Gold ist Geld + Kommentar Schweizer Gold-Initiative

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von Prof. Thorsten Polleit

Gold ist Geld. Es steht im direkten Wettbewerb mit den ungedeckten Papierwährungen, nicht aber mit Anleihen, Aktien oder Häusern. Am 29. Oktober 2014 gab der ehemalige Vorsitzende der US-Zentralbank, Alan Greenspan, ein Interview, in dem er sich unter anderem auch zum Gold äußerte…

Er sagte: “Gold is a currency. It is still, by all evidence, a premier currency. No fiat currency, including the dollar, can match it.“ Übersetzt heißt das: “Gold ist eine Währung. Es ist immer noch, nachweislich, eine erstklassige Währung. Keine Fiat-Währung, einschließlich des Dollar, kann es mit ihr aufnehmen.“

Alan Greenspan zu zitieren ist eine Pikanterie: Als Leiter der US-Notenbank hatte er wie kein anderer vor ihm das ungedeckte Papiergeld zelebriert, für Spekulationsblasen, Verschuldungs-Exzesse und „Boom-und-Bust“-Zyklen gesorgt. Jedoch trifft Greenspans Aussage den Kern: Gold ist Geld. 

Es ist sicherlich nicht übertrieben zu sagen, dass Gold das ultimative Zahlungsmittel ist. Es wird überall akzeptiert, ohne dass dafür die Garantie eines Dritten erforderlich ist. Die Grafik zeigt, wie viele Konsumgüter man mit einem US-Dollar und einer Feinunze Gold kaufen kann.

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Der US-Dollar hat – gemessen an den Konsumentenpreisen – seit Anfang 1970 bis heute etwa 84 Prozent seiner Kaufkraft verloren, der des Goldes ist um etwa 480 Prozent gestiegen. Die Kaufkraft des Goldes kann zwar mitunter sehr stark schwanken. Aber sie wird, anders als bei ungedecktem Papiergeld, nicht auf null fallen, weil Gold stets einen nicht monetären Wert hat – und wohl auch immer haben wird.

Gold verliert, im Gegensatz zu den ungedeckten Papierwährungen, seine Kaufkraft nicht unwiderruflich, weder durch Inflation noch durch Zahlungsausfälle von Schuldnern. Gold ist Geld, und als solches steht es im direkten Wettbewerb mit den ungedeckten Papierwährungen, nicht aber mit Anleihen, Aktien oder Häusern, deren Wertentwicklung häufig dem Gold gegenübergestellt wird.

Alle heutigen Papiergeldwährungen wären ohne die ehemalige Goldanbindung nicht denkbar. Das haben die Ökonomen Carl Menger (1840 – 1921) und Ludwig von Mises (1881 – 1973) überzeugend aufgezeigt. Ihre Erkenntnis ist viel bedeutsamer, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Bekanntlich hat es in der Währungsgeschichte schon viele Experimente mit ungedecktem Papiergeld gegeben. Sie sind stets für diejenigen schlecht ausgegangen, die sich auf das Versprechen verlassen haben, das ungedeckte Papiergeld sei wertstabil, würde also seine Kaufkraft bewahren.

Die Erfahrung hat unmissverständlich gezeigt: Ungedeckte Papiergeldwährungen kommen und gehen. Gold hat hingegen immer seinen Status als ultimatives Zahlungsmittel bewahrt. Dass seit Jahren die Zentralbanken etwa in China und Russland ihre Goldbestände aufstocken, ist aus dieser Perspektive betrachtet daher alles andere als verwunderlich, vielmehr plausibel.

Übrigens sieht selbst EZB-Präsident Mario Draghi das Zentralbankgold als „Sicherheit“ an, das nicht verkauft werden sollte. So zumindest seine Wortäußerung am 9. Oktober 2013.

Auch nachdem die Vereinigten Staaten von Amerika die Goldeinlösepflicht des US-Dollar am 15. August 1971 aufhoben und die Welt auf ungedecktes Papiergeld wechselte, war Gold weiterhin Geld.

Zwar schien es ab Beginn der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zunächst so, dass das ungedeckte Papiergeld das Gold tatsächlich dauerhaft verdrängen könnte. Jedoch bereits mit dem Zusammenbruch des „New Economy“-Booms 2000/2001 und dem Beginn des markanten Goldpreisanstiegs sollte sich das als Täuschung herausgestellt haben. Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 ist daher auch kein isoliertes Ereignis, sondern vielmehr eine Fortsetzung der immer größeren Probleme, für die das ungedeckte Papiergeld weltweit sorgt.

Die „Rettungspolitiken“ der Regierungen und Zentralbank mögen das Problembewusstsein vieler Sparer und Anleger erfolgreich eingeschläfert haben. Doch der Schlummer wird nicht anhalten. Beim Erwachen wird deutlich werden, dass Alan Greenspans Worte den Kern der Sache treffen: Mit Gold kann keine ungedeckte Papierwährung mithalten.

Zur Schweizer Gold-Initiative

Eine Anbindung des Schweizer Franken an das Gold könnte richtungsweisende Änderungen im internationalen Währungsgefüge haben. Erhält die Initiative Zustimmung, müsste die Schweizer Nationalbank (SNB) Gold hinzukaufen – denn derzeit beträgt der Anteil des Goldes an ihrer Aktiva nur etwa 7,5 Prozent.

Die Käufe ließen sich jedoch aus einem Abbau der Fremdwährungsreserven, die die SNB durch ihre Devisenmarktinterventionen in den letzten Jahren angesammelt hat, problemlos finanzieren. Unter der „20-Prozent-Regel“ wäre ein Geldschöpfen durch die SNB weiterhin möglich, aber sie wäre „erschwert“ durch die Auflage, die neu ausgegebene Franken-Basisgeldmenge mit Gold zu decken: Ein Ausweiten der Franken-Geldmenge wäre für die Öffentlichkeit fortan sichtbar(er) und daher auch einfacher von ihr zu sanktionieren.

Die 20-Prozent-Regel würde die Schweizer Geschäftsbanken zu vorsichtigerem Wirtschaften ermutigen. Die krisenträchtige Teilreservehaltung würde tendenziell an Attraktivität verlieren. Schließlich könnte eine Bank nicht mehr blind darauf vertrauen, dass ihr die SNB jederzeit und unbegrenzt neues Geld bereitstellen kann, um Liquiditätsdefizite zu überwinden. Die 20-Prozent-Regel könnte für eine Entschleunigung der Geldmengeninflationierung sorgen. Damit würde sich zum Beispiel das Aufblasen der Häuser- und Grundstückspreise verringern. Und Wirtschaftsbereiche, die bisher von der Kredit- und Geldmengenausweitung fehlgeleitet werden, müssten sich neu ausrichten.

Zudem nähme der Kaufkraftverlust des Geldes ab. Es bestünde die Aussicht, dass Wohnraum wieder erschwinglicher wird. Das Niedergehen einiger Betriebe würde Raum für das Entstehen neuer Produktionszweige geben – die bislang aufgrund der hohen Geldmengenausweitung nicht rentabel waren, weil sie zum Beispiel nicht mit den Löhnen mithalten konnten, die in preisinflationierten Sektoren gezahlt wurden.

Vor allem ist eines anzumerken: Werden die Ersparnisse vor der Entwertung geschützt, wird auch die Freiheit des Einzelnen bewahrt. Denn zerstört inflationiertes Geld die Ersparnisse, werden die Menschen nicht nur verarmen, sondern aus Bürgern werden Untertanen, sie degenerieren zu ergebenen Almosenempfängern staatlicher Fürsorge. Die 20-Prozent-Regel würde dazu beitragen, das zu verhindern.

Sollten die Schweizer für die Gold-Initiative stimmen, so wären damit zumindest zwei Botschaften verbunden. Erstens: Die Schweizer nehmen die Entwertungsgefahr für ihren Franken ernst, und eine 20-Prozent-Regel kann einer ungehemmten Geldmengenvermehrung einen Riegel vorschieben. Zweitens: Ein „sanftes Abkehren“ der Schweiz von der Politik der beliebigen Geldmengenvermehrung könnte Vorbildcharakter haben. Ein Schweizer Präzedenzfall könnte Nachahmer finden, könnte vielleicht zum „GameChanger“ im internationalen Währungsgefüge werden. 

Nach der jüngsten SRG- Umfrage sprachen sich 27 Prozent (davor: 45 Prozent) der befragten Schweizer für die Gold-Initiative aus, 36 Prozent (davor: 39 Prozent) dagegen. „Eher dagegen“ waren 11 Prozent, „weiß nicht“ antworteten 15 Prozent und „eher dafür" waren 11 Prozent. Umfragen sind allerdings nicht notwendigerweise gute Indikatoren für Wahlen und Volksabstimmungen. 

Eine „Schwachstelle“ der Gold-Initiative könnte sein, dass sie ihre Forderung nach einem Verbot für SNB-Goldverkäufe nicht hinreichend rationalisieren kann. Verwunderlich: Denn eine Zentralbank sollte ja gerade nicht Gold verkaufen dürfen, denn eben dieses Geld gehört den Haltern des Franken-Geldes! Man darf in jedem Falle gespannt sein auf das Ergebnis der Volksabstimmung über die Schweizer Gold-Initiative Ende November.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH

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