Jetzt fallen alle Masken...

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von Andreas Hoose

Die „Rettung“ Griechenlands, die europäische Krisenpolitik, der Börsencrash in China, das immer gravierendere Flüchtlingsproblem oder die Frage nach Krieg und Frieden in Europa führen zu überraschenden Erkenntnissen…

Nahezu stündlich kann man in diesen turbulenten Tagen von einem Aha-Erlebnis zum nächsten gelangen. Als Claus Kleber im heute-jourmal des ZDF kürzlich erklärte, dass die Europäische Zentralbank über die ELA-Notfallkredite den Bankrun der griechischen Bevölkerung finanziert, da war das so ein Moment.

Was der ZDF-Moderator da im Tonfall scheinbarer Normalität berichtete, das wäre noch vor wenigen Monaten völlig undenkbar gewesen: Bankrun in Griechenland, finanziert über Steuergelder der Europäer, die im Ernstfall für die Summen gerade stehen müssen, die da jetzt ins Feuer geworfen werden! Und das alles wird im Fersehen verkündet, als sei nichts dabei.

Man darf gespannt sein, wie Kanzlerin Angela Merkel der deutschen Bevölkerung erklären wird, dass ein Schuldenschnitt für Griechenland entgegen allen (!) früheren Beteuerungen nun doch „alternativlos“ ist.

Es ist geradezu atemberaubend, mit welcher Geschwindigkeit an vielen Stellen gerade Dinge in Gang kommen und wie lange vertuschte Zusammenhänge ans Licht und damit in das Bewusstsein der Bevölkerung drängen.

Ultimaten im Stundentakt…

Nehmen wir etwa die Krisenpolitik in der allgegenwärtigen Griechenland-Frage. Was dort gerade passiert, das dürfte auch dem glühendsten Europäer allmählich die Augen öffnen: In einer kaum zu überbietenden Tragödie zeigen die „Euroretter“ in Berlin und Brüssel ihr wahres Gesicht:

„Gemeinsame Entscheidungen“ werden spätestens drei Tag später vollständig in Frage gestellt, teilweise zurückgenommen, komplett widerrufen oder bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Hinzu kommen „Ultimaten“ und „letzte Angebote“ im Stundentakt.

Das Europaparlament zeigt sich als eine Art Schwatzbude, die mit dem angeblichen Ziel, EU und Euro vor dem Zusammenbruch zu bewahren, für jeden Beobachter erkennbar politische Flickschusterei betreibt, dabei aber kein einziges Problem löst, sondern alles immer weiter verschlimmert.

Das soll jenes Europa sein, das in der Welt künftig ein gewichtiges Wort mitreden möchte? Die Vorstellung ist geradezu grotesk.

Als wertvolles Erkenntnisinstrument, um den Niedergang der politischen Kultur in Europa nachzuvollziehen, kann der Liveticker zur Griechenland-Krise dienen, den die Kollegen bei Godmode-Trader in diesen turbulenten Tagen betreuen.

Das jämmerliche Durcheinander, das die „Euroretter“ in der Griechenland-Frage gerade abliefern, lässt sich hier hautnah miterleben. Und es ist durchaus erhellend zu sehen, wie sich die Flut der Ultimaten und „allerletzten Angebote“ im Zeitablauf entwickelt hat.

China wankt…

Während der real existierende Staatsbankrott Griechenlands die volle Aufmerksamkeit von Politik, Medien und Brüsseler Zentralplanern auf sich zieht, wird eine weitaus größere Gefahr nahezu komplett ausgeblendet: Der Aktienmarkt in China gerät immer deutlicher ins Wanken. Von seinem jüngst markierten Allzeithoch bei 5.178 Zählern ist der Shanghai Composite Index innerhalb von nur zwei Wochen um rund 30 Prozent abgestürzt. Dass hier gerade eine Blase platzt, das macht die folgende Abbildung deutlich:

SSEC Blase geplatzt

Weil der jüngste Kreditboom Chinas zuletzt sogar den „historischen Rekord“ überboten hatte, den sich die Japaner Ende der 1980er Jahre geleistet hatten, sieht es ganz danach aus, als sei für China jetzt der Zahltag gekommen.

Daran werden auch die verzweifelten Versuche der chinesischen Zentralplaner nichts ändern, die in dieser Woche alle Register gezogen haben, um den Kursverfall mit allerlei manipulativen Eingriffen wie Handelsverboten oder Kursaussetzungen zu stoppen. Denn wie heißt es so treffend in Börsianerkreisen: „Ein Rothschild kann zwar eine Hausse machen, eine Baisse aber niemals verhindern“.

Man ist daher gut beraten, sich beizeiten darauf vorbreiten, dass das chinesische Börsengewitter im Rest der Welt nicht folgenlos bleiben wird. Zwar führt der chinesische Aktienmarkt weitgehend ein Eigenleben weil die Positionen dort überwiegend von Chinesen gehalten werden.

Andererseits wird es den Konsum in China nicht gerade befeuern, wenn sich ein Großteil der Milchmädchenhausse jetzt vor aller Augen in Wohlgefallen auflöst. Glaubt man diversen Medienberichten, dann hat das Aktienfieber im Reich der Mitte zuletzt weiten Bevölkerungsschichten gehörig den Verstand vernebelt.

KFZ-Mechaniker, Friseure, Taxifahrer und kleinere Angestellte spekulieren derzeit offenbar mit mehreren Jahresgehältern an der Börse. Historisch betrachtet geht so etwas immer daneben. Daher dürfte auch in China jetzt das anstehen, was in solchen Fällen regelmäßig passiert: Nach der Euphorie kommt der Kater…

Flüchtlingsdrama: Wohin mit all den Menschen?

Nur scheinbar harmlose Themen, die einem jetzt ebenfalls die Augen öffnen können, finden sich gleich im Dutzend. Ein Beispiel ist das völlig aus dem Ruder laufende Flüchtlingsproblem. Was sich da gerade in bundesdeutschen Kleinstädten abspielt, etwa im Baden-Württembergischen Meßstetten auf der Schwäbischen Alb, das spottet jeder Beschreibung:

Die 5.000-Einwohner-Gemeinde beherbergt mittlerweile fast 1.500 Flüchtlinge. Das wird jetzt sogar den Mainstream-Medien zu bunt, die das Thema kürzlich kritisch aufgegriffen haben. Meist wird dabei jedoch versäumt, auf die wahren Hintergründe der Flüchtlingswelle hinzuweisen: Die Menschen in Syrien, Irak und Libyen flüchten vor den Kriegen, die ihnen USA und Nato eingebrockt haben.

Der Aspekt führt uns zu einem Thema von immenser Tragweite, das derzeit lediglich wegen des Griechenland-Dramas aus dem Fokus der Öffentlichkeit gerutscht ist:

Laut einem aktuellen Strategiebericht des Pentagon, hat das US-Militär Russland und China als Bedrohung für die nationalen Sicherheitsinteressen ausgemacht. Der Generalstabchef aller US-Streitkräfte, Martin Dempsey, sprach von einer “geringen, aber wachsenden” Wahrscheinlichkeit, dass die USA einen Krieg mit diesen Großmächten führen müsse!

Nein, das ist kein Schreibfehler. Das Pentagon spricht ausdrücklich von Krieg gegen Russland und davon, dass der militärische Vorteil der Vereinigten Staaten „erodiert“ sei. Als Hauptgrund für die angebliche „Bedrohung“ werden die „Annexion“ der Krim durch Russland sowie die Territorialstreitigkeiten Chinas mit Nachbarländern aufgeführt. Iran und Nordkorea werden wegen deren Atomprogramme ebenfalls als „Bedrohung“ angesehen.

Die Hintergründe für derlei Planspiele sind schnell erklärt: Die USA sind fast so pleite wie Griechenland. Gleichzeitig verfügt das Land mit rund 610 Milliarden US-Dollar über das weltweit mit Abstand größte Militärbudget. China (216 Milliarden) und Russland (85 Milliarden) folgen weit dahinter.

Nachdem rekordtiefe Zinsen und andere “Kunstgriffe” die US-Wirtschaft nun schon seit Jahren nicht mehr nachhaltig beleben können, ist die Versuchung naheliegend, es zur Abwechslung wieder einmal mit einem großen Krieg zu versuchen. Rüstungsausgaben könnten die US-Konjunktur tatsächlich massiv befeuern, gar keine Frage. Und sie hätten aus Sicht der US-Regierung den “angenehmen Nebeneffekt”, dass sich damit womöglich der drohende Verlust der weltweiten Vormachtstellung der Vereinigten Staaten abwenden ließe.

Es ist Zeit für die geschlossene Forderung der Europäer, die Amerikaner mögen ihren Krieg gefälligst auf eigenem Territorium veranstalten, anstatt uns damit zu behelligen. Wo sind die europäischen Politiker mit Rückgrat, die sich den USA in den Weg stellen, anstatt sich der US-Administration in vorauseilendem Gehorsam anzubiedern!?

Um einmal die Maßstäbe etwas zurechtzurücken, und um deutlich zu machen, wer auf unserem Planeten wen bedroht, genügt ein Blick auf die folgende Karte. Man muss die Grafik nicht groß kommentieren, denn Bilder sagen mehr als viele Worte.

Im Zusammenhang mit der jüngsten Stilblüte aus dem Pentagon ist der kürzlich erschienene Buchtitel „Amerikas Krieg gegen die Welt“ von Interesse. Dr. Paul Craig Roberts, Staatssekretär für Wirtschaftspolitik im US-Finanzministerium unter US-Präsident Ronald Reagan, kommt darin zu Schlussfolgerungen, die manchem ebenfalls die Augen öffnen werden. Nach Ansicht des früheren stellvertretenden US-Finanzministers bewegt sich die Welt mit atemberaubender Geschwindigkeit auf einen atomaren Schlagabtausch zwischen den USA und Russland zu.

Passend zur jüngsten Pentagon-Offensive sieht Roberts die Verantwortlichen für die brisanten Entwicklungen nicht etwa in Russland sondern in Washington. Mit seiner Ansicht schwimmt Roberts gegen den medialen Mainstream und attestiert Wladimir Putin vollkommen konträr zu Spiegel, BILD, ARD und ZDF ein „hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und diplomatischer Zurückhaltung“.

Die Beispiele zeigen uns in seltener Klarheit, wie nun überall die Masken herunterfallen. Die Schauspieler, Blender, Kriegstreiber, Lügner, Demagogen und Volksverhetzer werden entlarvt.

Es ist ein Prozess von seltener Dramatik, der in die Geschichtsbücher eingehen wird. Manchem von uns wird da beinahe täglich die Kinnlade herunterfallen, weil „so etwas“ bislang völlig unvorstellbar war. In Wahrheit gehört das in unsere Zeit. Es ist eine Zeit des Umbruchs und des Aufbruchs und wir rechnen in den kommenden Jahren mit dramatischen Umwälzungen, die unsere Welt völlig auf den Kopf stellen werden.

Was die Kriegspläne Washingtons angeht, kann dieser Prozess der breiten Erkenntnisgewinnung für uns alle nur von Vorteil sein. Denn wenn die Kriegstreiber öffentlich bloßgestellt werden, wie das Dr. Paul Craig Roberts dankenswerterweise in seinem jüngsten Werk tut, dann dürfte es unmöglich werden, derartige Kriegspläne Realität werden zu lassen.

Ist also eigentlich alles bestens? Nicht ganz, denn ein Bereich bleibt weiterhin hartnäckig von Geheimnissen umwittert: Unser Geldsystem.

Sie können das selbst einmal beobachten: In den vergangenen Monaten gab es hier zu Lande wohl keinen einzigen bedeutenden Fernsehbeitrag, der die Systemfrage aufgeworfen und das bestehende Finanzsystem mit all seinen Problemen ernsthaft zur Diskussion gestellt hätte.

Nehmen wir etwa die sattsam bekannten TV-Diskussionsrunden: Bei Maybrit Illner, Günther Jauch, Anne Will und all den anderen Talkrunden werden zu diesem Thema im Wochenrhythmus ausschließlich (!) nichtssagende Allgemeinplätze verbreitet, die lediglich dazu geeignet sind, das Drama in die Länge zu ziehen. Von brauchbaren Lösungsvorschlägen, die des Pudels Kern treffen, ist nicht die Spur zu erkennen.

Noch scheinen die politischen und wirtschaftlichen Sachzwänge zu stark, um auch bei diesem Thema jene Bewegungen in Gang zu setzen, die sich andernorts immer deutlicher zeigen.

Doch je stärker sich die Dinge zuspitzen, und das werden sie, desto größer wird der Druck werden, die alles entscheidende Systemfrage gegen alle Widerstände endlich öffentlich zu machen. Alles nur eine Frage der Zeit…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

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