Löcher in der Matrix - Dunkle Mächte

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Von Ralph Malisch

Seit einigen Wochen hat die Dauerkampagne unserer Leitmedien gegen Russland und dessen Präsidenten Putin wieder spürbar an Fahrt aufgenommen. Während der Boulevard in hochemotionalen Bilderstrecken fast täglich syrische Kinder als Kriegsopfer präsentiert und anklagend alleine nach Damaskus und Moskau zeigt, bekommt die Putin-Jagd mit dem Fall Sergej Skripal zusätzlichen Rückenwind. Die Fakten: Der frühere, inzwischen 66jährige Doppelagent Skripal wurde zusammen mit seiner Tochter in Salisbury mit dem Nervengift „Nowitschok“ vergiftet. London machte unmittelbar Moskau verantwortlich und wies russische Diplomaten aus. Nun solidarisierten sich Washington, Berlin und Paris mit den Briten. Gemeinsam verurteilten sie Moskau aufs Schärfste. Der russische Außenminister Lawrow hatte den Briten zwar unmittelbar Unterstützung bei der Aufklärung angeboten, was von London aber abgelehnt wurde. Außer den Tätern selbst dürften die Briten bislang das meiste Wissen über den Kriminalfall haben. Allerdings mauern sie bei der Herausgabe von Informationen und lassen sich auch bei der Beweisführung nicht in die Karten schauen. Wenn die deutsche Regierung nun Aufklärung von den Russen fordert, dann ist dies nicht Interesse am Tathergang, sondern ein diplomatisch verklausulierter Schuldspruch. Die ganze Abfolge stellt rechtstaatliche Prinzipien natürlich auf den Kopf. Aber internationale Beziehungen scheinen sich ohnehin nicht primär nach dem Recht, sondern nach der Macht und der Nützlichkeit auszurichten.

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

Zudem kann man getrost davon ausgehen, dass aus der Welt der Geheimdienste nur jene Informationen an die Öffentlichkeit dringen, von denen die eine oder die andere Seite will, dass sie die öffentliche Meinung beeinflussen. Bekannt und unwidersprochen ist bislang lediglich, dass „Nowitschok“ ein Nervengift aus sowjetischer Produktion ist. Da derartige Produkte nicht bei Amazon verkauft werden, führt die Spur tatsächlich nach Moskau. Logisch ist es aber dennoch keineswegs zwingend, dass Putin deshalb auch der Auftraggeber des Anschlags gewesen sein muss. Umgekehrt schließt ihn die unnötig offensichtliche Spur nach Moskau als Auftraggeber aber auch nicht aus. Für eine Liquidierung hätte ein schlichter „Autounfall“ genügt, für eine Botschaft an die Welt aber nicht. Und selbst wenn es um eine Botschaft ging, ist nicht klar, von wem sie kam und worin sie eigentlich bestand. Wer solchen Gedankenspielen etwas abgewinnen kann, findet einige interessante Fragestellungen im STERN-Interview mit dem Geheimdienstexperten Prof. Dr. Wolfgang Krieger. So eindeutig, wie man uns glauben machen will, dürfte der Fall Skripal nicht liegen. Zumindest sind weit mehr Optionen denkbar, als es uns der stets gegen Moskau hyperventilierende Teil der Leitmedien vorgaukelt.

Die wichtigste Frage eines jeden Kriminalfalls ist ohnehin die nach dem Motiv, und da wird es bei Putin einigermaßen dünn. Dass er sich unmittelbar vor der Präsidentschaftswahl als jene Sorte von starkem Mann inszenieren will, der an jedem Ort der Welt Leute umbringen lassen kann, mag noch manchen überzeugen. Aber, dass er sich ausgerechnet wenige Monate vor der Fußball-WM im eigenen Land ohne Not zum internationalen Buhmann macht, will einfach nicht zu seinem sonstigen strategischen und taktischen Geschick passen. Ein solches, höchst kostspieliges Event wird ausgerichtet, um sich auf großer Bühne als Gastgeber im besten Licht zu präsentieren. Davon, dass genau dies einigen Kräften ein Dorn im Auge zu sein scheint, kann man sich fast täglich in den hiesigen Medien überzeugen. Manches erinnert gar an die Olympischen Spiele 2014 im russischen Sotschi: Schon damals hatte Putin ausgesprochenes „Pech“, als just während der Spiele der Putsch gegen die verbündete Regierung in der Ukraine eingeleitet wurde.

© Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

Photo by Markus Spiske

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