer noch fällt, scheint mir das schnelle Überspringen dieses klassischen Widerstandes suspekt bzw. nicht nachhaltig. Gleichzeitig haben die Bullen auch auf dem Tageschart das Bollinger Band (1.277 USD) nach oben aufgebogen.

Nach dem schwachen Jahresverlauf traut man dieser Goldstärke eigentlich kaum über den Weg. Aber vermutlich lag genau darin das Erfolgsrezept für die Rally seit Mitte November.

Mit dem Anstieg bis auf 1.279 USD scheint kurzfristig jedoch das Potential auf der Oberseite ausgereizt worden zu sein. Für einen direkten Anstieg bis 1.300/1.310 USD werden die Kräfte der Bullen vorerst wohl nicht reichen. Vielmehr sollte man sich mindestens auf einen Rücklauf bis an die 200-Tagelinie (1.256 USD) und noch wahrscheinlicher auch bis an die 50-Tagelinie (1.233 USD) einstellen.

Demnach könnte sich der Goldpreis zwischen 1.230 und 1.255 USD für einen weiteren Angriff auf die ehemalige Aufwärtstrendlinie neuformieren. Sollte Gold dann jedoch ein zweites Mal an der ehemaligen Aufwärtstrendlinie (ca. 1.275 USD) scheitern, wären alle Bullenhoffnungen zu begraben und es dürfte ab dem Frühjahr richtig ungemütlich werden.

Gelingt hingegen der nachhaltige Sprung über die ehemalige Aufwärtstrendlinie hellt sich das Bild dramatisch auf. Dann sind noch im Frühjahr 1.350 – 1.375 USD denkbar. Im größeren Bild wäre dann trotz der schwachen Sommermonate das aufsteigende Dreieck wieder intakt und damit langfristig deutlich höhere Goldkurse zu erwarten.

Kurzfristige Unterstützung kommt übrigens noch von der Stochastik, die sich dank des starken Kursverlaufs erneut in den „eingebetteten bullischen Zustand“ transformieren konnte.

In der Summe ist der Tageschart „noch bullisch“. Der Goldpreis müsste zunächst aber eher in Richtung 1.235 USD zurücksetzen. Im Anschluss sollte es ab Mitte Januar zu einem erneuten Anlauf auf den entscheidenden Widerstand in Form der ehemaligen Aufwärtstrendlinie im Bereich 1.270 – 1.280 USD kommen. Hier entscheidet sich dann vermutlich der weitere Jahresverlauf und auch das Schicksal auf Sicht der kommenden Jahre!

 

2. CoT-Report:

 

Die kommerziellen Händler haben ihre Leerverkaufspositionen in die steigenden Goldkurse der letzten Wochen natürlich wieder stark ausgebaut. Die derzeit gemeldete kumulierte Shortposition in Höhe von 92.675 leerverkauften Kontrakten ist im langfristigen Vergleich aber immer noch leicht bullisch und lässt Raum für weitere Preisanstiege.

 

Gleichzeitig haben die Hedge Funds ihre bullischen Wetten auf den Goldpreis zuletzt um 15.461 Kontrakte auf kumuliert 75.960 Long-Kontrakte ausgebaut. Damit haben sie aber noch nicht mal ihre durchschnittliche Long-Positionierung der letzten 4 Jahre erreicht. Bis zum Höchststand vom Juli 2016 wäre noch jede Menge Platz.

Insgesamt liefert der CoT-Report damit weiterhin ein Kaufsignal.

 

3. Sentiment:

 

 

Die aktuellen Sentimentdaten liefern eine neutrale und ausgeglichene Stimmungslage an den Edelmetallmärkten.

 

An den Aktienmärkten hingegen ging es in den letzten Wochen massiv in den Keller, so dass hier mittlerweile absolut extreme Sentimentwerte vorliegen. Eine überfällige Erholung/Gegenbewegung dürfte vermutlich bereits gestern mit dem starken Anstieg an den amerikanischen Aktienmärkten begonnen haben. Auf Sicht der kommenden Wochen müsste eine Erholung an den Aktienmärkten jedoch für ein Luftholen/Rücksetzer beim Gold sorgen.

 

4. Saisonalität:

 

Bis Ende Juni hat sich Gold eigentlich ziemlich gut an seinen saisonalen Zyklus gehalten. Die eklatante Schwäche im Juli und August allerdings waren völlig untypisch und vermutlich die „Ausnahme, die die Regel bestätigt“. 

Die anziehenden Goldpreise der letzten Wochen passen hingegen wieder gut in das über Jahrzehnte hinweg etablierten Muster. Gemäß der Saisonalität könnte der Goldpreis noch bis Ende Februar problemlos weiter anstiegen. Erst ab März wird es traditionell langsam ungemütlicher am Goldmarkt. Bis dahin gibt es seitens der Saisonalität grünes Licht!

 

5.  Gold in EUR

Jahresrückblick:

 

Auf Jahressicht kann der Goldpreis in Euro gerechnet ein kleines Plus von 2,7% verbuchen. Damit bestätigt Gold in der aktuellen Finanzmarkt-Panik seinen Ruf als sicherer Hafen. Allerdings darf diese Performance nicht über den doch eher volatilen Jahresverlauf hinwegtäuschen. 

Nachdem die Feinunze zunächst mit 1.085 EUR in das neue Handelsjahr gestartet war, zogen die Kurse bis Mitte Juni unter Schwankungen und in einem überschaubaren Rahmen bis auf 1.133 EUR an.

Ausgehend von diesem Jahreshöchststand folgte dann bis Ende September jedoch eine brachiale Abwärtswelle, die sich erst ab Mitte August in einen bullischen Keil verwandelte. Mit einem Abschlag von knapp 120 EUR pro Feinunze (-9,1%) wurde schließlich bei 1.012 EUR das Tief und damit auch der Jahrestiefststand markiert. 

Seit diesem Wendepunkt kamen die Bullen wieder zügig und massiv zurück in den Markt. Zwischen Mitte Oktober und Mitte November konnte zunächst die 200-Tagelinie nach einigem Hin- und Her zurückgewonnen werden. 

Durch diesen Erfolg ermutigt gab es bis zuletzt kein Halten mehr, so dass auch alle weiteren Verluste relativ zügig wieder aufgeholt werden konnten. 

Insgesamt beendet der Goldpreis das Jahr 2018 mit einem kleinen Plus und hat den europäischen Edelmetallinvestoren zumindest die Kaufkraft mehr oder weniger bewahrt.

 

Gold in EUR Tageschart:

 

Auf seinem logarithmischen Tageschart ist der Goldpreis in den letzten sechs Wochen scharf nach oben geschnellt und konnte das obere Bollinger Band (1.120 EUR) klar nach oben aufbiegen. Die gestrige Preisspitze reichte fast bis an die Jahreshochs (1.133 EUR) aus dem Juni heran.

Angesichts der überkauften Lage (RSI) als auch der relativ weiten Entfernung zur 50-Tagelinie (1.084 EUR) und zur 200-Tagelinie (1.074 EUR) wäre ein Rücksetzer in den kommenden Tagen und Wochen das wahrscheinlichste Szenario. Dementgegen stellt sich momentan (noch) die „bullisch eingebettete“ Stochastik, welche bislang den Aufwärtstrend festgezurrt hat.

Zusammengefasst ist der Tageschart daher „noch bullisch“ zu bewerten. Ein Rücksetzer dürfte aber nur noch eine Frage von wenigen Tagen sein.

 

Handelsempfehlung:

Erst im Bereich um 1.075 EUR (200-Tagelinie) kann man wieder über das Aufstocken seiner Bestände nachdenken. In einen steilen Kursanstieg wie aktuell läuft man dem Gold besser nicht hinterher.

In jedem Fall gilt es auch im neuen Jahr, jede deutliche Preisschwäche zu nutzen und dafür zu sorgen, dass der Edelmetallanteil am Gesamtvermögen mindestens 10% und maximal 25% beträgt.

Bitte erwarten Sie bei den Edelmetallen grundsätzlich keine fulminanten Kursgewinne. Machen Sie sich vielmehr immer wieder klar, dass es sich bei den Edelmetallen um eine Versicherung gegen dramatische Verwerfungen an den Finanzmärkten und gegen Kaufkraftverluste handelt! Auch wenn die Performance im Vergleich zu anderen Anlageklassen in den letzten sieben Jahren enttäuschend war, führt an den Edelmetallen als Stabilisator und ruhendem Anker in einem diversifizierten Portfolio kein Weg vorbei.

 

6.  Goldminen GDX

 

Die Gold- und Silberminenaktien bringen ein insgesamt schwaches Jahr hinter sich. Aktuell steht für den repräsentativen GDX (Market Vektor Goldminers ETF) seit Jahresbeginn ein Verlust von 10,8% zu Buche.

Während das erste Halbjahr von tieferen Hochs und der horizontalen Unterstützung um 21 USD geprägt war, kam es im Zuge der Goldpreisschwäche ab Anfang August zu einem deutlichen Kursrutsch und der Auflösung des absteigenden Dreiecks nach unten. Erst bei 17,19 USD endete die Ausverkaufswelle in einer stark überverkauften Situation sowie klar positiven Divergenzen bei den Indikatoren.

Seitdem konnten sich die Gold- und Silberminenaktien schrittweise erholen, ohne dass man ihnen ein berauschendes Momentum bescheinigen hätte können. Zumindest zwischen Mitte November und Mitte Dezember lief der GDX dem Goldpreis kurzzeitig vorneweg.

Nun hat die Erholung die ehemalige horizontale Unterstützung um 21 USD wieder erreicht. Gleichzeitig hat sich in den letzten vier Monaten ein Aufwärtstrendkanal gebildet, dessen obere Begrenzung ebenfalls in der Nähe des aktuellen Kursgeschehens verläuft. Zusammen mit der leicht überkauften Stochastik ist die Luft damit kurzfristig recht dünn geworden. Ein Rücksetzer in Richtung der 50-Tagelinie (19,57 USD) erscheint wahrscheinlich.

Zusammengefasst ist der Tageschart „noch bullisch“. Klare Signale eines Scheiterns an der starken Widerstandszone um 21 USD liegen (noch) nicht vor. Dennoch sollte man zunächst eher vorsichtig und defensiv agieren. Erst unterhalb von 19 USD wäre der ETF im Januar wieder eine Spekulation auf steigende Kurse bis in das Frühjahr hinein wert. Die relativ niedrigen Sentiment-Werte bestätigen zudem, dass die Minen in den kommenden Monaten durchaus Potential nach oben haben.

 

7. Zusammenfassung & Konklusion

 

 

Nach einer längeren Bodenbildungsphase konnte sich der Goldpreis in den letzten Wochen im Zuge der Panik an den Aktienmärkten deutlich erholen. Trotzdem erscheint mir der Anstieg seit Mitte August eher korrektiv und wenig impulsiv. Zudem bestätigt der schwache Silberpreis überhaupt nicht die grundsätzlich bullische Ausgangslage. Zwar wissen wir, dass Silber am Anfang einer Aufwärtsbewegung im Edelmetallsektor meist hinterherhinkt, dass es sich dieses Mal aber so derartig schwach präsentiert (abzulesen am Gold/Silber-Ratio), interpretiere ich nach wie vor als ein Warnzeichen. Letztlich zeigt Silber die stark deflationären Tendenzen an den Finanzmärkten schon das ganze Jahr über an.

Gleichzeitig gelang dem Goldpreis in den letzten Wochen aber erstmals seit Jahren ein fulminantes Kaufsignal gegen die Aktienmärkte (Dow/Gold-Ratio). Und auch gegen die Rohstoffe (z.B. Gold/Öl-Ratio) spielt Gold seinen Charakter als sicherer Hafen momentan voll aus.

Mit dem Erreichen der ehemaligen Aufwärtstrendlinie um 1.275 USD erscheint mir das kurzfristiges Anstiegspotential jedoch vollständig ausgereizt. Ein Rücksetzer in Richtung 1.235/1.240 USD sollte den Bullen die Möglichkeit geben, ihre Kräfte für einen erneuten Angriff zu sammeln. Angesicht der tumultartigen Zustände an den Finanzmärkten ist natürlich alles denkbar. Die Panik an den Aktienmärkten ist mittlerweile aber übertrieben und sollte schon in Kürze zu einer Erholung führen.

Im ganz großen Bild steuert das globale Finanzsystem nun allerdings wohl auf jenes Szenario zu, welches Goldanleger schon seit Jahren haben kommen sehen: 

Die vom billigen Geld abhängigen Finanzmärkte erzwingen eine Kursänderung seitens der FED. Eher früher als später wird die amerikanische Notenbank daher wohl den Zinserhöhungszyklus beenden und vermutlich sogar Zinssenkungen vornehmen müssen. Dann würde natürlich die große Stunde des Goldes schlagen. Charttechnisch wird ein nachhaltiger Anstieg über die ehemalige Widerstandslinie ein klarer Vorbote für dieses Szenario sein.

© Florian Grummes

Quelle: pro aurum Goldedition vom 27.12.2018
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