Profitiert Gold von der Unsicherheit an den Börsen?

Tags: Heraeus Edelmetall Bulletin Gold Silber Platin Palladium Rhodium Ruthenium Iridium Charts Analyse Meinung Marktreport 03.12.2018

Heraeus Edelmetall Bulletin

Die US-Aktien konnten vergangene Woche den höchsten Anstieg innerhalb eines Tages seit dem Jahr 2014 verzeichnen, nachdem der Vorsitzende der US-Notenbank Fed ein mögliches Ende der Zinsanhebungen angedeutet hatte. Seit der Goldpreis im Jahr 2011 sein Allzeithoch erreichte, übertrifft die Wertentwicklung der Aktien diejenige des Goldes. Das Verhältnis des Index zum Goldpreis überschritt im September mit dem Wert von 22 deutlich seinen langfristigen Durchschnitt. Mit 22 lag dies über den Werten während der Börsenhöchststände 1929 und 2007, aber unter den Werten der Börsenhöchststände des Jahres 2000 sowie der 1960er- und frühen 1970er-Jahre. Das Dow Jones/Gold-Verhältnis liegt jetzt über seinem langfristigen Durchschnitt und erscheint damit überhöht.

Wie könnte sich dieses Verhältnis weiter entwickeln? Für einen Anstieg wäre es nötig, dass Aktien sich besser entwickeln als Gold – was der Fall sein könnte, wenn China und die USA eine Einigung im Handelsstreit erreichen. Durch Klarheit bezüglich der Zölle könnten der Welthandel und das Wirtschaftswachstum wieder anziehen. Die Aktienkurse würden dann dank der verbesserten wirtschaftlichen Aussichten ansteigen. Obwohl der Leitzins stärker nach oben ausschlagen kann, als die Anleiherenditen: Unter Einbezug der Inflation bleibt der Realzins positiv, sodass der Goldpreis sich schlechter entwickelt.

Unter welchen Voraussetzungen würden sich Börsenwerte schlechter als Gold entwickeln? Die derzeitige Hausse in den USA, die bisher die am zweitlängsten andauernde ist, erscheint zunehmend anfällig. Der Dow Jones konnte in diesem Jahr grundsätzlich eine stabile Entwicklung vorweisen, allerdings kam es zwei Mal zu Korrekturen von mehr als 11%. Die Bewertungen für US-Aktien nach konjunkturbereinigtem Kurs-Gewinn-Verhältnis sind sehr hoch. Derzeit wird der Aktienmarkt mit diesem Maß als der dritt-teuerste aller Zeiten bewertet, übertroffen nur noch durch 1929 und die Dotcom-Blase von 2000. Sollte die US-Notenbank Fed wegen einer schwächeren Konjunkturlage den Leitzins nicht weiter anheben, wird die Zinsstrukturkurve steiler. Der US Dollar würde geschwächt, wovon Gold profitiert. Betrachtet man die historisch hohe Bewertung der Aktien, spricht das Umfeld dafür, dass von nun an die Aktienkurse hinter einem steigenden Goldpreis zurückbleiben.

 

GOLD

Haben die Anleiherenditen ihren Zenit überschritten und bedeutet das höhere Goldpreise für 2019? Die Rendite für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit fiel vergangene Woche infolge des erwarteten Ausbleibens weiterer Zinsanhebungen um drei Basispunkte. Vermutlich werden die Anleiherenditen 2019 hinter ihren bisherigen Prognosen zurückbleiben, in denen das Umschwenken der Fed zu einer mehr lockeren geldpolitischen Ausrichtung nach den sog. Tauben („dovish“) noch nicht eingepreist war. Letzten Dienstag erreichte der Dollar-Index 97,4 – womit er seinen bisherigen Jahreshöchststand nur um 0,1 unterschreitet. Der starke US-Dollar war ein entscheidender Faktor für den schwachen Goldpreis, aber wie lange wird dies noch anhalten? Steigende Zinsen waren ein großer Treiber für den Dollar, insbesondere weil sie Kapital aufgrund der von den Schwellenländern ausgehenden Unsicherheit anzogen – zumal eine weitere Zinserhöhung im Dezember sehr wahrscheinlich ist. Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen verbleibt bei der Marke um etwa 3%, nachdem sie zu Jahresbeginn mit 2,4% Investoren angezogen hatte. Die Wirtschaft in den USA befindet sich noch immer in einem guten konjunkturellen Umfeld, mit einem Wachstum von 3,5% im dritten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Dennoch steigen die Risiken eines Abschwungs. Die Federal Reserve hat einen deutlich „Tauben“-hafteren Ton angeschlagen: So befand Jerome Powell den Zins letzte Woche als „nur leicht“ unter seinem neutralen Niveau liegend, obwohl er ihn im Oktober noch als „weit davon entfernt“ bezeichnet hatte. Das Wachstum des BIP könnte infolge des eines Rückgangs des Welthandels ebenfalls sinken, während die Wirkung der zuvor gesetzten fiskalischen Anreize nachlässt. Folglich besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Dollar schwächer wird, der Goldpreis würde dann steigen.

 

SILBER

Ein hoher Absatz von Halbleitern lässt auf eine starke Silbernachfrage aus der Elektroindustrie schließen. Elektrische und elektronische Anwendungen sind einer der Haupttreiber der Silbernachfrage. Sie stehen für etwa ein Viertel des 1 Mrd. Unzen (31.000 t) umfassenden Silbermarktes. Ein guter Indikator für die Nachfrage nach elektronischen Komponenten ist der Markt für Halbleiter, die für eine große Zahl von elektronischen Komponenten benötigt werden.

Der Absatz von Halbleitern stieg im dritten Quartal 2018 im Jahresvergleich (in USD) um 13,8%. Nach Aussagen des Verbandes der Halbleiterindustrie waren die erreichten Umsatzzahlen die bisher historisch höchsten; obwohl schon zuvor in den ersten beiden Quartalen jeweils Zuwächse von rund 20% verzeichnet wurden. Auch die Lieferungen von Silizium-Wafern, der Grundlage von Halbleitern, stiegen und erreichten im dritten Quartal mit einer Steigerung um 8,6% einen Allzeitrekord (Quelle: SEMI). Im bisherigen Jahresverlauf sind die Lieferungen von Silizium-Wafer um 7,6% angestiegen. Das rapide Ansteigen der Nachfrage nach diesen Produkten im Jahr 2018 ist ein guter Indikator für die Entwicklung der Elektroindustrie und verspricht folglich ein starkes Wachstum der Silbernachfrage aus diesem Sektor.

Weiterhin prognostiziert die Welthandelsstatistik für Halbleiter (WSTS) nochmals ein Marktwachstum für Halbleiter, wenn auch mit 2,6% etwas langsamer. Dies impliziert, dass das Jahr 2019 für die Silbernachfrage aus der Elektroindustrie eher ein Jahr der Stabilisierung als ein Jahr des Wachstums wird. Trotz der Unterstützung des Silberpreises durch eine steigende Nachfrage nach elektronischen Komponenten würde schon ein Verlangsamen dieser Nachfrage die Preisunterstützung reduzieren.

 

PLATIN

Der chinesische Markt für Platinschmuck könnte ohne Unterstützung durch Marketingmaßnahmen weiter schrumpfen. Der chinesische Schmuckmarkt stand letztes Jahr für einen Bedarf von etwa 1,3 Mio. Unzen (40,4 t) Platin, was einem Sechstel des weltweiten Platinbedarfs entspricht. Gemessen am Niveau von 2014, als der Bedarf noch bei 2 Mio. Unzen (62,2t) lag und entsprechend 25% Anteil an der Gesamtnachfrage hatte, ist dies ein Rückgang.

Die Platinum Guild International (PGI), der Marketingarm der Platinproduzenten, verkündete, dass „der chinesische Markt noch nicht auf seinem Tiefpunkt zu sein scheint“ und dass er „ohne ein verändertes Marketing weiter schrumpfen wird“. Der chinesische Schmuckmarkt durchläuft derzeit eine Übergangsphase, da die „Millennials“ eine entscheidende Zielgruppe darstellen und deren Fokus sich mehr in Richtung modischer Designs verschiebt.

Demnach werden Werbeaufwendungen bedeutender als je zuvor: Platin muss sich in diesem neuen Marktumfeld etablieren, ansonsten wird es Marktanteile an das durch geringere Reinheit und geringere Fertigungskosten preisgünstigere Weißgold verlieren. Durch die eingeleiteten Sparmaßnahmen zahlreicher südafrikanischer Bergbauunternehmen, die gleichzeitig die PGI  finanzieren, könnte es schwierig werden, die erforderlichen Marketingmaßnahmen aufrecht zu erhalten. Ohne ein höheres Marketingbudget könnten veränderte Kundenpräferenzen schnell zu einem weiteren Rückgang der Platinnachfrage um mehrere hunderttausend Unzen in den nächsten Jahren führen.

 

PALLADIUM

Die Palladiumnachfrage der US-Automobilindustrie scheint kurzfristig trotz Umstrukturierungen solide zu bleiben. Der US-Automobilkonzern General Motors hat die bevorstehende Schließung von fünf Fahrzeugfabriken in den USA bekannt gegeben. Zudem wird die Fertigung von sechs Fahrzeugmodellen eingestellt, wobei es sich vornehmlich um Limousinen handelt. Dies soll einerseits eine Fokussierung auf populäre größere Fahrzeuge wie SUVs und Pick-Ups ermöglichen - andererseits sollen jedoch auch Kosten eingespart werden; während die Investitionen in Elektrofahrzeuge steigen. Die Ausdünnung des Modell-Portfolios gleicht der, die in diesem Jahr bereits der Wettbewerber Ford vorgenommen hat: Ford stellte ebenfalls zugunsten von SUVs und Pick-Ups fünf Modelle ein. Der Absatz von SUVs und Pick-Ups (deren Marktanteil bei 68% liegt) stieg MarkLines zufolge in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres um 8,3% an, während der Absatz mit Limousinen im selben Zeitraum um 13,3% zurückging. Somit stieg der gesamte Fahrzeugabsatz insgesamt im Jahr 2018 um nur 0,2% auf 14,26 Mio. Fahrzeuge. Die Verschiebung im Produktmix führt dazu, dass die Nachfrage – für Palladium in diesem Jahr um 2% auf 1,75 Mio. Unzen (54,4 t) steigen dürfte - schließlich erfordern größere Fahrzeuge auch eine größere Metallmenge für die Abgaskatalyse. Die Reduktion des Modell-Portfolios zeigt, dass die Automobilindustrie ein zumindest kurz- bis mittelfristiges Anhalten dieses Trends erwartet. Dieser Trend gleicht den Einfluss auf den Palladiumverbrauch aus, der sich aus der steigenden Beliebtheit von Elektrofahrzeugen ergibt. Verkaufsdaten in Kalifornien belegen, dass elektrische Plug-in- und batteriebetriebene Elektrofahrzeuge (BEVs) ihren Marktanteil im bisherigen Jahresverlauf auf 3% bzw. 4% ausbauen konnten. Der Anteil von Hybridfahrzeugen sank hingegen von 7% im Jahr 2013 auf nunmehr 4% in diesem Jahr. Der Bundesstaat Kalifornien nimmt eine Vorreiterrolle bei der Einführung von Elektrofahrzeugen ein, denn der Marktanteil von BEV auf nationaler Ebene betrug im dritten Quartal nur 1,2%. Dennoch ist sichtbar, in welche Richtung sich der Markt entwickelt: während Plug-in-Fahrzeuge ähnliche Katalysatoren verwenden wie Standardfahrzeuge, werden BEV ihren Marktanteil weiter ausbauen und so die Palladiumnachfrage beeinflussen – vor allem auch, da die OEM‘s (Original equipment manufacturer, d.Red.) auf diese Technologie setzen.

 

RHODIUM, RUTHENIUM, IRIDIUM

Ein Trend zu größeren Fahrzeugen in den USA verleiht der Rhodiumnachfrage Auftrieb. Über 80% der Nachfrage nach Rhodium entfällt auf die Automobilindustrie. Von jener Nachfrage aus der Automobilindustrie entfallen wiederum 28% auf die USA, vor allem auf benzingetriebene PKW. Aus diesem Grund profitiert die Rhodiumnachfrage vom Trend zu größeren Fahrzeugen. In der Abgasbehandlung spielt Rhodium als Katalysator eine herausragende Rolle, da es im Vergleich zu Platin oder Palladium Stickoxide besonders effektiv entfernt.

Der Rhodiumpreis ist um 10 $/oz auf 2.585 $/oz gestiegen und liegt damit wieder bei seinem vorherigen Jahreshöchststand von 2018. Die Preise von Ruthenium und Iridium blieben in der Vorwoche unverändert.

 

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