Mack & Weise: Die US-Unternehmensverschuldung - eine tickende Zeitbombe!

Tags: Marktkommentar 05.Januar 2019 Mack & Weise:

Während man in Brüssel das 20-jährige Bestehen des Euro-Projekts feierte, zeigt der 75%ige Kaufkraftverlust des Euro gegenüber Gold in dieser Zeit, wie es um die Stabilität der „Stabilitätswährung“ tatsächlich bestellt war. Angesichts der gewaltigen Risiken im Finanzsystem und der fortlaufenden Dauerrettung des Euro-Projekts kann man die Prognose wagen, dass...eine Abwertung des Euro gegenüber Gold von abermals 75% in der Zukunft noch deutlich schneller erfolgen wird.

Finanzmärkte: In der Gesamtbetrachtung schrieb das Börsenjahr 2018 negative Finanzmarktgeschichte, haben doch in USD gerechnet noch nie so viele Asset-Klassen gleichzeitig Verluste verbuchen müssen! Besonders die Aktienmärkte mussten teilweise deutliche Einbußen hinnehmen, darunter auch der Leitindex Dax des Exportweltmeisters Deutschland, der einem Kursrückgang von mehr als 18% zu verzeichnen hatte. Selbst dem durch Rekord-Aktienrückkäufe künstlich gepushten S&P500-Index drohten nach einem heftigen Ausverkauf im Dezember ähnlich hohe Kursverluste, welche sich aber „dank“ einer nach den Festtagen einsetzenden wundersamen Kaufpanik jedoch auf ein Jahresminus von nur noch 6,2% reduzierten.

Notenbanken:
Während bedeutende Notenbanken wie die EZB, SNB und BoJ ihrer Notstandpolitik auch im Jahr 2018 weiter treu blieben, setzte die US-Notenbank Fed ihre langsamste „Zinswende“ aller Zeiten – inklusive Schrumpfung ihrer Bilanzsumme – weiter fort. Obwohl der US-Präsident Trump die Fed verbal scharf attackierte und nicht nur der US-Immobilienmarkt erste deutliche Krisensignale aussendete, kündigte Fed-Chef Powell im Dezember an, sowohl die Fed-Bilanz 2019 um weitere 600 Mrd. USD schrumpfen zu lassen als auch den Leitzins in zwei weiteren Schritten anheben zu wollen. Dieses sorgte plötzlich für eine erhebliche Verunsicherung unter den Investoren, die sich nun entsetzt fragen, ob ihnen Powell ihre Vollkasko-Versicherung, den „Fed-Put“, entzogen hat.

In der Folge gerieten insbesondere die zuvor ohne Blick auf die Ausfallrisiken um jeden Preis gekauften (Junk-)Anleihen von „Corporate America“ unter Verkaufsdruck, ein Marktsegment, welches sich nach einer beispiellosen Schuldenorgie nun als tickende Zeitbombe präsentiert. Hier könnte eine neuerliche Finanzkrise durchaus ihren Ursprung nehmen, dürften doch viele US-Unternehmen bei der anstehenden Refinanzierung ihrer Schuldenberge angesichts der deutlich gestiegenen Zinskosten in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Alarmierend ist aber auch die seit der Finanzkrise stetig sinkende Kreditqualität, wie ein Blick auf das boomende Pre-Junk-BBB-Segment verrät.

In diesem Zusammenhang muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass zur Bekämpfung der Finanzkrise seit 2008 die Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Haushalten weltweit um sagenhafte 76.000 Mrd. USD aufgebläht wurde, nur um damit die schwächste jemals gesehene Wirtschaftserholung nach einer Rezession zu erkaufen und die auf Überschuldung gebaute Wohlstandsillusion zu erhalten. Keine Illusion ist hingegen der Fakt, dass die Welt angesichts ihrer Rekordverschuldung in Höhe von nunmehr 247.000 Mrd. USD anfälliger denn je gegenüber wirtschaftlichen Schocks oder sich nur leicht verschärfender Finanzierungsbedingungen ist. 

Ob die im Dezember gesehenen Turbulenzen nun schon Vorboten einer aufziehenden neuen Finanzkrise waren, kann niemand sicher sagen, aber auch die abstürzenden Kurse der Bankaktien weltweit könnten ein Warnzeichen für drohende ernsthafte Verwerfungen an den Finanzmärkten sein. Während sich die Fed nur marginale Spielräume geschaffen hat, um auf die sich abzeichnende globale Rezession oder eben eine Finanzkrise reagieren zu können, haben EZB, SNB oder BoJ in den letzten zehn Jahren alles unterlassen, um in der nächsten Rezession/Krise nicht als … „nackte Kaiser“ dazustehen.

Fondsmanager-Kommentar: Der US-Dollar-notierte Goldpreis konnte sich während der Marktturbulenzen im 4. Quartal deutlich von seinen Jahrestiefständen erholen. Am Ende stand ein leichtes Minus von 1,1%, wohingegen Silber im Jahr 2018 allerdings um 8,7% und die Goldminenaktien sogar um 16% nachgaben.

Während man in Brüssel das 20-jährige Bestehen des Euro-Projekts feierte, zeigt der 75%ige Kaufkraftverlust des Euro gegenüber Gold in dieser Zeit, wie es um die Stabilität der „Stabilitätswährung“ tatsächlich bestellt war. Angesichts der gewaltigen Risiken im Finanzsystem und der fortlaufenden Dauerrettung des Euro-Projekts kann man die Prognose wagen, dass eine Abwertung des Euro gegenüber Gold von abermals 75% in der Zukunft noch deutlich schneller erfolgen wird.

Hamburg, 05. Januar 2019

© Mack & Weise – Homepage 

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