"Schnelle Terrine" - Erst rotieren die Redakteure, dann die Druckerpresse

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vom Smart Investor

Für gewöhnlich läuft der Politikbetrieb nach Sommerpause und Sommerloch eher gemächlich an. Im Vorfeld der Landtagswahlen in Bayern und Hessen scheinen jedoch die Nerven blank zu liegen. Das zeigte nicht nur das Tötungsdelikt von Chemnitz und dessen Folgen, sondern auch die mediale Treibjagd auf den nun weggelobten Chef des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen. Mit diesem Themenkomplex werden wir uns in der kommenden Druckausgabe Smart Investor 10/2018 noch etwas intensiver beschäftigen. So haben wir am Rande der Jahreskonferenz des Mises Institut Deutschland mit dem Herausgeber und Chefredakteur der WELTWOCHE, Roger Köppel, gesprochen und der blickte „aus anderer Sicht“ auf Deutschland als der hiesige Mainstream. Das kann er nicht nur deshalb so gut, weil er als Schweizer in den innenpolitischen Konflikten der Bundesrepublik nicht Partei ist, sondern auch deshalb, weil er zu den wenigen Journalisten gehörte, die sich nicht auf den Weg nach Chemnitz machten, um ihre Vorurteile zu bestätigen, sondern um sich dort selbst ein Bild von der Situation zu machen. Und da wir mit Hochdruck – auch in Ihrem Sinne, liebe Abonnenten des Smart Investor Magazins – an der neuen Ausgabe arbeiten, fällt der heutige SIW 38/2018 ein wenig kürzer aus; „Schnelle Terrine“, wie das bei uns intern heißt.

Prominente Warnungen

Dennoch darf der kurze Blick auf den DAX natürlich nicht fehlen. An unserer Grundeinschätzung hat sich gegenüber der Vorwoche nichts Wesentliches verändert. Die Aufwärtsbewegung bewerten wir als Reaktion auf die Kursabschläge der vergangenen Wochen, die nach dem Ausbruch aus der Diamant-Umkehrformation (vgl. Abb.) zu beobachten waren. Die bisherigen Tiefs sind allerdings im Moment noch tragfähig. Zudem besteht eine Unterstützung im Bereich von ca. 12.000 DAX-Punkten, auch die Nackenlinie (rot) einer möglichen Schulter-Kopf-Schulter-Formation wurde bislang nicht nach unten durchbrochen. Schließlich spielt sich das gesamte DAX-Kursgeschehen der letzten anderthalb Jahre per Saldo weitestgehend richtungslos zwischen rund 11.500 und 13.500 Punkten ab. Ein Seitwärts- oder Sägezahnmarkt, der besonders schwer zu beurteilen ist. Die Stimmung der Marktteilnehmer ist keineswegs euphorisch. Die bereits bekannten Probleme im Welthandel und in der Politik schwingen auch in der Lagebeurteilung durch die Anleger mit und einige noch unbekannte Probleme werden wohl darauf warten, entdeckt zu werden. In dieser insgesamt doch verhaltenen Stimmung war es gar nicht so überraschend, dass jetzt auch noch eine der größten und entsprechend bestens vernetzten Investmentbanken Laut gibt. Der von Goldman Sachs entwickelte „Bull/Bear Market Risk Indicator“ sei auf den höchsten Stand seit 1969 – also seit knapp 50 Jahren – gestiegen, was mit 75%iger Wahrscheinlichkeit einen Crash an den US-Börsen ankündige. Fragen Sie uns bitte nicht, wie man das berechnet. Sicher aber ist, dass auch der DAX von solchen Turbulenzen an den US-Märkten nicht unberührt bliebe. Goldman-Sachs-Aufsichtsrat Oppenheimer will dies dennoch nicht als akute Crash-Warnung verstanden wissen. Die Erfahrungswerte geben ihm in dieser Hinsicht Recht. Groß angekündigte Crashs bleiben nämlich in der Regel aus. Das gilt besonders dann, wenn es nicht irgendwelche Sektierer sind, die sich in Prognosen versuchen, sondern wenn der Warnhinweis prominent von einem der wichtigsten Spieler des Marktes höchst selbst stammt – der als solcher zudem nicht primär neutraler Beobachter des Börsengeschehens im Dienste der Allgemeinheit ist.

Die Haupttriebfeder, warum der aktuelle Zyklus so „ungewöhnlich“ und historisch kaum zu vergleichen ist, war natürlich die lockere Geldpolitik, mit der die Notenbanken die Märkte seit der 2008er Finanzkrise ein ums andere Mal in die Verlängerung geschickt haben.

Aber selbst wenn es keinen Crash gibt, dürfte angesichts der Dauer des Aufschwungs und angesichts der erreichten Bewertungsniveaus das weitere Potenzial für den Gesamtmarkt ziemlich begrenzt sein. Die Argumente sind bekannt. Wir halten auf Sicht den Abbau der vorangegangenen Kursexzesse über die Zeit für das unangenehmere und damit auch für das wahrscheinlichere Szenario. Nennen Sie das ruhig eine Baisse. Über einen anderen großen Spieler, der dieses Jahr ins Bärenlager wechselte, berichten wir übrigens ebenfalls im neuen Heft.

„Down and out“

In dieser Hinsicht könnten die Edelmetallmärkte in gewisser Hinsicht eine der jüngeren Blaupausen für ein solches Szenario sein. Wer nach den Kursexzessen der Jahre 2011 auf einen kurzen Crash und eine rasche Rückkehr zur Tagesordnung weiter steigender Kurse erhoffte, wurde über mehrere Jahre regelrecht gefoltert. Auch wir meinten aufgrund unserer grundsätzlichen Affinität zu Gold & Silber in Zeiten des grassierenden Papiergeldbetrugs hier schon manchen endgültigen Boden entdeckt zu haben, wurden von den treibenden Kräften des Marktes aber noch jedes Mal eines Besseren belehrt. Vielleicht wird hier tatsächlich erst umgekehrt ein Schuh daraus. Erst wenn sich ein Boden bildet, den niemand als solchen erkennt und schon gar nicht öffentlich benennt, weil sich keiner ein weiteres Mal blamieren will, ist der Markt wohl endgültig bereinigt und reif für einen neuen Aufschwung. Wenn Sie, liebe Leser, sich den aktuellen Silber-Chart in US-Dollar ansehen, den flachen Abwärtskanal (blau) und den steilen Abwärtstrend (rot), wenn Sie ferner betrachten, dass Silber nun fast „punktgenau“ auf der unteren Begrenzung des blauen Kanals gelandet ist, dann, ja dann ziehen Sie daraus bitte Ihre eigenen Schlüsse. Wir werden diese interessante Situation nicht dadurch gefährden, dass wir sie als möglichen Boden bezeichnen.

Ermittlungswelle rollt

Ein kleines Update gibt es zum Elektro-Autobauer Tesla, der in letzter Zeit weniger aufgrund innovativer Produkte als aufgrund der Eskapaden seines Chefs Elon Musk von sich reden machte. Hinsichtlich seiner Ankündigung, das Unternehmen von der Börse zu nehmen und des späteren Rückzugs von diesem Plan ermittelt bereits die US-Börsenaufsicht SEC. Nun wurde bekannt, dass auch das US-Justizministerium Unterlagen zu den umstrittenen Vorgängen angefordert hat. Es war eigentlich sonnenklar, dass diese Tweets ein juristisches Nachspiel haben werden. Noch schwerer als die Ermittlungen von offizieller Seite könnten dabei die privaten Schadensersatzklagen gegen das Unternehmen bzw. gegen Musk wiegen. Schließlich sind die USA das Land der absurden Schadensersatzprozesse und man kann sich nie sicher sein, ob nicht gerade ein Richter ein Exempel statuieren möchte. Zwar gibt es für deutsche Anleger, die durch die Musk-Tweets geschädigt wurden, nach unserer Kenntnis keine Möglichkeit sich direkt einer solchen US-Klage anzuschließen. Wer allerdings selbst durch Musk-Tweets geschädigt wurde, kann gerne Ralf Flierl (flierl@smartinvestor.de) unter dem Stichwort „Tesla“ anschreiben. Wir stellen dann die Verbindung zu einem unserer Leser her, der gerade die Möglichkeiten einer deutschen Sammelklage eruiert.

Fazit

Soweit unsere „schnelle Terrine“ zur Wochenmitte. Freuen Sie sich auf den nächsten Smart Investor 10/2018 – wir arbeiten daran.

© Ralph Malisch, Ralf Flierl – Homepage vom Smart Investor

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