Markus Blaschzok: Doch keine Zinswende - der Euro crasht!

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Gestern ließ Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, auf der Pressekonferenz zur EZB-Sitzung endlich die Bombe platzen. Entgegen dem Marktkonsens fast aller Spekulanten, die ein Ende des Anleihekaufprogramms der EZB zum Jahresende und irrsinnigerweise sogar Zinsanhebungen erwarteten und deshalb auf einen weiter steigenden Euro wetteten, kündigte Mario Draghi an, dass die Druckerpressen auch im Jahr 2018 weiterlaufen und die Zinsen unverändert niedrig bleiben werden...

Der Euro crashte sofort zum US-Dollar und verlor bis zum Handelsschluss fast 2 US-Cent, wobei wichtige charttechnische Unterstützungen gebrochen wurden. Die Bären verprügelten die Bullen und der nun mögliche Fall des Euros könnte sehr tief werden.

Der Euro brach nach der Ankündigung einer weiterhin lockeren Geldpolitik in Europa ein



Entgegen dem Marktkonsens hatten wir genau diese Entwicklung seit Monaten erwartet und bekamen so bei 1,20$ bereits ein erstes Verkaufssignal, worauf wir Absicherungen für unser Depot sowie spekulative Shortpositionen auf den Euro aufbauten. Ganz unserer Erwartung entsprechend wird die EZB diametral gegensätzlich zur US-Notenbank FED die Zinsen bis Ende 2018 bei 0,0% belassen und die Anleihekäufe bis September 2018 unter verringertem Volumen von nur noch 30 Mrd. Euro monatlich ab Januar fortsetzen. 

Mario Draghi wies sogar darauf hin, dass die Anleihekäufe auch über das Jahr 2018 hinaus fortgesetzt werden könnten. Sollte das Ankaufprogramm irgendwann tatsächlich enden, so will man fällige Anleihen wieder neu reinvestieren, womit eine Normalisierung der Notenbankbilanz und somit ein wieder stärkerer Euro auf Jahre hinaus in die Zukunft verschoben wurde.

Der Euro wird dadurch real abwerten und die europäischen Sparer verdeckt über die Inflationssteuer enteignet werden. Ein schwächerer Euro bedeutet entsprechend auch ein Anziehen der Teuerung, die sich die EZB zur Entschuldung von Staat und Bankensystem so sehr herbeisehnt. Der Goldpreis in Euro wird davon natürlich profitieren und so ist es eine logische Konsequenz, dass dieser gestern um 7 € auf 1.089 € je Feinunze ansteigen konnte. 

In Erwartung eines schwächeren Euros hatten wir bereits vor Wochen geschrieben, dass wir in den kommenden Monaten eine relative Stärke des Goldpreises in Euro erwarten, während wir den Goldpreis in US-Dollar unter einer nun wieder stärkeren US-Währung unter Druck kommen sehen. So verlor der Goldpreis rund 11 US-Dollar, während der Goldpreis in Euro um 7 € zulegen konnte. Der Silberpreis in Euro konnte leicht hinzugewinnen, während dieser in US-Dollar gerechnet 20 US-Cent auf 16,80 US Dollar verlor.

Eine Zinswende wurde also weit in die Zukunft verschoben und so werden die nominalen Renditen der Lebensversicherungen weiterhin sinken und dem Risiko nicht mehr gerecht werden. Die reale Teuerung liegt weit über der Offiziellen des HVPI-Konsumentenpreisindexes, sodass die meisten Anlagen zur Altersvorsorge inflationsbereinigt deutlich negativ rentieren dürften und so lediglich Verluste bringen. Die Verkaufsmasche der EZB mit ihrer Geldpolitik wirtschaftliche Impulse zum Wohle der Menschen setzen zu wollen, funktioniert weiterhin und die Menschen glauben dieser unsinnigen und unmöglichen Geschichte.

So steigt die Geldmenge immer weiter an, wie Sie an den drei Geldmengenaggregaten M1, M2 und M3 für den Euroraum sehen können. Deflationstendenzen sind weit und breit nicht zu sehen und so darf es nicht verwundern, dass die Kaufkraft des Euros immer weiter ausgehöhlt wird.

Die Inflation der Geldmenge im Euroraum läuft auf Hochtouren
 
 
In dem folgenden Chart sehen Sie als gelbe Linie die Geldmenge M1 im Euroraum und im Vergleich dazu den Anstieg des Goldpreises in Euro. Es zeigt sich eine langfristig sehr hohe positive Korrelation dazu und der Goldpreis wird auch weiterhin mit der Ausweitung der Basisgeldmenge langfristig ansteigen. Die kurze grüne Linie in dem Chart zeigt die Projektion der Ausweitung der Geldmenge im Euroraum bis September 2018 und der Goldpreis in Euro dürfte dieser Entwicklung folgen. Daher ist zwangsläufig in den kommenden zwölf Monaten mit einem relativ starken Euro zu rechnen.


Der Goldpreis wird in den kommenden Monaten wegen der Ausweitung der Basisgeldmenge relativ stark bleiben


Bereits Mitte September erhielten wir noch vor dem Ausbilden einer sogenannten Schulter-Kopf-Schulter Umkehrformation ein Verkaufssignal für den Euro. Der Aufwärtstrend wurde gebrochen und nachdem die fundamentale Geldmengenentwicklung für Europa und die USA für die nächsten zwölf Monate nun definitiv feststeht, dürften die Eurobullen langsam aber sicher das Handtuch werfen und der Euro deutlich zum US-Dollar verlieren. 

Entgegen der EZB wird die US-Notenbank die Geldmenge im kommenden Jahr sogar um 600 Mrd. Euro reduzieren und die Zinsen weiter anheben, weshalb sich der Spread der amerikanischen zu den europäischen Zinsen weiter ausweiten wird und somit die gesamte Spekulation auf einen steigenden Euro als Luftnummer herausstellt.


Die Umkehrformation für den Euro ist komplett und die Talfahrt steht bevor


Anleger im Euroraum müssen sich dieser Situation bewusst sein und ihr Vermögen sichern, noch bevor die Talfahrt des Euros richtig beginnt. Auch die katalonischen Unabhängigkeitsbestrebungen mit der heute erfolgten Abstimmung im Parlament von Barcelona ist eine Gefahr für den Euro. Die Regionalregierung verabschiedete heute eine Resolution über die Konstituierung einer katalanischen Republik als unabhängigen und souveränen Staat“. Die spanische Regierung will gegen die Separatisten vorgehen. Damit droht in einem europäischen Land ein Bürgerkrieg um die Freiheit und Unabhängigkeit einer Region, das Schule machen und auf andere Teile Europas übergreifen könnte.

Noch steht der Eurokurs relativ hoch, auch wenn dieser schon vier US-Cent verloren hat, sodass sie aktuell noch relativ viel Gold und Silber für Ihr Baumwollgeld erwerben können. Eine Abwertung des Euros von bis zu 15% zum US-Dollar halten wir für realistisch in den kommenden 6 Monaten. Kurzfristig könnte der Goldpreis in US-Dollar noch etwas unter Druck stehen, doch bis zum Jahresende erwarten wir die Basis für einen erneuten Anstieg. Selbst wenn der Goldpreis in US-Dollar korrigieren sollte, so könnte dieser in Euro gerechnet aufgrund des schwachen Euros dennoch ansteigen.
 
Der langfristige Aufwärtstrend für den Goldpreis in Euro ist seit fast vier Jahren intakt und aufgrund des schwachen Euros steht die Wahrscheinlichkeit gut, dass dies auch so bleiben wird. Die lockere Geldpolitik der EZB wird dafür sorgen, dass der Goldpreis in Euro weiter steigen wird, weshalb man seine Altersvorsorge oder große Vermögen vor dieser Inflationswelle mit dem Kauf von Edelmetallen schützen sollte.


Der Aufwärtstrend für Gold in Euro ist seit vier Jahren völlig intakt


Schöpfer von Kryptowährung: Es ist eine Blase!

Die Kryptowährung bzw. das Transferprogramm "Bitcoin" hat kürzlich wieder die 6.000 $ Marke je Verrechnungseinheit/Anteilsschein Bitcoin erreicht. Sofern keine andere Software auf den Markt kommt, die besser ist, dürfte Bitcoin weitere Akzeptanz bei Online-Händlern erfahren. So hält sich seit einiger Zeit das hartnäckige Gerücht, dass der Online-Gigant Amazon die digitale Kryptowährung als Zahlungsmittel zulassen möchte und bereits kurz vor Bekanntgabe des neuen Service stünde. 

Die Marktkapitalisierung von Bitcoin ist mit 97 Mrd. US-Dollar bereits höher als die Börsenbewertung von PayPal mit 94 Mrd. Dollar, während selbst der Kreditkartenanbieter "Visa" mit einem Börsenwert von 245 Mrd. Euro in Reichweite für Bitcoin rückt. Mittlerweile sollen 110 Hedgefonds rund 2,2 Mrd. US-Dollar in Kryptowährungen investiert haben, um an dem Hype rund um die Transaktionsprogramme teilzunehmen. Der echte "Jordan Belfort", dessen Geschichte in dem Film "The Wolf of WallStreet" verfilmt wurde warnt vor allem vor den Trittbrettfahrer Börsengängen unter den Kryptowährungen (ICOs). 

Er sieht in diesen "den größten Betrug aller Zeiten und eine Blase, der vielen Leuten im Gesicht explodieren werde." Selbst der Gründer von Ethereum sieht eine Blase im Kryptomarkt, die platzen wird. Doch nach dem Platzen der Blase werde es eine neue Runde mit einer neuen Blase mit neuen Investoren geben, doch die Aufmerksamkeit sei gut für das Wachstum des Ökosystems, so Joe Lubin. Ich selbst habe bereits drei Blasen am Kryptomarkt miterlebt und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass auch diese platzen wird. Preisrückgänge um 80%-90% sind dabei normal.

Die Tiefs sind jedes Mal jedoch höher und vor dort aus wird in absehbarer Zeit womöglich eine neue Rallye starten, die eine neue Blase schaffen wird. Als ich Mitte 2015 erneut den Bitcoin zu 250 $ zum Kauf mit dem Ziel bei 2.500 $ empfohlen habe, war die Chance zum Risiko gut, doch nun ist sie eher schlecht. 

Auch wenn wir Bitcoin nutzen, handeln und davon profitieren, so bin ich langfristig skeptisch. So, wie Bitcoin womöglich Paypal oder andere Zahlungsdienstleister vom Markt verdrängen wird, so kann auch eine alternative bessere Kryptowährung (Programm) den Bitcoin vom Markt verdrängen und dessen Handelswert somit gegen null fallen lassen. Ein materieller intrinsischer Wert, wie ihn die Edelmetalle Gold und Silber aufgrund ihrer Verwendung als Schmuck oder in der Industrie haben, fehlt dem Bitcoin, weshalb er langfristig keine Konkurrenz zum Gold und Silber als sicherer Wertspeicher ist. 

Bitcoin ist jedoch eine Alternative zu anderen digitalen Zahlungsmitteln und wird weiter prosperieren können, bis er von einer besseren Technologie wieder verdrängt wird. Wir sehen in einer Spekulation am Markt für Kryptoprogramme mit Spielgeld kein Problem und Chancen für gute Trader. Die später notwendige Altersvorsorge oder langfristige Ersparnisse zugunsten einer Spekulation in Kryptowährungen aufzulösen, halten wir hingegen für höchst fahrlässig und können davon nur abraten. Gold und Silber haben sich als freies Geld des Marktes über Jahrtausende durch alle Krisen bewährt und so wird es auch weiterhin sein.


Live auf der Edelmetallmesse München

Wenn Sie einen Einblick in meinen Handel bekommen und erfahren wollen, wie man am besten am Goldmarkt sowie anderen Märkten erfolgreich handelt, dann können Sie dies bei meinem Vortrag auf der diesjährigen Edelmetallmesse in München am Freitag den 3.11.2017 um 11:30 Uhr erfahren. Mehr Informationen dazu finden Sie unter folgendem Link: www.edelmetallmesse.com.


Technische Analyse zu Platin

Positionierung der spekulativen Anleger (Commitment of Traders)

Die wöchentlich von der US-Terminmarktaufsicht "CFTC" veröffentlichten Daten für Platin offenbaren, dass die bullische Spekulation schon zu 80% bereinigt zu sein scheint. Die Bären haben jedoch noch keine Extremposition auf der Shortseite eingenommen und es war in den vergangenen Wochen und Monaten zumeist relative fundamental bedingte Schwäche zu sehen, weshalb kurzfristig noch etwas Druck auf den Preis kommen könnte. Eine Bereinigung des Terminmarktes ist bis Ende November vermutlich zu erwarten.
 

Der Terminmarkt für Platin ist im langfristigen Vergleich relativ gut bereinigt



Die einfache Darstellung zeigt an der gelben Farbe, dass die Spekulation neutral ist.
Weitere CoT-Charts zu insgesamt 27 Futures finden Sie wöchentlich aktualisiert auf www.blaschzokresearch.de
 
 

Chartanalyse zu Platin in US-Dollar

Mit aktuell 920 $ je Feinunze notiert der Platinpreis relativ nah an der langfristigen Unterstützung bei 900 $. In dem vergangenen Jahr konnte der Preis fünfmal an dieser Marke wieder nach oben drehen und ansteigen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist diesmal kurzfristig mit 30% zum aktuellen Zeitpunkt nicht gut und ein kurzfristiges Abrutschen unter diese Unterstützung im Zuge eines stärkeren Dollars wäre möglich. Im Augenblick gibt es wieder Käufer auf diesem Niveau, doch ist es fraglich, ob diese einen finalen Sell Off aufhalten können. Sollte es zu einem Abverkauf kommen, sehen wir eine kurz- und womöglich auch mittel- bis langfristige Kaufchance im Platin mit einem sehr guten Chance/Risiko Verhältnis (CRV).


Platin in US-Dollar steckt aktuell noch in der Korrektur


Chartanalyse zu Platin in Euro

In Euro wird aktuell die Unterstützung bei 780 € je Feinunze verteidigt. Entgegen dem Preis in US-Dollar stehen die Chancen dafür, dass die Korrektur bereits abgeschlossen ist, viel höher. Ein schwächerer Euro dürfte dem Platinpreis in den kommenden Monaten auf die Sprünge helfen. Daher ist das aktuelle Preisniveau für Investoren aus dem Euroraum bereits sehr interessant für physische Käufe. Insbesondere das Platin/Palladium-Ratio von unter 1 spricht dafür, dass Platin auf Sicht der nächsten zehn Jahre viel besser performen könnte, als Palladium. 


Platin in Euro bildet schon einen Boden aus
 
© Markus Blaschzok
Dipl. Betriebswirt (FH), CFTe
Chefanalyst GoldSilberShop.de / VSP AG
BlaschzokResearch
GoldSilberShop.de

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