Markus Blaschzok: Zeit zum Wechsel von Aktien in Gold!

Tags: Markus Blaschzok Blaschzok Research Goldsilbershop Marktkommentar 03.04.2018 Gold Gold in Euro Dow Jones Aktien COT-Daten Terminmarkt Charts Analyse Meinung

Mit den fallenden Notierungen an den Aktienmärkten konnte der Goldpreis in den vergangenen Wochen relative Stärke aufbauen. Dies ist ein positives Zeichen für die Edelmetalle. Die Hoffnung, die Rallye am Aktienmarkt könnte sich wie bisher fortsetzen, löst sich langsam in Luft auf, nachdem der Dow Jones das letzte Korrekturtief bereits unterschritten hat. Viele Investoren und Fondsmanager beginnen sich Gedanken zu machen, ob der neunjährige Aktienbullenmarkt nun zu Ende sein könnte... Dementsprechend wundert die relative Stärke des Goldpreises nicht, denn diese Investoren scheinen Kasse zu machen und ihre Gewinne in dem sicheren und unterbewerteten Goldmarkt zu parken. Der Dow Jones Index verlor seit seinem nominalen Hoch bei 26.600 Punkte Ende Januar bereits über 10%.  

 
Der amerikanische Aktienindex „Dow Jones“ verlor in den vergangenen zwei Monaten über 10%

 

Ähnliches Umfeld wie in den Siebzigern

Anfang der achtziger Jahre notierte der Dow Jones noch unterhalb von 1.000 Punkten und erreichte 36 Jahre später 26.600 Punkte. Dies scheint ein gigantischer Anstieg zu sein, doch handelt es sich dabei lediglich um eine monetäre Illusion, die einen Scheinwohlstand suggeriert. Um auf so lange Zeit einen echten Vergleich ziehen zu können, muss man die Abwertung des Dollars bzw. die Teuerung / Inflation berücksichtigen. Dies haben wir im folgenden Chart gemacht und kommen dabei auf aufschreckende Ergebnisse.

  • Nur 3.799 Punkte betrug der reale Stand des Dow Jones zum Ende Februar 2018, wenn man die offizielle staatliche Teuerung und somit die offizielle Abwertung des US Dollars berücksichtigt. Dies ist ein gigantischer Unterschied zu den nominellen Notierungen von über 26.000 Punkten und verdeutlicht den enormen Inflationsbetrug. Weiterhin ist landläufig bekannt, dass die US Regierung 1980 damit begann den offiziellen Konsumentenpreisindex zu schönen, weshalb eine Betrachtung auch nach der alten Berechnungsmethode der Teuerung/Inflation notwendig ist.
  • Mickrige 672 Punkte betrug der Stand des Dow Jones zum Ende Februar 1982, berücksichtigt man die Inflation bzw. die Teuerung nach der alten Berechnungsmethode des Konsumentenpreisindexes von 1980, wie folgender Chart eindrucksvoll beweist.

 
Der Anstieg am Aktienmarkt der letzten 50 Jahre war lediglich eine monetäre Illusion

 

Real gesehen notiert der Aktienmarkt mit nur 672 Punkten heute also tiefer als 1980. Dabei ist die kommende Teuerung aufgrund der Ausweitung der Geldmenge durch die US-Notenbank noch nicht berücksichtigt. Wer Aktien 1980 gekauft und bis heute gehalten hat, der hat womöglich erst kürzlich wieder seine reale Kaufkraft zurückerhalten und über 40 Jahre eine Verlustposition gehalten. Das Timing am Aktien-, Anleihen oder Rohstoffmarkt ist daher unglaublich wichtig – steigt man gerade zu einem Dekadenhoch ein, so ist es möglich, dass es real zwanzig bis vierzig Jahre dauert, bis man sein Geld real wieder zurückerhält.

Da die Unternehmensgewinne auf eine Konjunkturblase gebaut sind, die durch viel billiges Geld und niedrige Zinsen erzeugt wurde, ist es fraglich wie nachhaltig die aktuellen Notierungen am Aktienmarkt sind. Womöglich laufen die Aktienmärkte die nächsten Jahre, ähnlich den Siebzigern, seitwärts, während die Zinsen inflationsbedingt für eine Entwertung des Dollars und der Aktienvermögen sorgen. Auch wenn man nominal scheinbar keine Verluste machen wird, so werden die realen Verluste für Aktieninvestoren möglicherweise bei über 90% liegen. Dieses Umfeld nennt man „Stagflation“ und trat erstmals in den Siebzigern auf. Es also scheint aktuell sehr gefährlich zu sein, in den Aktienmarkt zu investieren, da eine Rezession jederzeit vor der Türe stehen könnte.

Im folgenden Chart sehen Sie, wie in den USA Rezessionen (grau) immer auf Zinsanstiege folgten, in den vergangenen 64 Jahren. Weiterhin zeigt sich die Zyklik von Auf- und Abschwung in der amerikanischen Volkswirtschaft, die durch die Kreditexpansion und Kreditkontraktion im Bankensystem verursacht wird.

Eine peinlich und zugleich urkomische Aussage kam in dieser Woche von Peter Altmaier aus der CDU, der weiterhin ein langfristiges Wachstum der deutschen Wirtschaft von 2 bis 2,5% pro Jahr erwartet. "Ich halte es für möglich, dass wir diesen Wachstumspfad noch für mindestens 15 bis 20 Jahre fortsetzen können, wenn wir die Marktwirtschaft erneuern", sagte Altmaier dem SPIEGEL.“ Diese Hybris von Herrn Altmaier sollte man als mahnenden Kontraindikator sehen. Die einzige Möglichkeit, einen dauerhaften Aufschwung in einer Volkswirtschaft zu gewährleisten, wäre ein Minimalstaat von 5% bis 10%, dem die Verschuldung explizit verboten ist bei gleichzeitiger Trennung von Staat und Bankensystem mit Verfolgung von Geldfälscherei, was in diesem hochsozialistischen Staat mit einer impliziten Staatsquote von 70% praktisch unmöglich ist. Womöglich markiert die Aussage Altmaiers das aktuelle Konjunkturhoch, wobei die westlichen Volkswirtschaften aufgrund der restriktiven Zins- und Geldpolitik in diesem Jahr in die Rezession abrutschen könnten.

 
Zinsanhebungen folgten immer Rezessionen in der Vergangenheit

 

Das Timing entscheidet über Wohlstand oder Armut

Ein aktuelles Beispiel von monetärer Illusion ist die kürzliche Meldung zum Wirtschaftswachstum von angeblich 7,4% in der Türkei im vergangenen Jahr. Mehr als ein müdes Lächeln entlocken diese Zahlen einem taffen Ökonomen nicht, denn die Türkei wertet die türkische Lira jährlich um zweistellige Inflationsraten ab, um die Neuverschuldung der Regierung durch Vermögensentwertung der Ersparnisse zu kompensieren. Entweder waren die Statistiker in der Türkei nicht mehr in der Lage die richtige Teuerung herauszurechnen, oder sie wollten es einfach nicht, um Staatschef Erdogan gut aussehen zu lassen.

Wer 1966, als der Dow Jones erstmals die Marke von 1.000 Punkte erreichte, vom Aktienmarkt in Gold gewechselt ist, der konnte sein Vermögen bis 1982 mehr als Verzwanzigfachen. Erst 1982 gelang es dem Dow Jones nämlich die Marke von 1.000 Punkten zu überschreiten, wofür er also 16 Jahre benötigt hatte. Während der Goldpreis in der damaligen stagflationären Phase förmlich explodierte, bewegte sich der Aktienmarkt nominal nur seitwärts, während dieser real über 90% an Kaufkraft verloren hatte.

Exakt das gleiche Szenario steht der westlichen Welt womöglich in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren wieder bevor. Wir rechnen mit einem weiteren Anstieg der Zinsen, aufgrund der weiter steigenden Teuerung. Gleichzeitig wird die Konjunktur unter den stark gestiegenen Zinsen einbrechen und somit auch die Unternehmensgewinne, was letztlich zu einer realen Kontraktion der Wirtschaft und einem realen Einbruch am Aktienmarkt führen wird, den man als solches nominal womöglich nicht so wahrnehmen wird.

Das Dow/Gold Ratio gibt uns hierbei einen guten Indikator, wann es Zeit ist, von Aktien in Gold und von Gold in Aktien zu wechseln. Ähnlich den siebziger Jahren kam es zu einer monetären Scheinblüte in der Wirtschaft, die das Dow/Gold-Ratio noch einmal ansteigen ließ. Daraufhin folgte dann der massive Einbruch mit extrem steigenden Zinsen und einem noch stärker ansteigendem Goldpreis. Genau an diesem Punkt stehen wir womöglich aktuell auch wieder, weshalb es vernünftig und weise zu sein scheint, vom Aktienmarkt langsam in den Goldmarkt zu wechseln. Das Dow/Gold Ratio von 19 gibt uns den Hinweis, dass der Goldpreis etwa zehn- bis zwanzigmal stärker performen könnte in der nächsten Dekade, wenn wieder das Dow/Gold Ratio von eins erreicht wird.

 
Das Umfeld entspricht exakt den siebziger Jahren, weshalb man aktuell in Gold wechseln sollte

 

TECHNISCHE ANALYSE ZU GOLD

Positionierung der spekulativen Anleger (Commitment of Traders)

Die aktuellen, wöchentlich von der US-Terminmarktaufsicht „CFTC“ veröffentlichten, Daten für Gold zeigen eine bisher durchschnittliche Bereinigung am Terminmarkt. Beachtenswert ist dennoch, dass diese Bereinigung bisher unter relativer Stärke erfolgt war, da der Preis für die Feinunze noch immer bei 1.345$ notiert. In der letzten Woche konnte Gold von den Kursturbulenzen am Aktienmarkt deutlich profitieren – scheinbar gab es in der vergangenen Woche einen starken Positionsaufbau bei den großen vier Händlern, was man als bewusste Manipulation am Terminmarkt interpretieren muss. Sollte der Rest der Bereinigung weiterhin ebenfalls unter Stärke erfolgen, so wäre dies ein mittel- bis langfristig sehr optimistisches Setup!

 
Die Spekulanten sind neutral positioniert

Die einfache Darstellung zeigt, dass sich Gold im neutral bis bärischen roten Terrain befindet

Weitere CoT-Charts zu insgesamt 27 Futures finden Sie wöchentlich aktualisiert auf http://www.blaschzokresearch.de/research/cot-daten/

 

Chartanalyse zu Gold in US-Dollar

Der Preis für die Feinunze bewegt sich oberhalb des langfristigen Abwärtstrends in einer Art „Flaggenformation“. Dies geschieht unter relativer Stärke, während der Terminmarkt für Silber bereits völlig bereinigt ist und auch die anderen Edelmetalle Platin und Palladium dabei sind, sich ihrer Spekulation zu entledigen.

Kann sich der Goldpreis in den kommenden zwei bis vier Wochen oberhalb der 200-Tagelinie halten, während es ein grünes Signal vom Terminmarkt und der Intermarketanalyse gibt, dann wäre das ein ideales Setup für eine neue mittelfristige starke Rallye am Goldmarkt, die den Preis jenseits von 1.400$ tragen könnte.

Noch ist die Bereinigung nicht abgeschlossen und kurzfristig sollte man noch ein bis zwei Wochen abwarten, doch mit einem letzten Rücksetzer würde sich ein gutes Kaufniveau finden. Sollte sich der Terminmarkt aufgrund enormer Nachfrage bei einer Fluchtbewegung vom Aktienmarkt in den Goldmarkt nicht bereinigen können und der Preis über 1.360$ ausbrechen, so wäre das ebenfalls ein Kaufsignal, wobei wir ersterem Szenario eine höhere Wahrscheinlichkeit einräumen.

Insgesamt ist die Situation konstruktiv und stimmt optimistisch auf mittel- bis langfristige Sicht! 

 

 

Gold hält sich in einer Art Flaggenformation über dem langfristigen Abwärtstrend

 

 

Chartanalyse zu Gold in Euro

Im Chart für Gold in Euro zeigt sich die Stärke des Euros wieder, der bisher verhindert hatte, dass Gold in Euro zurück in den langfristigen Aufwärtstrend springen kann. Aufgrund des geopolitischen Gesamtumfeldes sowie der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, sind wir doch gerade in der Europäischen Gemeinschaftswährung sehr optimistisch gestimmt! Wir erwarten, dass die Hochs des letzten und vorletzten Jahres im aktuellen Jahr 2018 wieder erreicht und womöglich sogar deutlich überschritten werden. Langfristig sehen wir in der aktuellen Notierung ein sehr günstiges Kaufniveau! 

 
Gold in Euro leidet aktuell noch unter dem irrational starken Euro

 

Gold / Silber Ratio – Silber hat enorme Chancen!

Das Ratio des Goldes zum Silber ist mit 81 auf einem hohen Niveau, das in den vergangenen 18 Jahren nur viermal erreicht wurde. Dies zeigt eine langfristige Unterbewertung des Silbers zum Gold auf. Es ist davon auszugehen, dass sich das Ratio wieder seinem Mittel im Bereich um die 60 annähern und am Ende eines künftigen Bullenmarktes sogar wieder bis in den Bereich von 30 oder tiefer fallen sollte. 

Dies bedeutet, Silber dürfte vom aktuellen Niveau aus, auf Sicht der kommenden zehn Jahre, den Goldpreis outperformen. Silber könnte sich dabei zwei- bis dreimal so gut entwickeln wie der Goldpreis. Daher sollte man aktuell strategisch langfristig überproportional mehr in Silber als in Gold investieren. 

 

 
Das Gold/Silber-Ratio zeigt, dass Silber sehr günstig im Verhältnis zum Gold ist

 

© Markus Blaschzok
Dipl. Betriebswirt (FH), CFTe
Chefanalyst GoldSilberShop.de / VSP AG
BlaschzokResearch
GoldSilberShop.de

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