Hard Asset- Makro- 38/18: Defla S-Rote Null für 3 Tage bisher, Nebel wegen Aufholens

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von Mag. Christian Vartian

Wo anfangen bei dieser Überlappung multidimensionaler Ereignisse? Beginnen wir mit alten Ausgangspunkten: China hielt zum Ende Juli 2018 1.171 Mrd. USD an US-Staatsanleihen, leicht gefallen seit April 2018.

Die 5- Jahres Forward Inflationserwartungsrate steigt schon (aber nur in den USA - siehe letzter HAM zur Begründung) das ganze Jahr 2018, nur herrscht trotzdem weltweit Deflation.

Die Türkei, deren Währung hochinstabil wurde, weswegen die türkische Notenbank den Leitzins deutlich angehoben hat auf 24%, verfügte im Geschäftsbankenbereich (dort ist Gold ja Tier 1 Asset) über etwa 19,5 Mio. Unzen an solchen Reserven und diese sind nun seit der Lira-Krise auf etwa 15 Mio. gesunken - rein physisch selbstverständlich. Es wurden also EUR- und USD-Schulden mit Gold bezahlt, dieser Rohstoff soll ja "Geld" sein, wie manche behaupten. Diesmal war er es, mit den üblichen grauslichen Folgen wenn ein Asset sich auf das Niveau von Zahlungsmitteln herablässt.

Unsere Liquiditätsmessung sprang am Dienstag der abgelaufenen Woche plötzlich von einer der höchsten Deflationsstufen (XXXL) auf die zweitniedrigste Inflationsstufe und wir teilten dies unseren Kunden mit.

Geendet hat die Woche allerdings auf der niedrigsten Deflationsstufe "S", weil die Liquidität wieder zurückging, wie wir auch zeitnah davor unseren Kunden mitteilten.
Hier der Deflationssaldo der Woche an einem Beispiel:

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Gold gegen EUR im Minus, das ist nun mal nicht "Inflation".

Der US-Präsident hatte Zölle gegen weitere 200 Mrd. an Chinesischen Importen verhängt, allerdings in Stufen, beginnend nicht schon mit 25% sondern vorerst mit 10%. China antwortete mit 10% Zoll auf eine viel geringere Handelsbasis. Daraus ergibt sich, dass China der "Sprit" ausgeht im Handelskrieg mit den USA, was ganz normal ist für denjenigen, der mehr exportiert als der andere. China könnte höhere Zolltarife wählen, nur dann wäre es der Böse. Menge an Importen aus den USA hat China zu wenig, daher kann es nur: Der Böse sein (was es nicht will), verlieren, sich einigen oder das Spielfeld wechseln.

Wir tippten auf ein neues Spielfeld, zumal China mittlerweile die Mehrheit der CEOs der USA hinter sich weiß in dieser Sache.

Die US-Housing Starts waren mit 1282K vs. 1229K Erwartung noch sehr gut, alles wie gehabt und dann:

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beginnt der Kurs der US-Treasuries stark zu sinken, bricht dann eine entscheidende Marke und steigert die Sinkgeschwindigkeit. Dazu legte China noch nach und ließ verkünden, dass es deutliche Importzollreduktionen für alle Handelspartner plane (wohl nicht gegen diejenigen, die gegen China Handelskrieg führen?). USA angeschmiert? ABWARTEN!

Aber vorerst wirkte die doppelte China - Aktion: Milliarden fließen aus Anleihen heraus, teilweise in Assets in USD, voran in das Meta Asset Palladium und in den Dow Jones, teilweise aus dem USD heraus;

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Palladium kam bis an den wichtigen Widerstand bei 1060 USD heran;

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Der Dow Jones schaffte endlich hinsichtlich All-Time-Highs seinen Rückstand zu Russell 2000, NASDAQ 100 und S&P 500 aufzuholen.

Der wichtigste US-Index S&P 500 überwand den Widerstand bei 2918 und scheiterte erst am (errechneten - da FIBO Extension) Widerstandsbereich bei 2942-2945.

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Nun könnte man meinen, dies sei bloßes “Risk On” gewesen und unsere Kreuzflußanalyse sei zwar richtig, nicht aber maßgebend, nur - bitte an die guten Immobilienzahlen hier oben erinnern -

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beantwortete der beste Wohnimmobilientrust der USA bei exzellenten Immobilienzahlen diese Zahlen mit einem sportlichen Rückgang von 18,40 auf im Tief 16,95 und daher ging hier offenbar niemand nach Präferenz vor, sondern alle nach Liquidität, die vorging.

Wohnimmobilien sind besser als Anleihen, aber eben keine echten Privatassets und sinken mit Anleihen, immer und überall im Impuls, nur im Ergebnis über Jahre wenn richtig gewichtet sind sie besser. Sie sind ein SCHULDENBESTIMMTER Sachwert, deswegen den Anleihen überlegen (die sind nicht einmal ein Sachwert, sondern Geld mit schlechterem Schuldner als Geld, wo ja die Zentralbank der Schuldner ist) und Assets sind eben nicht schuldenbestimmt bzw. viel weniger als Wohnimmobilien.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: der Makel von Gold ist “Geldigkeit” nicht SCHULDENBESTIMMTHEIT. Die schlechte Verwandschaft der Wohnimmobilien sind die Anleihen, die schlechte Verwandschaft von Gold ist die Nähe zu Geld-Zahlungsmitteln. Das ist aber nicht die gleiche schlechte Verwandschaft, nur eine ähnliche.

Die Spitze der besten Familienmitglieder war wegen Auspendelungen nicht konsistent diese Woche, Tech-Aktien scheinbar schwach aber Spitzenmaterialien wie Palladium stark.

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Man sieht deutlich einen “Nachzieheffekt” des langfristig chancenlosen Dow Jones gegen z.B. den NASDAQ und den steuersenkungssubventionierten, mittelstandslastigen Russell 2000.

Ewig wird der Nachzieheffekt wohl nicht dauern, wenn keine echte Wirtschafts- und Handelsbelebung eintritt, wozu es auch eine dauerhaft weniger deflationärere FED braucht, höheres Wachstum in China usw.

Kommende Woche ist FOMC- Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Zentralbank, wir werden sehen.

Da es evident und zahlenunterlegt ist, dass in der Türkei lizensierte Geschäftsbanken massiv zahlen mußten, auch mit Tier 1 Gold, können wir uns dazu “Drückungsgerüchte” sparen, zumal bei 1212 USD auch ein Widerstand war.

Was uns interessiert ist, dass Platin stärker war als Silber und Silber stärker als Gold. Insgesamt konnte unser Subportfolio “Edelmetall” aus Gold, Palladium, Silber und Platin richtig und gemanagt gewichtet über 3% gegen Gold gewinnen in dieser Woche, das ist, was zählt. Unser bestes Asset war aber der Ripple, der sich gleich verdoppelte.

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Auch andere Mitglieder unseres Sub-Subportfolios Alternative Crypto Coins Long Only zeigten sich nicht gerade schwach.

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Der EUR war fast so stark wie der S&P 500 und auch er überwand einen Widerstand und zwar den bei 1,1725

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Bloß sind die US-Zahlen gut, die Europäischen Wirtschaftszahlen kamen aber grottenschwach herein.

Ja, Goldman Sachs, Caterpillar, Boeing trieben den Nachholeffekt des Dow Jones gegen den NASDAQ an, bloß das muß mal halten, auf der Welt herrscht kein Mangel an reinen Investmentbanken und an Baggern schon gar nicht, aber, ausnahmsweise für die Leser weil von unserer Industrieanalyse Freitag Nacht: Intel soll kaum mehr mit der Lieferung an Chips nachkommen, es herrscht Mangel. Wer hätte denn Chips? AMD. Sind das Old Economy Werte? Beide NICHT. Die AMD könnte weiter explodieren.

6% weltweite Inflation in USD gemessen haben wir nicht und daher wird die Nachfrage nach Baumaschinen bis dahin halt nicht explodieren ... Aber die Woche sei der Dow Jones-DAX- ... old Economy gegönnt, immerhin sind das ja auch private Assets. Und wenn das echte Wachstum wieder käme, wir haben auch dazu ein Portfolio, müssen es nur aktivieren.

Unter den Depressiven aller Varianten daher diese Woche: 

Ein Sieg der Depressiven unter den Privatassets durch den Nachzieher von Baumaschinen gegen Chips

Eine herbe Niederlage der Depressiven bei Immobilien durch den Rückgang der Wohnimmobilien gegen die Gewerbeimmobilien mit hohen Mietrenditen

Eine sehr herbe Niederlage der Depressiven bei Edelmetallen durch das Versagen vom “geldigen” Gold gegen stärker wirtschaftsaffine Edelmetalle

Eine superherbe Niederlage der Depressiven bei den Cryptos durch das Wegfliegen des Ripple u.a. gegen das konservative Transportsystem Ethereum.

Um 0,15% stieg unser Portfilio gegen den EUR in der hochdeflationären Vorwoche, in dieser Woche waren es 1,27%, unsere Präferenz ist klar, je inflationärer, desto lieber aber die Vorwoche zeigt, dass man auch mit Deflationsauswirkungen umgehen können muß.

Und Baumaschinen und nun schon seit 1959 nicht wirklich besser oder anders als die Boeing 707 fliegende Flugzeuge oder DAX-Autos können wir auch. In Wahrheit sind die aber eher ein Wechselgegenstand, in den man aus genauso geistlosen Wohnungen hineinwechseln sollte, wenn die Zeit käme. Noch ist diese aber nicht da und der Chipmangel kommt schneller als der Baggermangel ... der Palladiummangel schneller als der Goldmangel ... usw. wenn sich nicht sehr viel ändert.

Variabilisieren ist das Stichwort bei Immobilienportfolios und das eher dringend, wie andernorts auch. Ausdünnen noch nicht unbedingt, denn der Bagger von Caterpillar ist noch nicht soooo knapp...

Fazit:

Die Woche brachte sehr intelligente Chinesische Schachzüge mit entsprechender Wirkung, fundamental aber nun mal 10% Zoll der USA gegen 200 Mrd. an Chinesischen Produkten. Insgesamt sahen wir starke Abnahme der Deflation an der Spitze am Donnerstag bis hin zur zweitniedrigsten Inflationsstufe. Dies kippte am Freitag zurück auf die niedrigste Deflationsstufe.

Eine gute Riposte macht aber nicht den Sieg beim Säbelgefecht. Die Alternativen zu den USA existieren nämlich, wenn in einem gewünscht, nicht, dies hinsichtlich:

Währung: USD ist weit höher verzinst als der EUR und der JPY, US-Wachstumsrate ist höher;

Spitzensektoren: Der Hochtechnologiesektor wächst und die USA sind sein Anführer, ziemlich meilenweit, vor Europa aber ganz meilenweit. Ein Retracement dieses Sektors ist zwar möglich, aber egal ob Deutsche Industrieaktien mit schwachen Zahlen oder US-Amerikanische Old Industry Reste, es fehlen bei weitem die hohen, weltweiten Wachstumsraten, damit die Old Industry der Tech Industry hinterherkäme - das war jetzt eine Woche, ob es überhaupt 2 werden?;

Konsistenz: Es gibt Tech-Konkurrenten zu den USA, die immer besser werden, zum Beispiel Südkorea. Kennen Sie KRW? Das ist deren Währung, der Won. Es wird das, was viele von Ihnen gar nicht kennen wohl auch weltweit nicht so prioritär sein, dass alle aus dem USD dort hinrennen. Sie rennen vielleicht unter vielen dazu erforderlichen Ereignissen in Südkoreanische Tech Aktien (welche wir auch monitoren), nicht aber auch deswegen in den KRW. Dollar Schwäche wird zu 57,6% am EUR gemessen. 

So, nun rennen wegen dem hypothetischen Fall einer US-Schwäche alle in Südkoreanische Tech-Aktien und kaufen gleichzeitig den EUR? Wohl nicht und den KRW werden sie kaum kaufen. Sie sehen also, dass ein Kapitalfluß Richtung USA konsistent wirkt wie ein Blitzkrieg (alle Faktoren gleichzeitig), das Gegenteil aber eine ziemlich zerfledderte, dadurch langsame und verworrene Geschichte würde.

Es fehlt also nicht nur ein tieferer USD zur wirklichen Rückkehr auf die Geldmengennullinie, es fehlt auch ein alternative Wirtschaftsraum mit konsistenter Story.

Die Rückkehr des Dieselmotors plus 2% weniger Zinsen als in den USA und LKW Hype ... die Deutschland Story also, ist nicht gerade das, was aktuell IN ist.

Samsung and others long und Reserven wechseln in den KRW ist mit einem Teil aktuell möglich und mit einem Teil unwahrscheinlich.

Der beste Immobiliensektor ist ebenfalls in den USA und anständig Miete zahlen dort noch üblich, weswegen die ärgste Bubble ganz sicher auch in diesem Sektor woanders ist, voran in Europa mit Preisen im Himmel und Miete nicht wahrnehmbar = Ertragswert minus Marktpreis tiefstrot.

“Meine Spitzenlage innerststädtisch ist nun 5 Millionen EUR wert” höre ich immer öfter. Meine Antwort, ob da auch 6% Mietrendite dazugehören, das sind 300.000.- Miete jährlich oder 25.000.- im Monat, da kommt dann keine Antwort. Real wohl 40.000 Miete bei 5.000.000.- “Wert” vorhanden. Da lass mal die EZB nicht auch nur um 0,25% die Zinsen erhöhen und bete!

Von den vielen, ziemlich antiamerikanischen Zuschriften, die wir erhalten hatte noch keine konsistent ein anderes Land identifiziert, in dem alles besser ist und das ist genau das Problem. Wohin den?

Im Gegenteil sind in der Regel die Gegner der USA nicht nur selber die ärgsten, wenn auch vollimpotenten Deflationisten, die aber leider dann Zinsen usw. “nicht erhöhen können” und intern so gebubbelt, dass man Marihujana Stocks verglichen damit noch bevorzugen würde. Es fehlt die Story.

Geben täte es sie: Viel viel höhere Wachstumsraten, viel mehr Geldmenge, viel höhere Investitionen … das sind die Zutaten, die z.B. die Stärken der BRD zur Geltung bringen würden, nur die Politik plus öffentliche Meinung erstarrt in Inflationsangst und sägt am eigenen Ast. Monat für Monat schwache Zahlen, es steht schon in Plakatgröße geschrieben.

Womit letztlich zur Dauerhaftigkeit eines Attraktivitätsgewinnes anderer Regionen gegen die USA erforderlich wäre, dass die EU und China täten, was die Italienische Regierung richtigerweise vorschlägt und das schauen wir uns lieber in Ruhe an, bevor wir das glauben. Gold könnte dann den S&P 500 bei 1600 USD wieder treffen, glauben viele, wir nicht.

Wir wären schon froh, wenn Gold Palladium bei 1440 träfe und das bei S&P 500 von 3100. Das geht auch und das wäre nur die FED denn weiter Anleihen versenken wird auch nicht ewig gehen.

Aber an den Diesel Hype und LKW long gegen Prozessoren short glauben wir erst bei 180% der Weltgeldmenge von heute und vorher nicht und die Prozessoren würden dabei nur weniger steigen, aber sicher nicht sinken.

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