Gold: Gutes Geld in unsicheren Zeiten

Tags: Polleit Gold Degussa Marktreport 20.12.2018

von Prof. Dr. Thorsten Polleit

Es ist zwar noch zu früh, um Bilanz zu ziehen. Das Jahr ist schließlich noch nicht vorbei. Doch wie haben sich die Anlageklassen bis jetzt entwickelt? Das zeigt die untenstehende Übersicht (Abb. 1). Wie zu erkennen ist, zeigen die Aktienmärkte (mit Ausnahme des brasilianischen und russischen Marktes) allesamt merkliche Verluste (in nationaler Währung gerechnet).


Der Goldpreis (USD/oz) hat um 4,1 Prozent nachgegeben, der Silberpreis (USD/oz) weist ein deutliches Minus von 13,7 Prozent aus. Der Platinpreis (nicht in der Übersicht gezeigt) gab um 14,7 Prozent nach, der Palladiumpreis hingegen zog um knapp 18 Prozent an.

In Euro gerechnet, ändert sich das Bild etwas – denn der Euro hat im Betrach- tungszeitraum gegenüber dem US-Dollar um knapp 5 Prozent abgewertet (Abb. 2). Wer Gold gehalten hat, der verzeichnete daher einen Zuwachs von immerhin 0,7 Prozent. Vor allem wegen des Euro-Abwertungseffektes gegenüber dem Greenback konnte der Anleger aber auch mit US-Zinspapieren etwas verdienen.

Herausgestellt werden sollte hier: Das Gold in Euro gerechnet in 2018 besser abgeschnitten hat als Euro-Guthaben. Halter von Giro-, Termin- und Spareinla- gen bei Euro-Banken haben Verluste zu beklagen: Eine Verzinsung gab es nicht (und vielerorts wurden die Kontogebühren erhöht), und gleichzeitig sind die Konsumgüterpreise im Euroraum (wie sie offiziell ausgewiesen werden) um durchschnittlich 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Kaufkraft der Euro-Bankeinlagen ist damit dauerhaft geschwunden.

Wie einleitend gesagt: Das Jahr ist noch nicht zu Ende, und wir wollen an dieser Stelle auch noch keinen Ausblick auf 2019 werfen – das ist dem kommenden Degussa Marktreport am 17. Januar 2019 vorbehalten. Betont werden soll hier jedoch, dass das Gold nach wie vor für Anleger interessant bleibt. Denn Gold ist Geld, es ist das „ultimative Zahlungsmittel“. Gold konkurriert nicht direkt mit Aktien oder Häusern und Grundstücken, sondern mit anderen Geldarten – vor allem mit dem ungedeckten Geld in Form von US-Dollar, Euro, britischem Pfund, chinesischem Renminbi und Schweizer Franken.

Die Probleme in der internationalen Kredit- und Geldarchitektur legen nahe, dass das Gold auf absehbare Zeit nicht nur das ultimative Zahlungsmittel bleibt, sondern dass es als solches auch wieder verstärkt nachgefragt werden wird. Aus Sicht des Anlegers ist das Gold gutes Geld in unsicheren Zeiten.

 

Fed hört nicht auf Trump

Präsident Trumps Kritik ist berechtigt: Die Zinserhöhungspolitik der Fed birgt erhebliche Gefahren für die Konjunktur und die Finanzmärkte.

Auf ihrem Treffen am 19. Dezember 2018 haben die Mitglieder des Offen- marktausschusses (FOMC) der US-Zentralbank (Fed) den Leitzins um 0,25 Pro- zentpunkte angehoben. Die Federal Funds Rate liegt nun in einer Bandbreite von 2,25 bis 2,50 Prozent. Die Fed hat zudem ihre Leitzinsprognose leicht verändert: Sollte der Leitzins bisher 3,4 Prozent im Jahr 2021 erreichen, so soll er jetzt nun nur noch auf 3,1 Prozent steigen. In 2019 und 2020 soll zudem jeweils auf eine Zinserhöhung verzichtet werden im Vergleich zur bisherigen Zinsprognose.

Die Fed ist nach wie vor in „Zinserhöhungslaune“, und das hat bereits unüber- hörbare Kritik von US-Präsident Donald J. Trump ausgelöst: Er befürchtet, die Zinserhöhungen könnten dem US-Aufschwung den Wind aus den Segeln neh- men, und dass sie angesichts der nach wie vor geringen Inflation auch gar nicht notwendig seien. Es sollte kein Zweifel darüber bestehen, dass die Zinserhöhun- gen in der Tat Auswirkungen haben. Sie verteuern beispielsweise die Kreditkos- ten, üben Abwärtsdruck auf die Finanzmarkt- und Häuserpreise aus, bremsen die Konjunktur – alles Effekte, die man nicht wegdiskutieren kann, selbst wenn man die Zinserhöhungen gesamtwirtschaftlich als gut und richtig einstuft.

Das besonders heikle Problem ist nun aber das Folgende: Die Fed weiß leider nicht, wo die „richtige Zinshöhe“ liegt. Wenn sie den Zins zu stark anhebt, steht die nächste Finanz- und Wirtschaftskrise ins Haus. Und hält sie den Zins zu tief, eskaliert wohlmöglich der inflationäre Schuldenboom. Kann man eine berechtig- te Hoffnung haben, dass Fed die richtige „Zinsbalance“ findet? Die Fed-Politik in der jüngeren Vergangenheit stimmt leider nicht zuversichtlich: So war es die Fed selbst, die mit ihren kräftigen Zinserhöhungen den „New Economy Boom“ in 2000 und den Kredit-Boom in 2007 hat platzen lassen. Die Hoffnung, die Fed werde es diesmal „richtig machen“, gründet sich daher wohl eher auf einem Wunschdenken.

Die Sorge, die Fed könnte die Zinsschraube zu stark drehen, ergriff die Märkte unmittelbar im Anschluss an die Bekanntgabe der Zinsentscheidung. Obwohl der Zinsschritt erwartet worden war, knickten die US-Aktienmärkte merklich ein (zum Beispiel S&P 500 –1,7%, NASDAQ –2,6%). Auch der Goldpreis gab um 0,4% nach und fiel auf 1.244 USD/oz. Doch gerade solche „Tagesbewegun- gen“ des Goldpreises sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gold für Anleger attraktiv bleibt: Gold ist (mit aller Vorsicht gesprochen) nach wie vor günstig bewertet – und ist damit eine „Portfolioversicherung“ mit Wertsteige- rungspotential, egal ob die Fed den gegenwärtigen Boom noch etwas in Gang hält oder ihn bald zum Einsturz bringt.

Die Gefahr, dass die Fed mit ihrer „Versuchs-und-Irrtums“-Zinspolitik letztlich doch eine Problemlawine lostreten könnte, ist durchaus akut, und der Anleger sollte sie keinesfalls unterschätzen – und es ist durchaus möglich, dass man viel- leicht schon bald mit Bedauern feststellen muss, dass Präsident Trump doch das bessere geldpolitische Gespür gehabt hat.

Siehe hierzu auch den Degussa Marktreport vom 23. November 2018, „Das Ende der Fed-Zinsstraffung naht“.

© Thorsten Polleit

Chefvolkswirt Degussa Goldhandel GmbH

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