Grüße aus dem Paralleluniversum: Frische Lebenszeichen aus der Krypto-Welt

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vom Smart Investor

Echte Fundamentaldaten für den Bitcoin sind dünn gesät, weshalb eine Bewertung im eigentlichen Sinn regelmäßig scheitert. Nirgendwo wird so deutlich wie bei den Kryptowährungen, dass der Marktpreis zu einem bestimmten Zeitpunkt bestenfalls in einem sehr losen Zusammenhang zu einem wie auch immer berechneten inneren Wert steht... Für den Bitcoin werden aktuell beispielsweise Kursziele zwischen Null und mehreren Hunderttausend US-Dollar genannt. Exemplarisch sei Arthur Hayes, Chef der Kryptobörse BitMEX, genannt, der auf CNBC Anfang Juli sein Bitcoin-Szenario skizzierte: Bodenbildung im Bereich von 3.000 bis 5.000 USD, dann Anstieg bis 50.000 USD – wohlgemerkt bis Ende 2018! Selbst Menschen deren virtuelles „tägliches Brot“ die Kryptos sind, tun sich also schwer. Letztlich entscheidend sind ohnehin Angebot und Nachfrage und die orientieren sich in der Krypto-Welt an Nachrichten, Gerüchten und Chartbildern.

Zündendes

Die eigentliche Initialzündung für den Bitcoin-Kurs dürfte aber die Nachricht gewesen sein, dass Blackrock eine Arbeitsgruppe gegründet habe, die zum einen prüfen solle, wie sich das Unternehmen im Krypto-Bereich engagieren könne, zum anderen aber auch die Aufgabe habe, die Konkurrenz zu beobachten. So jedenfalls sollen sich Mitarbeiter geäußert haben, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Das wäre eine echte Kehrtwende beim größten Vermögensverwalter der Welt. Denn noch im Oktober 2017 bezeichnete Blackrock-CEO Laurence Douglas Fink den Bitcoin-Kurs verächtlich als einen „Index für Geldwäsche“. Derzeit würde wohl vor allem einer der beiden Bitcoin-Futures als Investitionsvehikel in Frage kommen.

Fantastisches

Gabor Gurbacs, Director Digital Asset Strategies bei VanEck/MVIS, glaubt, dass  „Bitcoin bald Gold als bevorzugte Anlage für passive Anleger ersetzen könnte“. VanEck hat eine Reputation dafür, exotischere Anlagethemen einem breiteren Publikum per Fonds und ETFs zugänglich zu machen. So legte man mit dem VanEck International Investors Gold Fund bereits im Jahr 1968 den ersten US-Goldfonds auf. Und da bekommt die Geschichte ihren eigentlichen Spin. Denn derzeit wartet bei der Securities and Exchange Commission (SEC) ein Antrag der CBOE BZX Exchange auf Zulassung eines Bitcoin-ETFs auf Entscheidung. Voraussichtlich(!) am 10. August soll es so weit sein. Sollte die SEC den Weg für Bitcoin-ETFs grundsätzlich frei machen, wäre das eine Sensation. Denn anders als die beiden Futures, mit deren Hilfe man den Kurs auch beeinflussen kann, ohne über Bitcoins zu verfügen, wäre ein Bitcoin-ETF, der dann mit Bitcoins unterlegt sein würde, ein regelrechter Bitcoin-Staubsauger im ohnehin engen Markt – besonders, falls dann auch noch die Branchengrößen Blackrock und VanEck einsteigen. Klar, dass sich vor allem daran die Fantasie entzündet. Allerdings sind die in der Szene bekannten Winklevoss-Zwillinge, die ebenfalls einen Bitcoin-ETF auflegen wollten, bereits im Jahr 2017 mit ihrem Antrag gescheitert. Es bleibt spannend.

Legales

Den Tenor der US-Diskussion gab auch Fed-Chef Jerome Powell vor, der massiv gegen Bitcoin & Co. wetterte. Oder die US-Kongressanhörung zur Zukunft des Geldes, bei der Brad Sherman seinem Ruf als erbitterter Bitcoin-Gegner gerecht wurde. In seinem Statement forderte er nicht weniger als ein Verbot von Bitcoin-Käufen und ein Verbot des Bitcoin-Minings. Die Argumente – Finanzierung von Drogenhandel und Terrorismus sowie Steuerhinterziehung – erinnern stark an die Anti-Bargeld-Kampagne. Allerdings muss man wissen, dass der größte Spender der Sherman-Kampagne Allied Wallet ist, ein großes US-Kreditkartenverarbeitungsunternehmen, wie das Portal coincierge.de zu berichten weiß. Schön, wenn Ross und Reiter einmal so deutlich benannt werden, womit wir nahtlos zur nächsten Kategorie kommen.

Skurriles

Völlig anderer Meinung als Blackrock oder VanEck ist bekanntlich Warren Buffett, der den Bitcoin unlängst als „Rattengift im Quadrat“ bezeichnet haben soll. Dies war allerdings nur die letzte in einer langen Reihe von Warnungen des Orakels von Omaha, der mit dem Krypto-Thema wohl nicht mehr recht warm werden wird. Nun kann man in Anlagedingen schwer mit Buffett rechten, dazu sind seine vom gesunden Menschenverstand getragenen Entscheidungen per Saldo viel zu erfolgreich gewesen. Auch hat er das Wesen des Bitcoin in seiner aktuellen Verfassung als „ein spekulatives Phänomen“ schon vollkommen richtig erfasst. Schließlich haben er und sein kongenialer Partner an der Spitze von Berkshire Hathaway, Charlie Munger, durch ihren bodenständigen Ansatz eben nicht nur den einen oder anderen Highflyer verpasst, wie sie auch selbst einräumen, sondern eben auch die üblichen Luftnummern, auf die viele Anleger hereinfallen.

Weil aber Buffett kaum eine Gelegenheit auslässt, über den Bitcoin zu lästern, ist er in der Krypto-Szene nicht sonderlich beliebt. Nun hat sich angeblich ein bekannter, aber dennoch ungenannter „Krypto-Experte“ einen besonderen Scherz erlaubt, das zumindest twitterte der australische Buchmacher Tom Waterhouse: Demnach habe der Unbekannte die Wette angeboten, dass der Bitcoin bis zum Jahr 2023 den Wert einer Berkshire-A-Aktie übersteigen werde, derzeit immerhin 300.000 USD. Der Einsatz: 8,5 Mio. australische Dollar, der Gewinn 1,2 Mrd. AUD. Die Quote von rund 1:140 zeigt zumindest, wie hoch der Buchmacher die Wahrscheinlichkeit einschätzt.

Relatives

Mit der jüngsten Bitcoin-Rally hat sich die sogenannte Bitcoin-Dominanz übrigens wieder deutlich auf aktuell 47,2% erhöht. Damit ist der Anteil der Bitcoin-Marktkapitalisierung an der Gesamtmarktkapitalisierung der AltCoins und Tokens angesprochen. Der aktuelle Anstieg ist im Moment also im Wesentlichen ein reines Bitcoin-Thema. Unser zweiter Chart zeigt den Ether, der mit einer Marktkapitalisierung von rund 47 Mrd. USD direkt auf Rang 2 hinter dem Bitcoin rangiert. Im unteren Teil ist die Relativbewegung zum Bitcoin zu sehen und das ist auch schon des Rätsel Lösung für die gestiegene Bitcoin-Dominanz: Schon die Nr. 2 der Kryptowährungen ist dem Bitcoin nicht gefolgt. Wie ist das zu beurteilen? Immer wenn ein Thema, ein Land oder eine Branche echte Gefolgschaft der Anleger auf sich zieht, erwartet man, dass nicht nur ein Vertreter steigt, sondern die ganze Gruppe. Dennoch wäre es voreilig, den Anstieg des Bitcoin allein deshalb als Eintagsfliege abzutun. Da im Moment Branchengrößen das Thema dominieren, ist es nicht so ungewöhnlich, dass sich diese sich erst einmal auch nur mit der führenden Kryptowährung befassen. Denn offen gesagt dürften ohnehin 99% der rund 1.600+ AltCoins und Tokens reiner Schrott sein.

Fazit

Beim Bitcoin sehen wir aktuell einen interessanten Newsflow und eine bemerkenswerte Kursentwicklung. Bitte verstehen Sie unseren Bericht nicht als Anlageempfehlung, sondern eher als „Blick über den Tellerrand“. Uns würde interessieren, ob Sie auch solche Berichte gerne lesen, oder ob das zu weit weg von Ihrem Interessensgebiet ist? Schicken Sie uns gerne ein paar Zeilen. Ansonsten freuen Sie sich schon jetzt auf den neuen Smart Investor 8/2018 – am Wochenende ist es soweit.

© Ralph Malisch, Ralf Flierl – Homepage vom Smart Investor

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