Heraeus Edelmetall Bulletin: Die Ruhe vor dem Euro Sturm?

Tags: Ratio US-Dollar Euro Iridium Ruthenium Rhodium Palladium Platin Silber Gold Heraeus Edelmetall Bulletin

Die spekulativen Nettopositionen in Futures auf EUR/USD haben Ende Januar ein Allzeithoch von 193.000 Kontrakten erreicht. Diese Zahl liegt 50.000 Kontrakte (35%) über dem Allzeithoch von Mai 2007. Händler gehen davon aus, dass der US Dollar weiter an Wert verlieren wird. Da jedoch bereits derart hohe Summen in Euro zu Gunsten des Euro positioniert sind, stellt sich die Frage, wie viel zusätzliche Liquidität noch verfügbar ist, um den Euro weiter nach oben zu treiben. Solche massiv angehäuften Spekulationen (crowded trades) sind populär, wenn dann jedoch auf einmal viele Positionen zur gleichen Zeit liquidiert werden, kann dies zu einem gravierenden Wertverlust des Euros führen.

Seit Jahresanfang hat der Euro um fast 4% zugelegt - von 1,20 bis fast 1,25, während die spekulativen Long-Positionen um 42% anstiegen, von 135.000 auf 193.000 Kontrakte. In USD bewertet entspricht dies einem Anstieg von 52% (von 19.8 Mrd. USD auf 30 Mrd. USD) bzw. einer Zunahme von 47% in Euro (von 16,4 Mrd. Euro auf 24,1 Mrd. Euro)

Die unterschiedlichen Zinsraten waren bislang wenig hilfreich für die Vorhersage des EURUSD Kurses. Anstelle dessen hat bei ausbleibenden politischen Krisen das unerwartet starke Wachstum der europäischen Wirtschaft sowohl Geschäftsklima als auch Verbrauchervertrauen gestärkt und den Euro anziehen lassen.

Betrachtet man die Pt:Au Ratio, so entwickelte sich Platin in der Vergangenheit besser als Gold, wenn der Euro stärker wurde (Ratio stieg an). Ein stärkerer Euro ließ auf eine stärkere Wirtschaft in der Eurozone schließen und dies wiederum auf vermehrte Autokäufe. Aufgrund der Bevorzugung von Dieselfahrzeugen war von stärkerer Platinnachfrage auszugehen. Die Korrelation der Pt:Au Ratio und des EUR:USD Wechselkurses lag zwischen 2007 und 2018 bei 0.74.

Diese Beziehung ist jedoch seit 2015 nicht mehr existent, da der Diesel Marktanteil seitdem abnimmt und daher ein stärkerer Euro und eine stärkere Wirtschaft in der Eurozone nicht mehr in einem Anstieg der Platinnachfrage resultieren. Die Korrelation der Pt:Au Ratio und des EUR:USD Wechselkurses liegt seit 2015 bei 0,08. Normalerweise würde man bei einem schwächeren Euro erwarten, dass sich Platin schlechter als Gold entwickeln würde. Doch nun kann es sein, dass eine Schwächung des Euros den gleichen Effekt auf Platin und Gold haben könnte.

Gold

Mit einem Verlust von 3,9% für den Dow Jones am Montag, war es ein turbulenter Start in die Woche für die US Aktienmärkte. Diese Bewegung begann sich bereits am Freitag, 2. Februar, abzuzeichnen, nachdem die US Arbeitsmarktzahlen (ohne Landwirtschaft, „non-farm payrolls“) besser als erwartet aus elen und somit Bedenken hervorriefen, dass man das In ationsrisiko unterschätzt habe. Der Dow Jones  el daraufhin um 2,1%, doch Gold konnte von diesem scheinbaren Anstieg der In ationsängste nicht profitieren und sank am selben Tag um 0,6% im Zuge eines erstarkten US Dollars.

Nichtsdestotrotz schlug sich Gold mit einem Verlust von 9 $/ oz (-1,0%) letzte Woche besser als die Aktienmärkte: der Dow Jones fiel um 6,9%. Im Vergleich zu den Aktien zeigt sich Gold widerstandsfähiger (siehe Chart letzte Seite) und die fortwährende Volatilität auf den Aktienmärkten könnte Gold durch seine geringere Volatilität attraktiver machen. Bisher waren Goldinvestoren größtenteils unbesorgt. Während die Nachfrage nach Investmentbarren leicht anzog, verzeichneten die ETFs Abfüsse und  fielen um 0,4 Mio. oz auf 72 Mio. oz.

Die chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten beginnen (Jahr des Hundes) bereits ab Donnerstag dieser Woche und setzen sich bis in die Folgewoche fort. Dies ist eine wichtige Zeit für Schmuckverkäufe. Berichten zufolge ist die bisherige Nachfrage, basierend auf den an der SGE (Shanghai Gold Exchange) gehandelten Goldpreisen, die durchschnittlich bei einem Aufgeld von 13$/oz (zum Marktpreis) lagen, durchaus positiv. Der chinesische NBS Index zum Verbrauchervertrauen ist in 2017 erheblich gestiegen, nachdem das Wirtschaftswachstum weiterhin robust blieb. Sofern sich die Wirtschaft auch in 2018 gut entwickelt, dürften Verbraucher in Kauflaune bleiben.

 

Silber

Silber schnitt im Vergleich zu Gold (-1,0%) letzte Woche schlechter ab und fiel um 2,6%. Diese Entwicklung hat die Au:Ag Ratio zum ersten Mal seit April 2016 über einen Wert von 80 getrieben (siehe Chart letzte Seite). Zuletzt bewegte sich die Ratio in einer recht schmalen Bandbreite und verzeichnete seit Anfang 2015 einen Durchschnittswert von 73,2. Nur an 3,5% der Handelstage lag sie über 80. Es scheint, als sei die starke globale Wirtschaft nicht in der Lage die industrielle Nachfrage so anzutreiben, dass der Silberpreis davon profitiert.

 

Platin

Die Autoverkäufe im Januar verdeutlichen den voranschreitenden Rückgang von Dieselfahrzeugen in Europa. In Deutschland, dem größten Markt in Europa, fiel laut KBA der Dieselanteil seit Januar 2017 um 11,8% auf 33,3%. In Großbritannien, dem zweitgrößten Markt, wird ein ähnlicher Einbruch verzeichnet: die SMMT berichtet, dass Dieselzulassungen von einem 45,2%igen Anteil im Januar 2017 auf nunmehr 35,9% in diesem Jahr gesunken sind. Positive Zahlen kamen aus Italien, wo der Dieselanteil mit 55% unverändert blieb, was laut UNRAE auf die unterstützende Wirkung von Firmenfahrzeugen und Käufen für Mietwagen zurückzuführen ist. Es wird erwartet, dass die Platinnachfrage seitens der Automobilbranche in Europa dieses Jahr um ca. 5% sinken wird.

Simbabwes Minister für Minen, Winston Chitando, berichtete auf der Indaba Minenkonferenz in Kapstadt, dass Simbabwe in Erwägung ziehe, die Anforderungen an einen mindestens 51%igen Besitz durch farbige Simbabwer zurückzustellen. Voraussetzung hierfür ist, dass die entsprechenden Firmen einen glaubwürdigen Plan zur Erreichung dieses Ziels vorweisen können. Simbabwe hat Besitzvorgaben bei allen Mineralien außer Platin und Diamanten abgeschafft und Präsident Emmerson Mnangagwa sagte letzten Monat, dass auch diese Anforderungen in der Zukunft aufgehoben werden würden. Das Auflösen der regulatorischen Unsicherheit könnte dazu führen, dass verstärkt in PGM Minen (Platingruppenmetalle) in Simbabwe investiert würde.

Statistics South Afrika berichtet, dass die PGM Minenproduktion im Dezember im Vorjahresvergleich um 1,4% gesunken ist. Im vierten Quartal waren die Produktionsvolumen um 2,8% gesunken, verglichen mit dem vorigen Quartal.

 

Palladium

Nornickel und Russian Platinum sind eine 50:50 Partnerschaft eingegangen und haben in diesem Zuge beschlossen, 4,4 Mrd. USD zu investieren, um Minenprojekte im Norilsk Industrial District in Sibirien zu entwickeln. Zunächst wird eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, die Ende 2019 abgeschlossen sein soll. Auf Basis der Ergebnisse wird dann die Investitionsentscheidung getroffen. Die Baumaßnahmen könnten in 2020 starten und das Joint Venture plant bei voller Kapazität eine jährliche Produktionsmenge von 70-100 Tonnen (2,0 – 2,9 Mio. oz) Platin und Palladium zu fördern. Dies entspricht etwa 1/6 der jährlichen Minenproduktion.

Russian Platinum bringt in das Joint Venture zwei Vorkommen ein: Chernogorskoe, wo 22 Mio. oz PGM über Tage und 10 Mio. oz unter Tage zugänglich sein sollen, und die südliche Flanke von Norilsk-1 mit einem Vorkommen in Höhe von 124 Mio. oz PGMs. Nornickel bringt das Maslovskoe Vorkommen in das Projekt ein, sowie Zugang zu der Energie- und Transportinfrastruktur des Unternehmens. Alle Minen liegen räumlich nahe beieinander und die Polar Division von Nornickel bietet potentielle Synergien.

China verzeichnete mit 2,27 Mio. verkauften Fahrzeugen im Januar ein Plus von 7,1% (verglichen mit Januar 2017). Dies ist laut CPCA (China Passenger Car Association) ein bedeutender Anstieg im Vergleich zu den 0,3% im Dezember und einem Durchschnitt von 1,5% für 2017. In Europa wird der Schwund an Dieselfahrzeugen durch Benziner wettgemacht. So stieg der entsprechende Marktanteil in Deutschland und Großbritannien um 9,6% beziehungsweise 8,9% (Quelle: KBA & SMMT). Auch die PKW Verkaufszahlen in den USA haben sich verbessert, laut US BEA zwar nur um 1% im Vorjahresvergleich, aber eine Verschiebung der Präferenzen hat dazu geführt, dass für jeden Personenwagen 2,2 Pick-Ups und SUVs verkauft wurden. Im Vorjahr waren es noch 1,8. Dies wird den durchschnittlichen PGM Anteil erhöhen und ist ein Trend, der sich sowohl in China als auch den USA fortsetzen soll.

Palladium entwickelt sich letzte Woche weiterhin schwächer als Platin und handelt nun nur noch 3,00 $/oz über Platin (siehe Chart letzte Seite).

 

Rhodium, Ruthenium, Iridium

Die Leiheraten für Rhodium befinden sich trotz einer leichten Preiskorrektur nach unten im zweistelligen Bereich. Der Rhodium Markt scheint aktuell der knappste PGM Markt zu sein, denn die Leiheraten für Palladium sind im Verlauf der letzten Woche leicht gesunken, während die Platinraten auf einem niedrigen Niveau verblieben sind. Ruthenium und Iridium handelten vergangene Woche unverändert.

Wissenschaftler am Tokyo Institute of Technology haben einen Bericht veröffentlicht, in dem ein neuer Katalysator für die Ammoniak Produktion beschrieben wird. Dieser arbeitet mit Nanopartikeln von Ruthenium und hat gegenüber dem aktuellen Haber-Bosch Prozess den Vorteil, dass er dreimal so effizient ist und geringere Temperaturen benötigt als der eisenbasierte Katalysator, der im Moment verwendet wird. Da die Anforderungen an die Produktion im neuen Prozess geringer sind, besteht die Möglichkeit, Ammoniak dort zu produzieren, wo der Verbrauch stattfindet. Transporte aus weit entfernten großen Fabriken würden damit vermieden.

 

MARKTINDIKATOREN

Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH

Disclaimer: Diese Ausarbeitung dient ausschließlich der Information des jeweiligen Empfängers. Sie darf weder in Auszügen noch als Ganzes ohne schriftliche Genehmigung durch Heraeus vervielfältigt oder an andere Personen weitergegeben werden. 

Die in Edelmetalle Aktuell enthaltenen Informationen und Meinungen beruhen auf den Markteinschätzungen durch die Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH (Heraeus) zum Zeitpunkt der Zusammenstellung. Der Bericht ist nicht für Privatanleger gedacht, sondern richtet sich an Personen, die gewerbsmäßig mit Edelmetallen handeln. Die in diesem Bericht enthaltenen Informationen, Meinungen und Markteinschätzungen unterliegen dem Einfluss zahlreicher Faktoren sowie kontinuierlichen Veränderungen und stellen keinerlei Form der Beratung oder Empfehlung dar, eine eigene Meinungsbildung des Empfängers bleibt unverzichtbar. Preisprognosen und andere zukunftsgerichtete Aussagen sind mit Risiken und Unwägbarkeiten verbunden und die tatsächlichen Ergebnisse und Entwicklungen können erheblich von den geäußerten Erwartungen und Annahmen abweichen. Heraeus und/oder Kunden können Transaktionen im Hinblick auf die in dieser Ausarbeitung genannten Produkte vorgenommen haben, bevor diese Informationen veröffentlicht wurden. Infolge solcher Transaktionen kann Heraeus über Informationen verfügen, die nicht in dieser Ausarbeitung enthalten sind. Heraeus übernimmt keine Verpflichtung, diese Informationen zu aktualisieren. Die in dieser Ausarbeitung enthaltenen oder ihr zugrundeliegenden Informationen beruhen auf für zuverlässig und korrekt gehaltenen Quellen. Heraeus haftet jedoch nicht für die Richtigkeit, Genauigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für etwaige Folgen ihrer Verwendung. Ferner übernimmt Heraeus keine Gewähr dafür, dass die genannten Preise tatsächlich erzielt worden sind oder bei entsprechenden Marktverhältnissen aktuell oder in Zukunft erzielt werden können. Durch das Setzen eines Links zu fremden Internet-Seiten ("Hyperlinks") macht sich Heraeus weder diese Website noch deren Inhalt zu eigen, da Heraeus die Inhalte auf diesen Seiten nicht ständig kontrollieren kann. Ferner ist Heraeus nicht verantwortlich für die Verfügbarkeit dieser Internet-Seiten oder von deren Inhalten. Hyperlink-Verknüpfungen zu diesen Inhalten erfolgen auf eigenes Risiko des Nutzers. Heraeus haftet nicht für direkte oder indirekte Schäden, die dem Nutzer aus der Nutzung und der Existenz der Informationen auf diesen Webseiten entstehen. Heraeus haftet ferner nicht für die Virenfreiheit dieser vom Nutzer aufgerufenen Informationen.

Alle im Bericht genannten Preise sind Geldkurse im Interbankenmarkt, die Charts basieren auf Thomson Reuters.

Hinweis: Meinungen oder Empfehlungen geben die Einschätzung des jeweiligen Verfassers oder Interviewpartners wieder und stellen nicht notwendigerweise die Meinung der „Metallwoche“ oder deren Betreiber dar. Der vertretene Standpunkt spiegelt nicht die Meinung des Website-Betreibers und stellt keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Anlagemöglichkeiten dar. Beachten Sie bitte auch unseren Disclaimer!

Kommentare

Sie sind nicht eingeloggt! Sie können Kommentare nur sehen, wenn Sie eingeloggt sind und ein aktuelles Abonnement besitzen. Log-In