Hard Asset- Makro- 03/17: Keynes aussen, Menger innen

Tags: Hard Asset- Makro- 03/17 Keynes Menger Trump Aktien Palladium Platin Silber Gold HAM-Reports Vartian

Von Mag. Christian Vartian

Gold hat in der abgelaufenen Woche hinsichtlich seines Preises in USD mehrere Verkaufsattacken erlebt und gut bestanden. Dies ist ein gutes Zeichen und auch die CoT Daten bestätigen dieses Zeichen.


Die von mir lange und oft einsam vertretene These, dass Gold auch ein ziemlich gutes Sonnenscheinasset ist, scheint sich zu bestätigen, denn:

Die US-Jobless Claims (Anträge auf Arbeitslosenunterstützung) kamen mit 234k vs. Erwartung 252k besser als erwartet;

Die US-Housing Starts (Baubeginne) kamen mit 1126k vs. Erwartung 1190k besser als erwartet;

Die US-Industrieproduktion kam mit +0,8% vs. Erwartung 0,6% besser als erwartet und angesichts des hier behindernden, sehr teuren USD-Wechselkurses fast sensationell gut;

Die US-Kapazitätsauslastung kam mit 75,5% vs. Erwartung 75,4% besser als erwartet;

Der US-CPI (Verbraucherpreisindex) kam mit +0,2% wie erwartet.

Bei solchen Zahlen wäre Gold noch vor einem Jahr um 80$ gesunken, diesmal stieg es, seit 2003 bzw. 2007 bzw. 2010 bei Wirtschaftsverbesserung wieder. Wie Sie an den Jahreszahlen sehen, ist das gar nicht so selten, es ist nur schon länger her und von vielen Marktteilnehmern vergessen.

Der Grund ist, dass bei einem echten Aufschwung die Inflation mit ansteigt und Gold ein Hedge gegen Inflation ist, auch ganz ohne Krisen. Und diesmal erleben wir eben den steigenden Produzentenpreisindex und die steigenden Lohnkosten. 

Konkret konnte Gold

Open in new window

diese Woche auch den Dow Jones schlagen

Open in new window

was für einen gewissen Nachholbedarf spricht.

Der Star war Palladium

Open in new window

es liebt genau diesen Mix aus etwas politischer Unsicherheit (in den Augen mancher) und soliden Wirtschaftsdaten in der Kernökonomie USA.

Auch unser seit einigen Wochen neues Asset BitCoin, bei welchem wir exakt eine Rally mitfuhren, dann gewinnsichernd hedgten, wieder de-hedgten schenkte uns eine neue Rally

Open in new window

Damit erreicht unser Portfolio II zwar nicht 5-6% Plus gegen EUR year-to-date wie unser Edelmetallportfolio, aber es ist auf hohem Niveau weiter gestiegen bei stagnierenden Standardaktien, erholten Minen und erfreulichem BitCoin.

Bei den Währungen sehen wird ein Range Trading beim JPY und beim EUR und beim CHF. Die Rede der Britischen Premierministerin stärkte das Pfund. Insgesamt ist jedoch eher Wirrwarr angesagt, dies mit einer Ausnahme:

Open in new window

Das energische "U" mit fast schon "V" Form, welches der AUD in den letzten Wochen zum USD hingelegt hat, wirkt solide.

Aus fundamentaler Sicht spekulativ und nicht solide- aber damit Fragen und Zuschriften beantwortend, sollte man sich den EUR NZD ansehen:

Open in new window

Das Chartbild sagt nichts aus, daher steht ja: fundamental-spekulativ hier oben - aber es geht um Nahrungsmittellieferungen an die Russische Föderation. Neuseeland hat von den Sanktionen der EU gegen die Russische Föderation profitiert und EU-Nahrungsmittelexporte ersetzt. Die USA unter Präsident Obama hatten in der gleichen Periode den Handel mit der Russischen Föderation ausgeweitet, aber andere Sanktionen verhängt. 

Sollte nun die neue US- Regierung einen anderen Kurs einschlagen, wäre möglicherweise auch die EU gezwungen, die Sanktionen aufzuheben und dies wäre fundamental eine Stärkung des EUR und eine Schwächung des NZD. Der NZD profitiert weiterhin aber von Immobilieninvestitionszuströmen wie die Reserve Bank of New Zeeland uns ja nach jeder Sitzung wissen lässt, da ihre Ausführungen über die Häuser- und Wohnungspreise in Auckland den Detailgrad von Immobilienanalysen aufweisen.

Die Britische Premierministerin hielt eine ziemlich drohende Rede gegen die EU und - sollten die Meldungen aus Washington stimmen- wird den neuen Präsidenten der USA schon am Freitag der kommenden Woche besuchen, angeblich auch um über Handelsabkommen zu sprechen. Damit wäre sie sehr deutlich vor den Brüsseler Repräsentanten vorgereiht.

Der neue US-Präsident erwähnte die NATO bei seiner Antrittsrede mit keinem Wort und blieb bei "America First", einem national- chauvinistischen Standpunkt* also. Die Britische Premierministerin ließ nicht weniger Chauvinistisches vernehmen, aber globalistisch. Die EU erscheint gegenüber diesen Reden verglichen mit dem Vereinten Königreich daher viel zu wenig globalistisch und verglichen mit den USA viel zu viel globalistisch.

* Fast jeder Regierungschef hat einen Dienstvertrag, in dem genau das drinnen steht: Das eigene Land und seine Interessen zu vertreten. Der Wille, seinen Dienstvertrag zu erfüllen, mag selten sein, sollte aber niemanden verwundern, nur weil es unüblich geworden ist.

Fassen wir also zusammen:

USA: Make America Great Again (aber national)

UK: Make Britain Great Again (aber globalistisch)

In Osteuropa macht man sich schon Sorgen vor einem US- Rückzug auf die eigenen Interessen und weg aus Europa.

Die Familie des neuen US-Präsidenten selbst ist altbayerisch (aus der, dem Königreich Bayer entrissenen Pfalz) und schottisch, seine Gattin ist gebürtige Slowenin aus einer alt-Untersteirischen Region aus Sevnica (österr: Lichtenwald) und sechsprachig, damit noch polyglotter als die meisten Slowenen, die in der Regel Italienisch, Deutsch und Englisch auch können. Die Mehrheit seiner Kinder sind Halbtschechen, da seine erste Frau gebürtige Tschechin ist.

Das mag zwar vordergründig die Osteuropäer beruhigen, aber es ist eben ein Trugschluß zu meinen, dass Slowenien und Tschechien in Osteuropa liegen, weil sie nämlich geographisch dort nicht liegen, beide Hauptstädte liegen viel weiter westlich als z.B. Wien. Insoferne schlafen diese beiden auch bei US-Abzug ruhig, nur die anderen mit verwandten Sprachen eben ggf. nicht.

Im Prinzip ist nun von der Herkunft her in den USA nun die K&Kanisch-Süddeutsche Macht im Sattel, was aber noch nichts über das Programm aussagt.

Aber siehe da, das Programm von Trump weist Ähnlichkeiten mit denen von Kamitz (A), Erhard (D) und Bajuk (SL) auf. Keynesianische Impulspolitik, bei der Durchführung im Inneren aber Mengerianische Deregulierung. Die Tschechische Wirtschaftspolitik mit ihrem konservativ-liberalen Miesismus bzw. Hayekismus passt da wenig dazu, die lässt eine Autobahnbaustelle auch pausieren, wenn gerade kein Geld da ist, geldgläubig eben und wie alle Geldgläubigen die Kosten der Staus nicht mitrechnend. Das Original der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, der Schulengründer Menger ist aber nicht geldgläubig und die einzige intellektuell ernst zu nehmende Gegenschule, die von Keynes, auch nicht.

Und die USA sind schwer verschuldet, was nun jeder Monetarist, jeder Neokonservative und eben auch die viel weniger, aber doch Irrenden Verzerrer der Österreichischen Schule wie Mieses und Hayek und ihre Spar- Dich zu Tode- Jünger als absoluten Hinderungsgrund für das Gelingen von "Make America great again" ansähen.

Für Menger ist Geld sowieso auch nur ein Gut mit Grenznutzen und wenn der Staat nun lieber eine Autobahn will, dann ist der situativ subjektive Grenznutzen der Autobahn halt höher als der von grünem Papier, die Politik der Schlaglocherweiterung von Obama zur Festigung der Stabilität von Chinesischen Forderungen aus US- Treasuries damit enttarnt und obsolet. Und das Geld für die Autobahn wird erzeugt und Schluss.

Keynes fände das auch erstrebenswert und von ihm stammt, die bei Inlandsinfrastruktur ja nachweislich gültige Staatsausgabenmultiplikatortheorie. Er hat Steuersenkungen zwar nicht dazugeschrieben, aber auch nicht geschrieben, dass diese den Beschäftigungsmultiplikator stören würden. Nur muss man das durchführen. Wie: so libertär privat wie möglich, genau nach Menger: Deregulieren. Auch dies hat die Regierung Trump angekündigt und damit nicht den Fehler anderer Keynesianischer Impulszünder gemacht, dann in der Durchführung linksdirigistisch oder konservativordnungsstaatlich herumzupfuschen anzukündigen, nein, er will deregulieren.

Die Mengerianischen Gesetze beweisen, dass Deregulierung immer funktioniert. In den USA protestieren zwar die Linken lauter gegen Trump, den Konservativen wird bei dem Ausmaß an angekündigter Deregulierung bis tief ins "unsolide" aber auch schon schwindelig. Effizienz entsteht durch Freiheit und Freiheit ist aber eben nicht solide. Und Asset Backed Securities können unsolide missbraucht werden. Trump ist Immobilienentwickler, diese lieben ABS, ich bin mir ziemlich sicher, dass wir sie wiedersehen.

Die dargelegte Kombination könnte tatsächlich funktionieren, weil sie eine richtige Kombination von Wirtschaftswissenschaften ist. Der Herkunftsraum von Trump hat es vorgemacht. Make Austria great again hat bis in die 1980-iger hervorragend funktioniert gestartet mit einer Kasse von null in 1945. Make Germany Great again hat 1948 bis zu (exklusive) Willi Brand hervorragend funktioniert gestartet mit einer Kasse von null und Make Slovenia great again war deutlich später und auch unter hoher Verschuldung ein Erfolg.

Diese bestimmte Mischung, die Trump ankündigt, kommt tatsächlich genau aus der Gegend, aus der er und seine Gattin stammen und wir wissen, dass es funktioniert hat.

Germany First und zwar der maximale Vorteil für die Einwohner jetzt und hier ohne Ideologie noch Sendungsbewußtsein hat von 1948 bis zu Willi Brand ja auch hervorragend funktioniert. Eigener Teller randvoll und immer voller, der Rest interessiert nicht. Und diese BRD war im Ausland nur beliebt. Auch da könnte Trump Recxht behalten, falls er es kopierte, hielt er doch eine Rede dazu, dass Amerika verhasst sei, obwohl es sich für das Ausland ausblute und wenn es sich nur selber nützt wieder beliebt würde, genau wegen dem dann egoistischen eigener Teller Vollmachen.

Hoffen wir, dass die neue US- Regierung jedem im Ausland eine Corvette liefert und genau damit ihre Ziele erreicht und sonst nichts. Genau so funktionieren Wirtschaftswunder, auch wenn es damals der gar nicht unähnliche Mercedes SL war. Demokratie und Sendungsbewußtsein im Guten wie im Schlechten schließen sich nämlich aus. 

Der Dienstvertrag eines US-Präsidenten ist genau der Schlüssel, Verstöße gegen die Verfassung sieht er nicht vor. Pauschale Einreiseverbote gegen eine Religionsgruppe wären ein solcher, Herumbomben in anderen Ländern ebenso. Es ist verblüffend, was der Bayer oder Pfälzer Trump von der Deutschen Geschichte alles lernen kann. Es Franz-Josef-Straußt nun auf der Welt, hoffentlich ganz. Das reichste Land mit den wenigsten Konflikten ist immer noch die Schweiz und die Absenz von Sendungsbewußtsein dort fast 100%.

Sie sind nicht eingeloggt! Um den gesamten Inhalt sehen zu können, müssen Sie eingeloggt sein und ein aktuelles Abonnement besitzen. Log-In

Unsere Webpage: www.hardassetmacro.com 

Den Autor kann man unter vartian.hardasset@gmail.com erreichen.

Das hier Geschriebene ist keinerlei Veranlagungsempfehlung und es wird jede Haftung für daraus abgeleitete Handlungen des Lesers ausgeschlossen. Es dient der ausschließlichen Information des Lesers. 

 

Hinweis: Meinungen oder Empfehlungen geben die Einschätzung des jeweiligen Verfassers oder Interviewpartners wieder und stellen nicht notwendigerweise die Meinung der „Metallwoche“ oder deren Betreiber dar. Der vertretene Standpunkt spiegelt nicht die Meinung des Website-Betreibers und stellt keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Anlagemöglichkeiten dar. Beachten Sie bitte auch unseren Disclaimer!

Kommentare

Sie sind nicht eingeloggt! Sie können Kommentare nur sehen, wenn Sie eingeloggt sind und ein aktuelles Abonnement besitzen. Log-In