Löcher in der Matrix - Kein Jet ist illegal

Tags: Kein Jet ist illegal Ralph Malisch Smart Investor Löcher in der Matrix

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

Seit jenem denkwürdigen Herbst 2015 versucht uns die Politik davon zu überzeugen, dass offene Grenzen eigentlich das Normalste auf der Welt seien. Allenfalls in Wahlkampfzeiten mag sich die eine oder andere Partei noch zu einem Akt der symbolischen Grenzsicherung aufraffen... Schließlich kennt man die Befindlichkeiten jener Wählerschichten, die mental noch immer in der grauen Vorzeit der Schlagbäume und Grenzhäuschen stecken gelieben sind. Heute wissen wir es natürlich besser bzw. könnten es besser wissen. Denn die Bundeskanzlerin hat – quasi amtlich – bereits im Jahr 2015 festgestellt, dass sich die deutsche Grenze gar nicht sichern lasse. Aus dem Munde einer Politikerin mit DDR-Erfahrung tönt das ein wenig merkwürdig. Nun gut. Zudem habe die Kanzlerin die Grenze seinerzeit auch gar nicht öffnen können, weil es innerhalb des sogenannten Schengen-Raums ja gar keine Grenzen gab, belehrt uns ein wenig spitzfindig der „Faktenfinder“ der GEZ, pardon ARD.

„Kein Mensch ist illegal“, gehört ebenfalls zum Kanon jener Botschaften, mit denen die Bürger seit Jahren unablässig bearbeitet werden. Dass ein Mensch in seinem Menschsein nicht illegal sein kann, ist eine Binsenweisheit. Das aber ist auch gar nicht gemeint. Gemeint ist vielmehr, dass jeder Mensch da sein kann, wo er sein mag – ganz ohne dass die, die da vielleicht schon länger sind, ein Wörtchen mitzureden hätten. Und wie wir uns gerade an dieses „Neue Deutschland“ gewöhnen, gibt es doch tatsächlich wieder jemanden, der uns in die Suppe spucken will. Diesmal ist es der Tagesspiegel, der einen vermeintlichen Skandal aufgedeckt haben will: Da gibt es eine Gruppe von Menschen, die – hört, hört – „in der Regel unkontrolliert einreisen“ können. „Zugleich werden auch … ihre persönlichen Daten nicht in den Datenbanken gespeichert, mit denen die EU-Staaten die Reisen aller übrigen Bürger überwachen.“ Also ehrlich, das soll im Jahr 2018 eine Meldung wert sein?! Naja, tatsächlich könnte man sich über die im Nebensatz erwähnte Überwachung praktisch aller Bürger echauffieren, doch darum geht es den Autoren nicht. Thema ist, dass die Überwachung bei einigen Reisenden unterbleibt – wir wiederholen uns, im Jahr 2018!

„Dieser laxe Umgang … sei „grob fahrlässig“ und berge „ein Sicherheitsrisiko““, wird ein Fachmann der für die Grenzsicherung zuständigen Bundespolizei zitiert. Ja, es gibt sie noch, die Fachleute für Grenzsicherung. Die Praxis sei „anfällig für kriminellen Missbrauch, gar „die Achillesferse der inneren Sicherheit“. Keine Sorge, der Tagesspiegel ist nicht die neue Haus- und Hofpostille der AfD und die plötzliche Sorge um die Sicherheit ist eine veritable Lachnummer. Es geht nämlich gar nicht um die Hunderttausenden, die seit 2015 schlecht bis gar nicht kontrolliert ins Land strömten und die bis heute in sechsstelliger Zahl untergetaucht bzw. unauffindbar sind, nein, es geht um Gutbetuchte, um ein „Privileg für die Reichen“, die mit Privatjets durch die Welt gondeln. Seit 2015 ist es ja eben gerade kein Privileg der Reichen mehr, unkontrolliert ins Land zu gelangen. Da aber Reiche in erster Linie reich und nur in zweiter Linie Menschen sind, ist die sonst stets geforderte Sensibilität im Umgang mit fremden Kulturen hier nur von geringem Interesse. Stattdessen gibt es pauschale Vorurteile, „Wealth Shaming“ und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegen Privatpiloten aller Art: Jets voller Drogen und Geldkoffer. Kennt man einen, kennt man alle.

Und dann gibt es da noch ein ebenso irritierendes wie erhellendes Detail zu diesem „Sicherheitsrisiko“: „Leute mit Privatjets haben in der Regel gute Verbindungen zur Regierung.“ Genaugenommen ist das keine Aussage über „Leute mit Privatjets“, sondern eine Aussage über jene Regierungen, die diesen Ausnahmetatbestand – auch hier – bewusst geschaffen haben und bewusst aufrechterhalten, während der Normalbürger der Totalüberwachung anheim gegeben wird.

© Raöph Malisch – Homepage vom Smart Investor

Photo by Markus Spiske

 

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