Silber - Das Bild hellt sich leicht auf, trotzdem ist Vorsicht geboten!

Tags: Meinung Analyse Charts Silber in Euro Silber Pro aurum Silberedition 16.10.2018 Midas Touch Consulting Florian Grummes

von Florian Grummes

Am letzten Donnerstag konnten sich Silber und vor allem der Goldpreis endlich aus der zähen Seitwärtsphase der letzten Wochen mit einem Kraftakt befreien. Gold konnte sich dabei mit 1.233 USD auf den höchsten Stand seit dem 26.Juli erholen. Silber hingegen hinkt weiterhin hinterher und verfügt daher über ein deutliches Aufholpotential... Gleichzeitig hat der Befreiungsschlag durch die zähe und mühsame Bodenbildung bereits viel Kraft gekostet, so dass eine weitere Abwärtswelle weder beim Gold noch beim Silber ausgeschlossen werden kann. Auf beiden Tagescharts könnte sich die Erholung der letzten Tage noch als bärische Flagge entpuppen.

Für den Silberpreis eröffnet ein Anstieg über 14,90 USD die Chance auf weitere Kursgewinne bis auf 15,20 USD und eventuell 15,50 – 15,65 USD. Alles andere ist zunächst Wunschdenken und wenig realistisch. Beim Goldpreis könnte die Erholung noch bis mindestens 1.240 USD, maximal aber bis 1.270 USD laufen, bevor ein erneuter Rücksetzer über die weitere Entwicklung entscheidet.

Insgesamt fällt es weiterhin schwer, die träge und wenig dynamische Kursentwicklung der letzten Wochen als wirklich bullisch einzustufen.

Lesen Sie jetzt die komplette Silber-Analyse mit den dazugehörigen Charts von Florian Grummes:

1. Silber in USD

Rückblick:

Im Gegensatz zum Goldpreis erreichte Silber erst am 11.September bei 13,92 USD nach einer dreimonatigen Abwärtswelle seinen Tiefpunkt. Bis Anfang Oktober gelang dann eine erste überschaubare Erholung bis auf 14,89 USD. Im Anschluss kam es nochmals zu einem Rücksetzer, welcher aber mit 14,23 USD oberhalb der psychologischen Marke von 14,00 USD endete.

Seit vier Handelstagen können Gold, Silber und die Minenaktien nun deutlich zulegen, womit eine zähe Bodenbildung möglicherweise zum Abschluss gekommen ist.

 

Silber Monatschart:

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Der logarithmische Monatschart für den Silberpreis liefert weiterhin kaum Anlass zur Begeisterung. Zwar konnte die breite Unterstützungszone oberhalb von 14,00 USD bislang erneut verteidigt werden, eine bullische Trendwende ist hier aber noch lange nicht zu erkennen. Vielmehr bleibt das große Bild bärisch, denn Silber notiert nach wie vor meilenweit entfernt von seinen Höchstständen um 50,00 USD. Um hier den Bias nachhaltig zu drehen, muss der letzte markante Hochpunkt vom Sommer 2016 oberhalb von 21,23 USD überwunden werden. Alleine bis dahin müsste der Silberkurs aktuell um knapp 44% zulegen!

Positiv ist jedoch die klar überverkaufte Lage auf dem Monatschart, welche am Stochastik Oszillator abzulesen ist. Allerdings hat die Stochastik noch nicht nach oben gedreht. Die angelaufene Erholung trifft im Bereich um 15,50 – 15,65 USD auf einen ersten starken Widerstand. Nur wenn diese Zone überwunden werden kann, eröffnet sich weiteres Aufwärtspotential in Richtung der Abwärtstrendlinie der letzten zwei Jahre (aktuell ca. 16,80 USD).

Insgesamt ist der Monatschart klar überverkauft und liefert damit eine antizyklische Chance. Dennoch fällt die Bewertung des Monatscharts vorläufig noch mit „abnehmend „bärisch“ aus. Eine erste Erholung bis ca. 15,50 USD erscheint jedoch wahrscheinlich.

Silber Wochenchart:

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Auf dem logarithmischen Wochenchart ist der Silberpreis in diesem Sommer aus einem großen symmetrischen Dreieck nach unten ausgebrochen. Das genannte Kursziel im Bereich um 14,00 USD wurde mustergültig abgearbeitet. Seitdem kämpft sich Silber langsam nach oben. Die Trendwende ist zwar noch nicht in trockenen Tüchern, nimmt aber zunehmend Formen an.

Vor allem die Stochastik kann mit einem Kaufsignal überzeugen. Auch RSI und MACD deuten den Beginn einer Erholung an. Allerdings trifft Silber bereits um 14,80 – 15,00 USD auf eine erste Widerstandszone. Im Vergleich zur nächsthöhergelegenen massiven Widerstandszone 15,50 – 15,65 USD, erscheint die Marke um 14,80 USD aber eher als Durchgangsstation. Das mittlere Bollinger Band (15,25 USD) könnte auf dem Weg in Richtung 15,50 USD ebenfalls für vorübergehende Irritationen sorgen.

In der Summe liefert das Kaufsignal bei der Stochastik eine „bullische“ Bewertung des Wochencharts. Solange Silber nicht mehr unter 14,00 USD rutscht, spricht alles für eine Erholung. Wie weit diese Erholung laufen kann und ob aus der gestarteten Gegenbewegung möglicherweise eine neue große Aufwärtswelle erwachsen kann, wird sich jedoch erst zeigen müssen.

Silber Tageschart:

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Auf dem logarithmischen Tageschart konnte der Silberpreis seit Ende September zumindest eine Erholung auf den Weg bringen. Bislang reichte diese bis an die 50-Tagelinie (14,58 USD) heran. Zu Wochenbeginn kann diese wichtige Durchschnittslinie erneut erobert werden, so dass nun kurzfristig weiteres Aufwärtspotential vorhanden ist. Allerdings hat Silber bereits sein oberes Bollinger Band (14,81 USD) erreicht. Demnach benötigt es ab jetzt eine gehörige Kraftanstrengung der Bullen, um dieses Bollinger Band weiter nach oben aufbiegen zu können.

Das Kaufsignal bei der Stochastik als auch das kürzlich erzielte höhere Tief unterstützen die Bullen. Ob deren Kräfte allerdings für einen direkten Anstieg bzw. Angriff auf die massive Widerstandszone um 15,50 – 15,65 USD reichen, muss bezweifelt werden. Vielmehr dürfte es bereits knapp oberhalb von 15,00 USD zu einem erneuten Rücksetzer kommen. Je nachdem ob sich dieser dann an der 50-Tagelinie fangen kann oder nicht, entscheiden sich die nächsten Wochen und Monate am Silbermarkt.

Noch immer kann es sich bei der laufenden Bewegung lediglich um eine vorübergehende Erholung handeln, bevor es doch noch eine Etage tiefer geht.

Zusammengefasst ist der Tageschart kurzfristig „bullisch“ einzustufen. Eine Fortsetzung der Erholung in Richtung 15,00 – 15,25 USD erscheint wahrscheinlich. Im Anschluss kann sich Silber entweder weiter stabilisieren oder bricht die graue Flagge nach unten auf und taucht dann nochmals gen Süden in Richtung neuer Tiefs ab.

 

CoT-Report:

 

Mit einer kumulierten Netto-Longposition in Höhe von 3.550 Kontrakten sind die professionellen Hedger („Commercials“) weiterhin auf der Longseite positioniert. Mit Blick auf die letzten 15 Jahre war dies immer eine sehr vielversprechende Konstellation, die früher oder später für deutlich anziehende Preise gesorgt hat. Ob es dieses Mal wieder so kommt, kann nur die Zukunft zeigen. Das derzeitig bullische Setup liegt bereits seit Mitte/Ende August vor und hat bislang nicht für einen nachhaltigen Preisanstieg gesorgt. Im ganz großen Bild hat die aktuell vielversprechende Konstellation bei den CoT-Daten nicht immer und auch nicht unmittelbar zu einer neuen Aufwärtsbewegung geführt. Sollten sich die Edelmetalle ähnlich der 80er und 90er Jahre in einem langen und zähen Seitwärts- bzw. Bärenmarkt befinden, gelten andere Vorzeichen als im Bullenmarkt 2001-2011.

Gleichzeitig halten die großen spekulativen Anleger eine hohe Shortposition. Sollten diese „Trendfolger“ aufgrund von steigenden Preisen zur Eindeckung gezwungen werden, kann es jederzeit zu dem schon vor Wochen angekündigten Shortsqueeze kommen.

Insgesamt ist der aktuell vorliegende CoT-Report bullisch.

 

3. Sentiment:

 

Die relativ günstige Ausgangslage bei den Sentimentdaten ist in den letzten Tagen aufgrund der Preisanstiege verschwunden. Teilweise liegen vor allem bei den kurzfristigen Sentiment-Signalen bereits erste klare Warnzeichen vor. Insbesondere die beiden Minen ETFs GDX und GDXJ sind schon relativ weit in die Zone des übertriebenen Optimismus vorgedrungen. Auch die wöchentliche Kitco Gold Umfrage erscheint zu einseitig und zu bullisch.

Insgesamt liefert die Sentimentanalyse trotz der lediglich überschaubaren Erholung ein erstes Warnsignal.

 

4. Saisonalität:

 

Seit Ende Mai weigert sich der Silberpreis seinem über Jahrzehnte etablierten saisonalen Muster zu folgen. Für den Monat Oktober wären nun statistisch betrachtet eigentlich fallende Kurse zu erwarten. Bislang ist aber eine Erholung zu beobachten.

Kurzfristig liefert die saisonale Komponente ein Verkaufssignal, ab Ende Oktober kam es im Durchschnitt der letzten vierzig Jahre dann bis Mitte Dezember meist zu einer deutlichen Aufwärtsbewegung.

 

5. Silber in EUR

Rückblick:

In Euro gerechnet hat sich der Silberpreis seit dem Hoch am 15.Juni bei 15,32 EUR zwischenzeitlich bis auf 12,03 USD um knapp 21,5% verbilligt. Das brachte zwar einerseits die erneute Chance, günstig Silberbestände aufzustocken, andererseits nimmt das Leid der Investierten damit kein Ende.

Immerhin gelang nach einer zähen Bodenbildung im September zuletzt zumindest ansatzweise der Befreiungsschlag, denn Silber tastet sich seit 16 Handelstagen langsam in Richtung der Marke von 13,00 EUR vor. Der dabei erfolgte vorübergehende Rücksetzer bis auf 12,33 EUR brachte ein klar höheres Tief und eröffnet jetzt die Chance auf einen neuen Aufwärtstrend.

Euro-Silber Tageschart:

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Auf dem Tageschart konnte sich der Euro-Silberpreis erneut über seine 50-Tagelinie (12,59 EUR) vorkämpfen. Die Bullen legen damit den ersten wichtigen Grundstein für eine größere Gegenbewegung/Erholung bzw. eventuell sogar für eine neue große Aufwärtswelle. Können sich die Notierungen nun oberhalb von 12,60 EUR halten, steht einem weiteren Anstieg bis an das obere Bollinger Band (12,90 EUR) sowie der Abwärtstrendlinie bei 13,10 EUR eigentlich nichts mehr im Wege.

Die Stochastik bestätigt den kurzfristigen Aufwärtstrend mit einem neuen Kaufsignal. MACD und RSI sind ebenfalls bullisch. Das mittelfristige Ziel ist die fallende 200-Tagelinie (13,43 EUR). Zuvor muss aber die starke Widerstandszone um 13,00 – 13,25 EUR überwunden werden. Am wahrscheinlichsten wäre es, dass die 200-Tagelinie bis in diese Zone gefallen ist, bevor es zu einem Zusammentreffen mit dem Preisgeschehen kommt. Solange sich der Eurosilber-Tageschart klar unterhalb seiner 200-Tagelinie bewegt, sind alle Erholungen lediglich als Gegenbewegung innerhalb des übergeordneten Abwärtstrends einzustufen. 

Zusammengefasst ist der Tageschart aufgrund des höheren Tiefs sowie dem Kaufsignal bei der Stochastik mit „bullisch“ einzustufen. Um das große Bild zugunsten der Bullen zu drehen, muss aber erst die entscheidende Abwärtstrendlinie (aktuell ca. 14,35 EUR) geknackt werden. Bis dahin liegt noch eine lange Wegstrecke vor den Silberbullen.

Handelsempfehlung:

Silber bleibt stark unterbewertet. Die zuletzt ausgesprochene Kaufempfehlung um und unterhalb von 12,00 EUR hat gegriffen. Ab jetzt ist Silber eine Halteposition.

 

6. Zusammenfassung & Konklusion

Am letzten Donnerstag konnten sich Silber und vor allem der Goldpreis endlich aus der zähen Seitwärtsphase der letzten Wochen mit einem Kraftakt befreien. Gold konnte sich dabei mit 1.233 USD auf den höchsten Stand seit dem 26.Juli erholen. Silber hingegen hinkt weiterhin hinterher und verfügt daher über ein deutliches Aufholpotential. Gleichzeitig hat der Befreiungsschlag durch die zähe und mühsame Bodenbildung bereits viel Kraft gekostet, so dass eine weitere Abwärtswelle weder beim Gold noch beim Silber ausgeschlossen werden kann. Auf beiden Tagescharts könnte sich die Erholung der letzten Tage noch als bärische Flagge entpuppen.

Für den Silberpreis eröffnet ein Anstieg über 14,90 USD die Chance auf weitere Kursgewinne bis auf 15,20 USD und eventuell 15,50 – 15,65 USD. Alles andere ist zunächst Wunschdenken und wenig realistisch. Beim Goldpreis könnte die Erholung noch bis mindestens 1.240 USD, maximal aber bis 1.270 USD laufen, bevor ein erneuter Rücksetzer über die weitere Entwicklung entscheidet.

Insgesamt fällt es weiterhin schwer, die träge und wenig dynamische Kursentwicklung der letzten Wochen als wirklich bullisch einzustufen.

7. Lese-Empfehlungen

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This bull market run has echoes of the late 1920s, Nobel Prize-winning economist Shiller says

 

© Florian Grummes

Quelle: pro aurum Silberedition vom 16.10.2018

 

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