Smart Investor: Prinzip Hoffnung

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Der Sturm: Mitten drin, statt nur dabei

Zu Beginn des [vor]gestrigen Handelstages keimte an den deutschen Märkten die Hoffnung, dass die jüngste Abwärtsbewegung nun ihr vorläufiges Ende gefunden habe. Die Vorgaben aus den USA vom Montagabend hätten nicht besser sein können und wenigstens zur Eröffnung machte sich Zuversicht breit. Doch schon im weiteren Tagesverlauf bröckelte der Markt erneut... Ursächlich waren wiederum die amerikanischen Börsen, an denen bereits die nächste Verkaufswelle anrollte. Eine Welle die sich im Sitzungsverlauf zu einem kleinen Tsunami nach dem Motto „Rette sich wer kann“ steigerte. Betroffen waren insbesondere die Technologiewerte, der NASDAQ-100 ging mit einem satten Minus von 3,3% aus dem Handel, während der breit aufgestellte S&P500 mit einem, zumindest im Vergleich, relativ milden Abschlag von 1,7% davon kam. Klarerweise handelt es sich also um ein Problem der bislang führenden Aktien des vorangegangenen Aufschwungs. Ohne die Metapher vom „Sturm“ an dieser Stelle überstrapazieren zu wollen, sei noch einmal auf die Printausgabe Smart Investor 3/2018 verwiesen. Dort hatten wir die lange Anlaufzeit und die Ingredienzien für einen fast perfekten Sturm intensiv diskutiert.

Kleine Ursachen, große Wirkungen?

Dabei ist außer dem letztlich vergleichsweise moderaten Zinsanstieg und dem mit lautem Getöse ausgetragenen Handelskonflikt mit den USA bislang noch nicht so viel passiert. Zudem läuft die Konjunktur weiter leidlich und keines der geopolitischen Großrisiken hat sich realisiert, obwohl sich die Beziehungen zu Russland praktisch im Stundentakt verschlechtern bzw. verschlechtert werden. So ganz überzeugen können die fundamentalen Erklärungsmuster daher im Moment noch nicht – zumindest nicht auf Basis dessen, was ist, allenfalls auf Basis dessen, was noch befürchtet wird. Beispielsweise haben die USA im Handelskonflikt bislang lediglich ihre Claims abgesteckt. Das ist vor Verhandlungen nicht so unüblich, wie uns nun weisgemacht wird. Die meinungsbildenden Medien vermitteln in der Zoll-Diskussion einmal mehr ein vollkommen windschiefes Bild. Das ist entweder ideologisch motiviert oder auf schlichte Denkfaulheit zurückzuführen, wenn aus den realen Problemlagen des Welthandels hierzulande wieder eine Anti-Trump-Kampagne gemacht wird. Man kann das ja schon lange nicht mehr ernst nehmen: Ob es regnet oder schneit, schuld ist Trump. Im neuen Smart Investor 4/2018, der zum Wochenende erscheint, behandeln wir auch das Handelsthema etwas ausführlicher. Im Übrigen war auch die unmittelbare Marktreaktion auf den Zinsschritt der Fed in der letzten Woche ziemlich verhalten. Dass die Börsen erst mit einer Schrecksekunde auf eine längst angekündigte und daher bekannte Maßnahme reagiert haben sollen, ist ebenfalls eher unwahrscheinlich. Selbst „Buy the rumour, sell the fact“, also das Vorkaufen auf eine erwartete positive Nachricht, scheidet eigentlich aus. Erstens ist eine Zinserhöhung nicht wirklich eine positive Nachricht, zweitens war im Vorfeld der Maßnahme auch kein auffälliger Kursaufschwung zu beobachten.

Teure Selbstgefälligkeit

Die eigentliche Erklärung dürfte jene Mischung aus Sorglosigkeit, ja Selbstgefälligkeit auf der einen und einer Bewertung auf der anderen Seite sein, die im Zuge des neunjährigen Aufschwungs immer mehr ausgeufert ist. Nun wird zwar oft eingewendet, dass der Aktienmarkt vor dem Hintergrund des Null- und Niedrigzinsumfelds gar nicht so teuer gewesen sei, aber irgendwann zieht auch dieses Argument nicht mehr. Als der Zins bei null lag, wäre das sogenannte Renten-KGV näherungsweise unendlich groß gewesen. Streng genommen ist eine Division durch Null mathematisch natürlich gar nicht definiert. Bei einer Negativverzinsung von -0,10% käme man entsprechend auf ein Renten-KGV von -1000 (in Worten: minus Eintausend). Das alleine zeigt, wie absurd die Argumentation mit dem Renten-KGV in diesen Grenzbereichen wurde. Wenn man den Aktien- und den Rentenmarkt als ein System kommunizierender Röhren begreift, dann wurde in den letzten Jahren die stabil höhere Dividendenrendite des Aktienmarktes um den Preis einer höheren Schwankungsbreite erkauft. Nur weil dieses Risiko nicht schlagend wurde – die Schwankungsbreite war bis Anfang Februar historisch ausgesprochen niedrig –, bedeutet dies nicht, dass das Risiko damit dauerhaft verschwunden wäre. Das Anziehen der langfristigen US-Zinsen dürfte insofern schon etwas mit dem Abarbeiten des aufgestauten Korrekturbedarfs zu tun haben, nur stieg beispielsweise die Rendite 30jähriger US-Anleihen bereits seit spätestens Anfang Dezember 2017 und ging seit Ende Februar 2018 wieder zurück. Zwar wurde beim gestrigen Kurssturz an den US-Märkten in der Breite kein neues Tief auf Basis der Schlusskurse etabliert (vgl. Abb. am Beispiel des NASDAQ-100). Die Hoffnung aber, dass das Tief vom vergangenen Freitag (blaue Waagrechte) deshalb bereits ein tragfähiger Boden sei, erwies sich jedoch als verfrüht. Denn schon heute wurde die Marke im frühen New Yorker Handel unterboten. Markante Aufwärtstage wie der Montag sind eben kein Indiz für das Ende einer Abwärtsbewegung. Solche Short-Covering-Rallys verpuffen regelmäßig schnell und drehen den vorherrschenden Trend nicht.

Königsklasse ETF?

Zoomt man ein wenig aus dem Markt heraus, wie wir es im neuen Smart Investor 4/2018 getan haben, dann zeigen sich ein paar Phänomene, um nicht zu sagen Auswüchse, die typisch für jene Sorglosigkeit sind, die sich nur während langen Haussen herausbildet. Wir werfen unter anderem ein Schlaglicht auf aktuelle Titelblätter und fühlen dem Boom der ETFs auf den Zahn. Diese passiven Instrumente wurden mehr und mehr als die Ultima Ratio der Geldanlage am Aktienmarkt gefeiert, da aktive Manager den Markt als Gruppe ohnehin nicht schlagen, dafür aber hohe Gebühren fordern. Sieht man sich das Phänomen jedoch genauer an, dann tun sich die Aktiven vor allem in Haussen schwer, weil sie in der Regel nicht zu 100% investiert sind, während sie in Baissen durchaus Boden gut machen können – eben weil sie nicht zu 100% investiert sind. Es wäre ein Treppenwitz der Börsengeschichte, wenn ausgerechnet am Beginn einer ausgedehnten Korrektur, wenn nicht gar einer Baisse, die Mehrheit mit der angeblichen Überlegenheit des passiven Investierens in Form von ETFs wieder einmal genau das Falsche verinnerlicht hätte. Mehr dazu im neuen Smart Investor 4/2018.

Edel, aber vernachlässigt

Eine Anlageklasse, die den Investoren dagegen in nächster Zeit durchaus noch Freude bereiten könnte, sind Rohstoffe, denen wir entsprechend auch die Titelgeschichte des Smart Investor 4/2018 gewidmet haben. Edelmetalle nehmen in diesem Bereich eine Sonderstellung ein, da Anleger in schwierigen Zeiten hier gerne Deckung suchen. Wer nicht nur Sicherheit anstrebt, für den hat sich Silber schon öfters als das Gold mit dem besonderen Pfiff erwiesen. Denn immer wenn Gold ins Laufen geriet, lief Silber meist deutlich schneller. Aktuell ist an den Edelmetallen vor allem die jahrelange Vernachlässigung durch die Anleger attraktiv. Bei den Minenunternehmen hat in dieser Zeit ein beispielloser Bereinigungs- und Aussortierungsprozess stattgefunden. In solchen Phasen wird der Grundstein für echte Haussen gelegt. Da lohnt es sich durchaus den Blick einmal über den Tellerrand der Tagesschwankungen hinauszurichten.

Strom und heiße Luft

Eine Aktie, die das glatte Gegenteil von Sicherheit ist, ist die des US-Elektroauto-Herstellers Tesla (vgl. Abb.). Das Unternehmen wird von einer wachsenden Anlegerschar inzwischen kritisch gesehen. Wir widmeten Tesla bereits im Smart Investor 8/2017 die wenig schmeichelhafte Titelgeschichte: „Crashgefahr für Tesla“. Seinerzeit zeigten sich einige Leser angesichts der klaren Worte zum scheinbaren Ausnahmeunternehmer Elon Musk überrascht. Der schillernde Chef des Milliardenunternehmens gefällt sich in der Rolle des Pioniers und des Visionärs, nur Geld hat er noch nicht für die Aktionäre erwirtschaftet. Es scheint, als wurde Tesla nicht nur von Strom, sondern auch von viel heißer Luft angetrieben. Die vollmundigen Ankündigungen von Musk sind inzwischen zwar irgendwie legendär, werden aber auch zunehmend kritisch hinterfragt. Seinerzeit ließen wir den Hedgefonds-Manager Mark B. Spiegel mit einem Kursziel von 0 USD zu Wort kommen. Er war ein einsamer Rufer in der Wüste. Nun sprang ihm mit John Thompson von Vilas Capital Management ein weiterer Hedgefonds-Manager bei. Auch er wettet massiv gegen Tesla und ist damit natürlich ebenfalls Partei. Es ist eine ganze Litanei von Gründen, die Thompson bei dem Unternehmen sauer aufstößt. Dazu kam nun auch noch ein vollkommen absurdes Vergütungspaket für Musk. Thompson geht von einem Tesla-Crash aus und wird mit der Aussage zitiert, dass das Unternehmen „ohne Zweifel“ am Rande des Bankrotts stehe. In unserem Musterdepot halten wir einen Short auf Tesla, der vom gestrigen Kurssturz um 8,2% (zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe heute erneut weitere -9,3%) kräftig profitieren konnte. Manchmal lohnt es sich, einen langen Atem zu haben (mehr dazu in der Rubrik Musterdepot). Nachdem der Kurs länger als gedacht unentschlossen in luftiger Höhe verweilte, hat er nun im Zuge der allgemeinen Marktschwäche Fahrt aufgenommen – nach unten. Die wichtige Unterstützung bei 300 USD fiel gestern. Schon zuvor war die Aktie, je nach Zählweise, rund sechsmal beim Versuch gescheitert, über die Marke von 360 USD nach oben auszubrechen (vgl. Abb.).

 

Fazit

Die Krise an den Aktienmärkten ist nicht vorbei und Hoffnung ist in diesem Fall ein schlechter Ratgeber. Wir halten die Füße bei eventuellen Neuengagements weiter still.

© Ralph Malisch, Ralf Flierl – Homepage vom Smart Investor

(Querbild: Shayla)

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