Silber: Die überkaufte Lage mahnt zur Geduld

Tags: Charts Analyse Palladium Platin SIL Gold Silber Ratio Silber in Euro Silber Proaurum Silberedition 03.04.2017 Florian Grummes Grummes

von Florian Grummes

Die Gold- und Silberpreise konnten sich in den letzten Wochen erholen und hinterlassen damit weiterhin einen bullischen Grundeindruck. Bei beiden Edelmetallen fehlt aktuell nicht mehr viel, um die derzeitigen Widerstände zu durchbrechen und damit die bullische Signallage weiter zu verschärfen. Allerdings sprechen EUR/USD, Saisonalität,... Sentiment, Terminmarktdaten und überkaufte Indikatoren auf den Wochen- und Tagescharts eher für eine in Kürze bevorstehende erneute Korrektur. Auch die schwachen Minenaktien stellen die laufende Rally in Frage.

1. Silber in USD

Rückblick

In den letzten drei Wochen konnten sich die Edelmetalle aufgrund der im kurzfristigen Zeitfenster stark überverkauften Lage deutlich erholen. Dabei hat der Silberpreis zügig und vor allem zielstrebig wieder seine 200-Tagelinie (18,09 USD) erreicht. Hier liefen die Notierungen in den letzten Tagen seitwärts.

Auch beim Goldpreis hat sich mit kleinen Abstrichen eine ähnliche Erholungsrally ergeben, wobei Gold immer noch unterhalb seiner 200-Tagelinie (1.262 USD) notiert.

Die Minenaktien jedoch lieferten erneut keine Bestätigung für das grundsätzlich bullische Kursgeschehen am Gold- und Silbermarkt.

 

Silber Monatschart:

 

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Auf dem logarithmischen Monatschart für den Silberpreis sticht zunächst das im vergangenen Dezember erzielte höhere Tief ins Auge. Während im Dezember 2015 erst bei 13,62 USD der Boden gefunden wurde, endete die Korrektur im Dezember 2016 bereits bei 15,68 USD. Damit ist das Fundament für einen neuen Aufwärtstrend gelegt. Nun fehlt „nur noch“ ein höheres Hoch. Dafür müsste der Silberpreis den Hochpunkt vom Sommer 2016 bei 21,23 USD überwinden. Bis dahin fehlen aktuell noch mehr als 3,00 USD. D.h. auch in den nächsten Monaten werden wir noch keine 100%ige Klarheit darüber bekommen, ob sich der Silbermarkt denn nun wirklich in einem neuen Aufwärtstrend befindet.

Die Indikatoren sprechen seit Anfang 2016 jedenfalls recht eindeutig für einen bullischen Trendwechsel. So ist das Kaufsignal des MACD-Indikators bis heute aktiv. Der RSI notiert im Niemandsland und die Stochastik hat zuletzt in der neutralen Zone ein neues Kaufsignal generiert. Insgesamt bieten alle Indikatoren auf längere Sicht sehr viel Luft nach oben.

Die Tatsache, dass sich der letzte Rücksetzer im März klar oberhalb des mittleren Bollinger Bandes (16,63 USD) halten konnte, ist ebenfalls positiv zu bewerten.

Auf dem Weg bis zur großen und markanten Widerstandszone um 26,00 USD warten auf die Silberbullen allerdings zahlreiche Widerstände. Neben dem oberen Bollinger Band (20,49 USD) ist dies vor allem die ehemaligen Aufwärtstrendlinie (gestrichelt in rot). Diese gibt den Zielbereich um 26,00 USD erst ab der zweiten Jahreshälfte langsam frei. Insofern bleibt es bei der Erwartung, dass der Silberpreis bis zum Frühjahr 2018 auf 26,00 USD ansteigt.

Insgesamt sorgt die positive Indikatorenlage für eine Verbesserung des Monatscharts auf „vorsichtig bullisch“.

Im ganz großen Bild bringt aber erst ein Monatsschlusskurs oberhalb von 26,50 USD den entscheidenden Befreiungsschlag. Dann wäre der Weg in Richtung der Allzeithochs um 50,00 USD frei.

Fundamental betrachtet dürfte der Silberpreis auf Sicht der nächsten Jahre von der anziehenden Inflation wie kein anderes Investment profitieren und sollte daher in jede etwas größere Kursschwäche hinein weiter akkumuliert werden.

 

Silber Wochenchart:

 

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Auf dem logarithmischen Wochenchart greifen die Silberbullen aktuell erneut die Widerstandszone um 18,50 - 18,70 USD an. Bislang ist der Ausbruch zwar noch nicht geglückt, aber dieser schnelle Konter der Bullen in den letzten drei Handelswoche ist doch bemerkenswert.

Allerdings passt dieses bullische Kursgeschehen irgendwie noch nicht so ganz mit den Indikatoren zusammen. Vor allem die Bollinger Bänder begrenzen derzeit die Handelspanne zwischen 15,65 USD und 18,57 USD. Dies entspricht ziemlich genau der altbekannten Seitwärtszone, in welcher sich der Silberpreis seit Ende 2014 mit einigen Unterbrechungen bewegt. 

Während der MACD eigentlich ein Kaufsignal liefert, notiert die Stochastik erneut nahe der überkauften Zone. Der Ausbruch über den Widerstand um 18,50 - 18,70 USD müsste eigentlich starke bullische Kräfte freisetzen. Ein überkaufter Wochenchart aber dürfte dann in der Folge wie Blei wirken und könnte den Ausbruch mit einem tiefen Rücksetzer schnell wieder einkassieren. Insofern wäre es eigentlich zu hoffen, dass sich die Silberbullen hier nochmal auf eine Konsolidierung einlassen, um dann im zweiten Halbjahr gestärkt und nachhaltig nach oben durchmarschieren zu können.

In der Konklusion verbessert sich der Wochenchart auf „leicht bullisch“. Ähnlich wie beim Goldpreis passt der Wochenchart aber noch nicht in das Puzzle einer direkt bevorstehenden starken Rally. Nüchtern betrachtet und in Verbindung mit den anderen Analysebausteinen spricht doch vieles für eine mehrwöchige Korrektur/Konsolidierung. Erst ab dem Frühsommer wäre dann mit dem Ausbruch über 18,70 USD und dem anschließenden Durchmarsch bis zu meinem großen Kursziel bei ca. 26,00 USD zu rechnen.

 

Silber Tageschart:

 

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Auf dem Tageschart hat der Silberpreis erneut die seit dem Juli 2016 deckelnde Abwärtstrendlinie überwunden und läuft seit einigen Handelstagen knapp oberhalb der 200-Tagelinie (18,09 USD) seitwärts. 

Der zunächst bullische Charakter wird aber durch die überkauften Indikatoren in Frage gestellt. So notiert der Stochastik-Oszillator fast am Anschlag, während der RSI leicht unterhalb der überkauften Zone sitzt. Immerhin liefert der MACD nach wie vor ein bullisches Signal.

Laufen sich die Bullen in der aktuellen Region zwischen 18,00 und 18,50 USD in den nächsten Tagen fest, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Rücksetzer bis zur 50-Tagelinie (17,66 USD) überproportional an. Neben der 50-Tagelinie müssen auch die Aufwärtstrendlinie (aktuell ca. 17,15 USD) sowie die alte Abwärtstrendlinie (aktuell 17,75 USD) als mögliche Korrekturziele auf der Unterseite miteinkalkuliert werden.

Gelingt hingegen der Ausbruch über 18,50 USD sind schnelle Kursgewinne bis 19,00 und 19,30 USD wahrscheinlich.

Zusammengefasst ist der Tageschart vorerst noch „zunehmend bullisch“. Versagen den Bullen aber in den nächsten zwei Handelswochen die Kräfte, kann sich die Lage sehr schnell ins Gegenteil drehen. Ich bleibe zunächst skeptisch und rechne weiterhin mit einer Konsolidierung bis zum Frühsommer. Allerdings muss ich ergänzen, dass die Gefahr auf der Oberseite etwas zu verpassen tatsächlich immer größer wird.

 

2.  Gold/Silber-Ratio

 

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Das Gold/Silber-Ratio versuchte sich im März vorübergehend und letztlich ohne Erfolg an einem Ausbruch über seine fallende 200-Tagelinie (70,66). 

Insgesamt bleibt es damit bis auf weiteres bei der aussagelosen Seitwärtsphase, welche erst unterhalb von 67,50 Punkten zumindest ansatzweise beendet wäre. Für ein klares bullisches Signal benötigt es auch weiterhin ein Ratio unterhalb von 65,50 Punkten.

Die deutlich überverkaufte Stochastik spricht auf Sicht der kommenden ein bis drei Wochen eher für einen Gegenbewegung nach oben. Dies wiederum bedeutet vermutlich schwächere Edelmetallkurse...

 

3.  Silberminenaktien (SIL):

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Der für den Sektor der Silberminenaktien repräsentative Global X Silver Miners ETF (SIL) kann seit dem Hoch bei 41,68 USD nicht mehr überzeugen. Nachdem die Minenaktien schon im Februar fast zwei Wochen vor dem Gold- und Silberpreis ihre scharfe Korrektur begonnen hatten, hinken sie aktuell der Erholung bei den Edelmetallen eindeutig hinterher und bestätigen diese damit nicht.

So reichte es in den letzten drei Handelswochen nur für eine mühsame Erholung bis an die Widerstandszone um 36,00 USD. Hier läuft der ETF seitwärts und konnte noch nicht mal seine 50-Tagelinie (37,01 USD), geschweige denn seine 200-Tagelinie (39,72 USD) zurückerobern.

Angesichts des frischen Stochastik-Verkaufssignals sind die kurzfristigen Aussichten für die Minenaktien eher getrübt. Offensichtlich war der fulminante Anstieg im ersten Halbjahr 2016 ein zu großer Schluck aus der Pulle bzw. muss jetzt erst mal von den zugrundeliegenden Edelmetallpreisen bestätigt werden. Schließlich sind die Minenaktien im letzten Jahr vorneweg gerannt und brauchen jetzt die Unterstützung/Bestätigung mittels höherer Gold- und Silberpreise. 

Sollten die beiden Edelmetalle bis zum Frühsommer weiter korrigieren, könnte es bei den Minenaktien daher ungemütlich bleiben. Gleichzeitig eröffnet das in den kommenden Monaten vermutlich nochmals geniale Nachkaufgelegenheiten. Sobald Gold und Silber die wichtigen Widerstände (1.265 USD und 18,70 USD) aus dem Weg  geräumt haben, dürften auch die Minen wieder durchstarten.

Auf der Unterseite sollte die neue Aufwärtstrendlinie im Bereich um 33,50 USD idealerweise nicht mehr unterschritten werden. Falls doch, müssen wir uns auf einen tiefen Rücksetzer bis in die extrem starke Unterstützungszone um 30,00 USD einstellen. Dieses „worst case“ Szenario halte ich aber für relativ unwahrscheinlich und würde daher versuchen, Rücksetzer an die Aufwärtstrendlinie zu kaufen.

In der Summe führt die schwache Vorstellung der Silberminenaktien zu einer „zunehmend bärischen“ Bewertung, ohne dass das ganz große Bild in irgendeiner Weise bedrohlich wirkt.

 

4. CoT-Report:

 

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Parallel zur Silberpreiserholung haben sich die ohnehin schon miserablen CoT-Daten erneut verschlechtert. Demnach hielten die  kommerziellen Händler am vergangenen Dienstag 101.767 leerverkaufte Kontrakte auf den Silberfuture an der COMEX.  Diese Short-Positionierung ist und bleibt im langfristigen Vergleich viel zu hoch.

Auch wenn ich mich wiederhole: „Diese hohe Shortposition am Silber-Terminmarkt kann nur über zwei Wege aufgelöst werden: Entweder kommt es zu einer heftigen Bereinigung und damit einhergehend zu deutlich tieferen Silberpreisen oder aber die „professionellen Hedger“ werden durch weiter steigende Silberpreise zur Eindeckung ihrer Leerverkaufspositionen gezwungen. Dies würde die Preise zusätzlich massiv nach oben treiben. Erfahrene Marktteilnehmer wissen, dass die zweite Variante zwar nicht unmöglich ist, die Wahrscheinlichkeit dafür aber eher gering ist. Sollte es jedoch bis zum Frühsommer zu keiner Bereinigung dieser extreme Konstellation am Silbermarkt gekommen sein, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen phänomenalen Short-Squeeze im zweiten Halbjahr massiv an.“ 

Insgesamt liefert der CoT-Report weiterhin ein Verkaufssignal für den Silberpreis.

 

5.  Sentiment:

 

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Der Optimismus Index für den Silberpreis ist zuletzt bis auf Werte oberhalb von 70 geklettert und signalisiert damit langsam aber sicher ein zu hohes Maß an Vertrauen/Euphorie unter den Silberanlegern. 

Statistisch hat der Silberpreis seit seinem Hoch im Jahre 2011 insgesamt 34 Handelstage mit Optimismus-Werten oberhalb von 70 gesehen. Nur auf einen dieser 34 Tage folgte im Anschluss ein positiver Monatsverlauf. Alle anderen Male endeten für den Silberpreis mit einem durchschnittlichen Verlust von 5,9%!

Angesichts dieser ernüchternden Statistik tut man gut daran, derzeit eine gehörige Portion Skepsis und Geduld gegenüber dem Edelmetallsektor und insbesondere Silber walten zu lassen. Während sich die Stimmungslage im letzten Dezember eindeutig im Keller befand, ist der Optimismus unter den Anlegern derzeit eindeutig zu hoch.

Auch die aktuelle Kitco-Goldumfrage fördert erneut eine zu positive Erwartungshaltung unter den Amateuren zu Tage.

Insofern würde ich das Sentiment momentan als „zu optimistisch“ einstufen, was wiederum ein Verkaufssignal darstellt.

 

6.  Saisonalität:

 

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Legt man den durchschnittlichen saisonalen Verlauf über die letzten 40 Jahre zugrunde, müsste spätestens in der dritten Aprilwoche eine Abwärtswelle am Silbermarkt beginnen, welche zunächst noch zögerlich bzw. flach verläuft und schließlich im Mai bzw. vor allem Anfang Juni an Dynamik gewinnt. Statistisch wäre dann Ende Juni/Anfang Juli mit einem finalen Tief zurechnen, welches zudem auch noch dem Jahrestief entsprechen würde.

Soweit die Theorie, in der Realität ist dieser statistische Verlauf in diesem Jahr bislang jedenfalls noch nicht wiederlegt worden. Mit einer Konsolidierung bzw. Korrektur in den kommenden zwei Monaten wäre die saisonale Vorgabe nachvollzogen.

Können die Edelmetalle aber nun bereits im Frühling weiter haussieren, wäre die Saisonalität für den Rest des Jahres auf den Kopf gestellt und wir müssten ähnlich wie 2016 mit einem schwachen zweiten Halbjahr rechnen.

 

7. Silber in Euro:

Rückblick:

Ausgehend vom Tiefpunkt bei 15,85 EUR konnte sich der Silberpreis auch in Euro gerechnet seit dem 15.März deutlich und gradlinig erholen. Unterm Strich hat sich der Preis für eine Feinunze Silber damit in diesem Jahr bereits um 12,7% verteuert.

 

Euro-Silber Wochenchart:

 

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Die ursprünglich auf dem logarithmischen Wochenchart eingezeichnete obere Dreiecksbegrenzung wurde im Februar überrannt. Rückblickend war das Dreieck mit dieser Linie aber nicht symmetrisch und vor allem auch viel zu klein. Mit dem Ende Februar erzeugten Hochpunkt lässt sich nun ein Konsolidierungs-Dreieck konstruieren, welches doch sehr viel realistischer wirkt. 

Demnach loten die Bullen aktuell nochmal die obere Begrenzung aus, bevor der Euro-Silberpreis dann in den kommenden Wochen gen Süden und damit an die untere Begrenzung um 15,70 – 16,00 EUR segeln dürfte. Hier müsste sich nochmals eine sehr gute Kaufgelegenheit ergeben.

Alternativ können die Bullen den Druck aufrechterhalten und die Notierungen bereits in diesem Frühling direkt über die Abwärtstrendlinie der letzten neun Monate schieben. Dann dürfte ein schneller und dynamischer Kursanstieg möglich werden, dessen finales Kursziel im Bereich um 21,00 EUR zu suchen ist. Lediglich die Widerstandszone um 17,50 – 18,00 EUR könnte in diesem Fall vorübergehend für einen Rücksetzer an das aufgebrochene Dreieck sorgen. Die Wahrscheinlichkeit für dieses unmittelbar sehr bullische Szenario ist aber unterhalb von 30% einzuordnen.

Bei den Indikatoren hat die Stochastik in der neutralen Zone gerade erst ein frisches Kaufsignal geliefert und sorgt damit grundsätzlich für günstige Vorzeichen. MACD und RSI sind aktuell eher neutral einzuschätzen.

Summa summarum verbessert sich der Wochenchart um eine Bewertungsstufe auf „zunehmend bullisch“.

 

Euro-Silber Tageschart:

 

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Vor allem der Tageschart spricht momentan dafür, dass der Silberpreis in Euro noch nicht aus dem Dreieck ausbrechen kann.

Insbesondere die stark überkaufte Stochastik sowie der ebenfalls ansatzweise überkaufte RSI machen hier klar, dass die Luft nach oben mittlerweile sehr dünn geworden ist. Ein logischer Rücksetzer bis maximal an die untere Begrenzung des Dreiecks könnte derzeit bis ca. 15,70 EUR führen und dürfte die überhitzte Lage sowohl auf dem Tages- als auch auf dem Wochenchart abkühlen.

Positiv ist die Tatsache, dass die Notierungen wieder klar oberhalb der 50-Tagelinie (16,50 EUR) als auch der 200-Tagelinie (16,60 EUR) verlaufen und somit über ein starkes Auffangnetz nach unten verfügen. Betrachtet man nur diese beiden Durchschnitte, muss man sich schon fragen, wie sich hier ein tiefer Rücksetzer bis an die untere Begrenzungslinie des Dreiecks durchsetzen soll. 

Zusammengefasst ist der Tageschart „vorsichtig bullisch“. Die überkauften Indikatoren stehen einem unmittelbaren Ausbruch entgegen.

 

Handelsempfehlung:

Das zuletzt empfohlene Nachkauflimit unterhalb von 15,80 EUR bzw. 16,00 EUR brachte innerhalb kürzester Zeit ein deutliches Plus. 

Aktuell empfiehlt sich wieder eine geduldige und abwartende Haltung. D.h. man sollte derzeit mindestens auf einen Rücksetzer bis knapp unter die 200-Tagelinie, also 16,50 EUR, warten. Darüber hinaus kann es wie geschrieben auch noch zu einem Rücksetzer bis maximal 15,70 EUR kommen. Um die Handelspanne innerhalb des Konsolidierungsdreiecks ideal auszunutzen, sollte man daher vor allem bei 16,15 EUR und 15,85 EUR weitere Nachkauflimits platzieren.

 

8.  Platin:

 

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Der Platinpreis bleibt weiter unter Druck und präsentiert sich derzeit als das schwächste der vier Edelmetalle. Die Erholung seit dem Tief bei 932,90 USD ist sehr überschaubar und konnte nur ganz kurzzeitig mit einer Kursspitze die 50-Tagelinie (985,40 USD) erreichen. Seitdem drehen die Notierungen schon wieder leicht gen Süden ab.

Der Blick auf die Indikatoren fördert ebenfalls einen eher bärischen Ausblick zu Tage. So konnte das MACD-Verkaufssignal von Anfang März bislang nicht nachhaltig revidiert werden. Die Stochastik hat bereits klar unterhalb der überkauften Zone wieder abgedreht und befindet sich vermutlich auf dem Weg nach unten bis zu ihrer überverkaufte Zone.

Positiv ist hier eigentlich nur die übergeordnete Aufwärtstrendlinie, welche den Abverkauf im Bereich um 920,00 USD stoppen müsste. Da das untere Bollinger Band  (931,43 USD) nur knapp darüber verläuft, dürfte der Platinpreis trotz seiner derzeitigen Schwäche nicht bis an die Dezembertiefs zurückfallen, sondern müsste vielmehr in den kommenden Woche ein höheres Tief etablieren können.

In der Summe ergibt sich weiterhin bärische Bewertung. Das verbliebene Abwärtsrisiko ist aber überschaubar. Zudem ist das Sentiment relativ pessimistisch, während gleichzeitig der saisonale Zyklus dem Platinpreis bis Mitte Juni eigentlich wohlgesonnen ist. Kommt es also zur Fortsetzung des Abverkaufs bis zur Aufwärtstrendlinie, dürfte im Anschluss eine schöne Erholung in Richtung der 50-Tagelinie (985,40 USD) bzw. 200-Tagelinie (1.006,23 USD) möglich werden.

 

Handelsempfehlung:

Das Nachkauflimit „unterhalb von 880,00 EUR“ war in den letzten Tagen von Erfolg gekrönt und gilt weiterhin.

 

9. Palladium:

 

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Der Palladiumpreis konnte sich in der vorletzten Handelswoche auf den höchsten Stand seit zwei Jahren vorankämpfen. Zwar konnten die Bullen diesen Höchststand um 815,00 USD nicht halten, bislang waren aber nur minimale Kursrückgänge bzw. eine Konsolidierung auf sehr hohem Niveau zu beobachten. Damit bleibt Palladium nach wie vor und unangefochten das stärkste der vier Edelmetalle.

Charttechnisch bewegt sich der Palladiumpreis derzeit ziemlich genau in der Mitte eines großen Aufwärtstrendkanals, welcher sowohl nach oben als auch nach unten über jede Menge Platz verfügt.

In jedem Fall verlief zuletzt der Test der Zone um 740,00 – 720,00 USD erfolgreich und hat die dortige extrem starke Unterstützung nochmals bestätigt. Somit sucht der Markt nun auf der Oberseite die nächste Halte- bzw. Widerstandsmarke. MACD und Stochastik bestätigen dies mit Kaufsignalen.

Da sich mit dem Kursgeschehen seit Ende November aber ein aufsteigender Keil konstruieren lässt,  ist das Anstiegspotential auf der Oberseite begrenzt. Vermutlich wird es Palladium schon sehr schwer haben über 820,00 - 825,00 USD anzusteigen. Prallen die Notierungen am Keil nach unten ab, dürfte die steigende 50-Tagelinie (772,11 USD) das Kursgeschehen zunächst auffangen.

Insgesamt bleibt es aufgrund des sich abzeichnenden bärischen Keils bei einer „vorsichtig bullische“ Bewertung. Die seit dem Sommer 2016 entstandenen negativen Divergenzen lassen nicht so wirklich Vertrauen und Zuversicht in die eigentlich erfreuliche Aufwärtsbewegung aufkommen.

 

Handelsempfehlung:

 

Palladium bleibt bis auf weiteres eine Halteposition.

 

10.  Zusammenfassung & Konklusion:

 

 

Die Gold- und Silberpreise konnten sich in den letzten Wochen erholen und hinterlassen damit weiterhin einen bullischen Grundeindruck. Bei beiden Edelmetallen fehlt aktuell nicht mehr viel, um die derzeitigen Widerstände zu durchbrechen und damit die bullische Signallage weiter zu verschärfen.

Allerdings sprechen EUR/USD, Saisonalität, Sentiment, Terminmarktdaten und überkaufte Indikatoren auf den Wochen- und Tagescharts eher für eine in Kürze bevorstehende erneute Korrektur. Auch die schwachen Minenaktien stellen die laufende Rally in Frage. 

Gut denkbar, dass das Smartmoney kurzfristig noch einen weiteren Anstieg beim Gold und Silber zulässt, es letztlich aber auf eine Bullenfalle abgesehen hat und erst im weiteren Verlauf des Frühlings erbarmungslos zuschlagen wird. Allerdings bleibt das Risiko auf der Unterseite begrenzt. Neben den 50-Tagelinien stützen auch die seit Dezember 2015 etablierten Aufwärtstrendlinien.

Persönlich würde ich eine Konsolidierung bis zum Frühsommer bevorzugen. Allerdings gilt es dem Markt wachsam zuzuhören und nicht zu stark an der eigenen Meinung/Wahrnehmung festzuhalten. Kann der Goldpreis daher über 1.265 USD ausbrechen, ist ein weiterer Anstieg bis ca. 1.300 USD zu erwarten. Silber wird wie immer von einem stärkeren Goldpreis profitieren und müsste in diesem Fall auch die Widerstandszone um 18,50 USD überwinden und bis mind. 19,30 USD haussieren können.

 

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© Florian Grummes

Quelle: pro aurum Silberedition vom 03.04.2017

 

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