Gold, Silber und Erdöl: Drei USD-basierte Rohstoffe über die China die meiste Kontrolle will...

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von Michael dem "Düsseldorfer"

Hao Hong, Chef-China-Stratege bei Bocom International, diskutiert in einem aufschlussreichen TV-Interview auf Bloomberg in der Sendung "Trending Business", den Start des chinesischen Goldpreisfixings am Dienstag dieser Woche in lokaler Währung Yuan. Nach Aussage von Hong seien Gold, Silber und Erdöl die drei USD-basierten Rohstoffe, über die China die meiste Kontrolle wolle...

Insbesondere Gold sei einer der Rohstoffe, die China sehr stark horte und sich "durch den physischen Goldhandel in Renminbi, langsam von der Dominanz des US-Dollar löse." Das kurze, sehenswerte Video über knapp 5 Minuten ist nur in engl. Sprache verfügbar. (Fortsetzung folgt unter dem Video)

(Quelle: Bloomberg)

Das Hong die Kontrolle über Erdöl und Gold als wichtige Maxime Chinas beschreibt, dürfte nicht verwundern. Explizit erwähnt er aber auch Silber. Als der Silberpreis am Dienstag dieser Woche im asiatischen und europäischen Handel nach oben ausbrach war zu hören, dass einer der Gründe für den Silber-Preisspike durch starke Silberkäufe in Shanghai ausgelöst worden sei. So zumindest war es nach Reuters Angaben zu lesen. Vielleicht aber werden auch mehr und mehr Investoren auf das immer bullischer werdende technische Bild des Silberpreises aufmerksam? Jörg Scherer,  Technischer Analyst bei HSBC Trinkaus, hat dazu in seinem täglichen Newsletter zu den Märkten die aktuelle Chartsituation im USD-Silberpreis sehr gut deutlich gemacht. Nachfolgend seine lesenswerte Analyse dazu von heute:

Sprungbrett genutzt?

Seit April 2011 und dem historischen Hoch bei knapp 50 USD befindet sich der Silberpreis im Rückwärtsgang. Im Verlauf des letzten Dreivierteljahres kam es dabei mehrfach zum Stresstest der Kernunterstützung bei rund 15 USD. Auf diesem Niveau bilden diverse alte Hoch- und Tiefpunkte zusammen mit dem 76,4%-Fibonacci-Retracement des Aufwärtsimpulses seit Beginn des Jahrtausends (14,77 USD) sowie der 200-Monats-Linie (akt. bei 14,40 USD) einen extrem wichtigen Kumulationspunkt. Mit Blick auf den trendfolgenden MACD, der nach der Ausbildung einer positiven Divergenz mittlerweile ein deutliches Einstiegssignal ausweist, scheint das Edelmetall die beschriebene Bastion als Sprungbrett zu nutzen. Für ein Ausrufezeichen würde in diesem Zusammenhang ein nachhaltiger Bruch des Abwärtstrends der letzten fünf Jahre (akt. bei 16,12 USD) sorgen. Das nächste Erholungsziel wird dann durch die Widerstandszone aus den Tiefs der Jahre 2013 und 2014 bei gut 18 USD und der dynamisch fallenden 38-Monats-Linie (akt. bei 18,19 USD) definiert. Als strategische Absicherung auf der Unterseite ist weiterhin der o. g. Kumulationspunkt prädestiniert.

 

Dreifacher Trendbruch

Im nächsten Schritt wollen wir die Zeitebene herunterbrechen, was wir grundsätzlich für eine sehr sinnvolle Vorgehensweise halten. Der Wochenchart des Silberpreises verdeutlicht eindrucksvoll, dass zuletzt gleich drei wichtige Trendlinien zu den Akten gelegt wurden. Neben dem Bruch des dominierenden Baissetrends seit 2011 möchten wir den Spurt über die Nackenlinie einer inversen Schulter-Kopf-Schulter-Formation hervorheben (siehe Chart). Aus der Höhe der beschriebenen unteren Umkehr ergibt sich ein kalkulatorisches Anschlusspotential bis rund 18,50 USD – ein Kursziel, welches bestens mit den o. g. Tiefpunkten aus den Jahren 2013 und 2014 harmoniert. Das derzeit überaus konstruktive Chartbild erfährt durch die aktuelle Indikatorenkonstellation zusätzlichen Rückenwind. So lässt die seit Langem ausgeprägte positive Divergenz, indem der MACD die letzten Verlaufstiefs nicht mehr durch entsprechende Indikatorenpendants bestätigt hat, auf eine nachhaltige Trendwende hoffen. Um den beschriebenen Ausbruch nicht zu gefährden, sollte das Edelmetall zukünftig nicht mehr in den Baissetrend der letzten fünf Jahre zurückfallen.

Ende der Silber-Underperformance

Der nebenstehende Chart zeigt die Entwicklung des Gold- und des Silberpreises (siehe oberer Teil des Charts). Die eigentliche „Musik“ spielt allerdings in der Mitte des Kursverlaufes. Dort ist der relative Vergleich zwischen den beiden Edelmetallen abgetragen, d. h. wenn die grüne Linie steigt – wie seit April 2011 geschehen –, dann hat sich der Goldpreis im Vergleich zum „kleinen Bruder“ besser geschlagen. Dieser Zusammenhang gilt aber nur „relativ“, denn in diesem Zeitraum bedeutet die Feststellung konkret, dass der Silberpreis noch deutlich stärker unter die Räder kam. Dieser Trend dürfte nun aber vor der Umkehr stehen. Zum einen diente ein Wert im Verhältnischart von 80 regelmäßig als Widerstand, zum anderen wurde jüngst der Aufwärtstrend seit Ende 2012 gebrochen (siehe Chart). Damit wurde gleichzeitig ein „bearisher“ Keil nach unten aufgelöst, so dass dank dieses Kursmusters ein weiteres Trendwendesignal vorliegt. In die gleiche Kerbe stoßen aktuell die negative Divergenz imVerlauf des RSI sowie das frische Ausstiegssignal seitens des MACD. Per Saldo sollte sich der Silberpreis in den nächsten Monaten besser entwickeln als der Goldpreis. Silberengagement weisen derzeit also relativen und absoluten Charme auf.

(Die Analyse zu Silber von Jörg Scherer wurde u.a. zuerst hier veröffentlicht)

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