JP Morgan Chase erstmals mit mehr als 100 Millionen Unzen Silber im Comex-Lagerhaus

Tags: Silber Comex JP Morgan 100 Millionen Unzen Silber Lagerhaus Terminmarkt iShares Silver Trust SLV

von Michael "dem Düsseldorfer"

Wir wissen nicht ob die Reifen der Gabelstapler im Comex-Silber-Lagerhaus qualmten oder nur Lagerscheine durch die CME Group verbucht wurden. Mit gestrigem Berichtstag der CME durchbricht JP Morgan Chase erstmals die Schallmauer von 100 Millionen Unzen. Angesichts der Tatsache, dass in den 8 Silber-Lagerhäusern der Comex insgesamt 191,5 Millionen Unzen Silber lagern, kann man wohl eine Dominanz von JP Morgan nicht leugnen...

JP Morgan Chase eröffnete das Comex-Silber-Lagerhaus erst Ende April/Anfang Mai 2011. Die "Älteren" werden sich daran erinnern, dass der USD Silberpreis zu diesem Zeitpunkt die Marke von $50,00 bis auf wenige Cents erreichte. Von da an ging es mit dem Silberpreis wieder bergab, für das Lagerhaus von JP Morgan Chase aber bergauf. In fast exakt 6 Jahren ging es von "Null" auf 100 Millionen, wobei sich die "Sammel"Aktivitäten seit etwa einem Jahr beschleunigt haben.

(Quelle: CME Group)

JP Morgan Chase unterhält allerdings nicht nur ein Comex-Silber-Lagerhaus. Die Investmentbank fungiert zudem als Depotbank für den größten Silber-ETF, iShares Silver Trust (SLV) und unterhält im Namen des Treuhänders, der Bank of New York Mellon, weitere Lagerstätten in denen sie per 13.04.2017 über 328 Millionen Unzen Silber verwahrt.

(Quelle: JP Morgan Chase)

Wie aus der o.g. Grafik deutlich wird, befinden sich 3 Lagerstätten in London und eine weitere in New York.

Anhand des einmal im Monat von der CFTC veröffentlichten Bank Partizipation Reports ist ersichtlich wieviele Banken (US und Non-US) u.a. am Silbermarkt der Comex aktiv sind und wie ihre Positionierung ist. Die Banken werden nur als Zahl angezeigt, wenn es mehr als 3 sind (sonst bleibt die Angabe offen) sie werden aber nicht namentlich bekannt gemacht!

 

(Quelle: BPR)

In der Vergangenheit bis ca. ins Jahr 2015 kam es häufiger vor, dass auf U.S. - Bankseite  maximal 3 Banken an der Comex im Silber aktiv waren. Welche Banken im Andienungsprozess aus den Silber-Terminkontrakten an der Comex aktiv sind, wird z.B. in den YEAR TO DATE DELIVERY NOTICES der CME Group protokolliert. Einer der "Hauptspieler" ist auch hier JP Morgan Chase, sowohl im Kundenauftrag, als auch im Eigenhandel der Bank. Ein weiterer "Hauptspieler" der letzten Jahre ist die Bank of Nova Scotia (Scotia Mocatta), aber...das ist keine U.S.-, sondern eine kanadische Bank.

In einem Artikel der "Welt" vom 04.04.2017 hieß es mit dem Untertitel:

Probleme in Notenbanken-Bilanzen geschoben

…Bereits im Juni 2007 waren zwei Bear-Stearns-Hedgefonds gestrauchelt, doch deren Minus konnte die traditionsreiche Bank gerade noch so wegstecken. Ein Dreivierteljahr später war die dünne Kapitaldecke aufgebraucht. Auf Drängen des US-Finanzministeriums und der Notenbank Federal Reserve (Fed) wurde eine schnelle Auffanglösung gebastelt.

Bear Stearns kam bei der US-Großbank J.P. Morgan unter, einen Teil der Risiken übernahm die Fed.* Im weiteren Verlauf der Krise würden noch viele andere Zentralbanken Risiken auf ihre Bücher nehmen, um das Finanzsystem vor dem Kollaps zu bewahren.

 

*Ein Teil der Risiken bei Bear Stearns war eine große (ungedeckte?) Silber Shortposition, die auch Bear Stearns wohl bereits von anderer Stelle (Bank) "geerbt" hatte. Der  USD-Silberpreis erreichte mit dem Tag der öffentlichen Ankündigung der Bears Stearns Pleite (und Übernahme durch JPM) im März 2008 ein Hoch bei etwas über $21. Danach fiel es bis Oktober 2008 auf knapp unter $8.50 bevor es dann über die nächsten zweieinhalb Jahre bis auf fast $50 im Frühjahr 2011 nach oben schoss.

JP Morgan Chase eröffnete das Comex-Lager aber erst zeitgleich (und ungewöhnlich schnell bewilligt!) mit dem Silberhoch im Jahr 2011. Es wäre also möglich, dass sie die Aufwärtsfahrt des Silberpreises ab Ende 2008 „short“ und "ungedeckt" mitgefahren sind. Finanziell dürfte es dann kein Problem dargestellt haben, wenn die Fed die Risiken dafür übernahm…

Wir wollen nicht spekulieren, warum JP Morgan heute über 100 Millionen Unzen Silber im Comex-Silber-Lagerhaus aufweist. 100 Millionen Unzen entsprechen bei $18,50 /Unze = 1,85 Milliarden US-Dollar. Jede große Notenbank, ob Fed, BoJ, PBoC, BoE, SNB oder EZB werden angesichts ihrer jeweilig getätigten, milliardenschweren Anleihekäufe über eine solch "mickrige" Summe nur müde lächeln. Allein die EZB war bis vor kurzem monatlich (!) mit 80 Milliarden Euro und jetzt immerhin noch mit 60 Milliarden Euro "unterwegs".

Fakt aber ist: JP Morgan Chase benötigte für die 100 Millionen Unzen fast exakt 6 Jahre. 

Sollte es aus welchen Gründen auch immer am Silbermarkt zu einer "Short-Squezze" kommen, dürfte JP Morgan heute vor keinen unlösbaren Problemen mehr stehen - andere Großbanken möglicherweise aber schon. Während sich viele Anleger durch die Silberpreisentwicklung der vergangenen Jahre enttäuscht zurückzogen, sammelte JP Morgan Chase Silber in die nachgebenden Preise ein.

Strategisch, cleverer Umgang mit einem strategisch, wichtigem (Edel)Metall...?

Kommentare

Sie sind nicht eingeloggt! Sie können Kommentare nur sehen, wenn Sie eingeloggt sind und ein aktuelles Abonnement besitzen. Log-In