Ted Butler: Indien reagiert auf niedrige Silberpreise

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Mehrere kürzlich erschienene Artikel haben einen Anstieg der Silberimporte nach Indien hervorgehoben und mich dazu veranlasst, genauer hinzuschauen. Indien war schon immer ein großer Abnehmer von Silber und Gold, was den Traditionen und der Kultur des Landes mit der zweitgrößten Weltbevölkerung entspricht. Die Bevölkerung Indiens mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern beträgt nur noch etwa 50 Millionen weniger als die Chinas. Zusammen machen beide Länder 35% der gesamten Weltbevölkerung aus (7,7 Milliarden) und waren schon immer große Käufer und Besitzer von Gold und Silber. Zusammen nehmen Indien und China fast 50% der weltweiten Gold- und Silberminenproduktion auf.

Ein großer Unterschied zwischen Indien und China besteht darin, dass der Kauf von Gold und Silber in Indien größtenteils ein Graswurzelphänomen ist, das von der allgemeinen Bevölkerung aufgrund tief verwurzelter Bräuche und Traditionen ausgeht. Der Kauf aus China hingegen erfolgt vorwiegend aus offiziellen Quellen (ähnlich dem Kauf von Gold durch Russland). Für mich macht dies den Kauf von Gold und Silber in Indien „freier“ und preissensibler, da der Markt per Definition umso freier ist, je mehr Teilnehmer an einem Markt teilnehmen. Die vielen zehn und sogar hundert Millionen Gold- und Silberkäufer aus Indien machen die Märkte dort zu den freiesten von allen.

Indien hat bei Gold und Silber schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Ich erinnere mich, wie mein langjähriger Freund und Silber-Mentor Izzy Friedman vor mehr als 40 Jahren, Mitte der 1970er Jahre überlegte, ob er eine große Investition in Silber tätigen sollte. Er flog tatsächlich nach Indien, um zu sehen, ob die Geschichten über große gehortete Silberbestände stimmten, die angeblich kurz davor stehen, den Markt zu überschwemmen, sollten die Preise steigen (von 4 USD oder 5 USD). Izzy sah viel Silber, aber nichts davon war in so großen konzentrierten Mengen vertreten, dass es eine Marktbedrohung darstellte. Ich glaube, das ist heute noch so.

Die indischen Gold- und Silberkäufer sind recht preissensibel und im Gegensatz zu den typischen westlichen Käufern kaufen die Inder mehr, wenn die Preise niedrig sind und weniger, wenn die Preise hoch sind. Gold- und Silberströme nach Indien sind Einbahnstraßen - was dahin fließt, bleibt dort, um den Subkontinent niemals zu verlassen. Der Goldpreis nähert sich aktuell dem höchsten Stand der letzten 5 oder 6 Jahre, während der Silberpreis dem niedrigsten Stand der letzten 5 oder 6 Jahre entspricht. Dies führt dazu, dass sich das Silber-Gold-Preisratio auf das höchste Niveau der letzten 25 Jahre ausweitet. Vor diesem Hintergrund habe ich die Importdaten aus Indien der letzten 15 Jahre überprüft. Für Silber habe ich mich auf den World Survey des Silver Institute verlassen und für Gold auf eine direkte Google-Suche nach indischen Importen von 2004 bis 2018.

Folgendes habe ich gefunden. Den Importdaten zufolge kaufen die Menschen in Indien mehr Silber als je zuvor im Vergleich zu Gold. Es ist nicht so, dass die Goldimporte stark zurückgegangen sind, sondern vielmehr, dass die Silberimporte stark gestiegen sind. Ich habe die Daten der letzten 15 Jahre in zwei Segmente unterteilt - die neun Jahre von 2004 bis 2012 und die sechs Jahre von 2013 bis 2018. Zur Erinnerung, indem ich die Gold- und Silberimporte pro Unze verglich, wurden alle äußeren Einflüsse, wie die Währung und gesamtwirtschaftliche Bedingungen, neutralisiert. Beispielsweise führte die große indische Geldentwertung von 2016 zu einem starken Rückgang der Gold- und Silberimporte. Das ist das Schöne an quasi objektiven Vergleichen - sie filtern Randprobleme heraus.

In den neun Jahren von 2004 bis 2012 betrug das Silber-Gold-Ratio durchschnittlich 56:1, und Indien importierte jedes Jahr durchschnittlich 26,5 Millionen Unzen Gold und 85 Millionen Unzen Silber - oder 3,2-mal mehr Unzen Silber als Gold. In den nächsten 6 Jahren von 2013 bis 2018 stieg das Silber-Gold-Ratio auf 73 zu 1, wobei Silber im Vergleich zu Gold zunehmend billiger wurde (außer 2016). In den letzten sechs Jahren gingen die Goldimporte leicht auf durchschnittlich 25,2 Millionen Unzen pro Jahr zurück, während die Silberimporte auf 188 Millionen Unzen pro Jahr stiegen, 120% mehr als im Jahresdurchschnitt der letzten neun Jahre. Waren die Silberimporte von 2004 bis 2012 noch 3,2-mal so hoch wie die Goldimporte in Unzen, so stiegen sie von 2013 bis 2018 auf 7,5-mal so hoch.

Im letzten vollen Jahr der Importdaten, 2018, importierte Indien 24,4 Millionen Unzen Gold, die zweitniedrigste Menge in 9 Jahren, während die Silberimporte 224 Millionen Unzen betrugen, die zweithöchste Menge in 15 Jahren. Die Menge an Silberunzen, die letztes Jahr nach Indien importiert wurde, war mehr als das Neunfache der Menge an importiertem Gold, das höchste Niveau, das es je gab. Das durchschnittliche Silber-Gold-Ratio für 2018 lag bei 82:1, damit war  Silber im Verhältnis zu Gold so billig wie vor 15 Jahren. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die indischen Käufer so reagierten, wie sie es taten. Obwohl für 2019 keine Daten für das Gesamtjahr vorliegen, lag das Silber-Gold-Ratio bislang im Durchschnitt bei 86 :1, wobei die jüngsten Werte bei 90 zu 1 lagen.

In Anbetracht der Tatsache, dass sich das Silber-Gold-Ratio seit 2018 weiter ausgeweitet hat und 90 zu 1 übersteigt, was Silber im Vergleich zu Gold sogar noch billiger macht, ist zu erwarten, dass die Silberimporte Indiens sowohl auf absoluter als auch auf relativer Basis im Vergleich zu Gold gestiegen sind. Dies bedeutet neben der Bestätigung der Preissensibilität (und des gesunden Menschenverstands) des indischen Käufers, dass Preise Konsequenzen haben. Es wird oft gesagt, dass die Heilung für niedrige Preise, niedrige Preise sind, weil niedrige Preise die Produktion hemmen und die Nachfrage fördern. Die Zahlen zu den Silberimporten Indiens scheint dies eindeutig zu bestätigen.

Die Hauptpreisfolge des Anstiegs der Silberimporte nach Indien ist eine direkte Folge der COMEX-Preisdrückung und der Manipulation des Preises. Die Reaktion der Kollektivanlagen in den USA und im Westen auf den niedrigen Silberpreis (oder einen Vermögenswert) besteht darin nicht zu kaufen - das ist halt unsere Anlagekultur, egal ob man das gut oder schlecht findet. Die kollektive Reaktion in Indien ist deutlich anders und in einem sehr realen Sinne die ultimative Bestätigung dafür, dass die Silberpreise manipuliert wurden. Wie könnte man sonst schlüssiger beweisen, dass der Silberpreis künstlich unterdrückt wurde, als der Nachfrageschub aus Indien?

Wäre die Nachfrage in Indien nicht gestiegen, wäre dies der Beweis dafür, dass der Preis für Silber nicht manipuliert wurde. Was könnte den Anstieg der Nachfrage nach Silber bei zig Millionen indischen Käufern erklären, wenn sie nicht das Gefühl hätten, dass die Preise gedrückt würden - nicht nur absolut, sondern auch relativ zu Gold? Ich behaupte nicht, dass die vielen Millionen indischen Käufer sich der COMEX-Preismanipulation überhaupt bewusst sind. Sie wissen nur, dass Silber im Vergleich zu Gold ungewöhnlich billig und unterbewertet ist.

Hier haben wir also einen überzeugenden neuen Beweis dafür, dass die Silberpreise manipuliert wurden - nicht, dass mehr Beweise benötigt wurden. Durch die Senkung des Silberpreises ist es JPMorgan möglicherweise gelungen, die westliche Investitionsnachfrage zu entmutigen und den physischen Markt für seine eigene Akkumulation in die Enge zu treiben, hat aber auch die indische Nachfrage unbeabsichtigt stimuliert. Infolgedessen ist ein brandneuer Catch-22 in Silber aufgetaucht. Wenn JPMorgan beschließt, die Silberpreise nach oben steigen zu lassen, ist davon auszugehen, dass die indische Nachfrage sinken würde, aber wenn diese Nachfrage sinkt, werden die höheren Preise die westliche Nachfrage beflügeln. Was die rechte Hand nicht kann, macht halt die linke. Sollte JPM beschließen, die Drückung des Silberpreises zu verlängern, dürften die Importe nach Indien weiter steigen und mit dem gleichzeitigen Rückgang der weltweiten Silberminenproduktion wird eine physische Krise unvermeidlich. Preise haben Konsequenzen.

© Ted Butler 

13. Juni 2019

www.butlerresearch.com

 

(Diese Abhandlung wurde vom Silberanalysten Theodore Butler, einem unabhängigen Berater, verfasst. Investment Rarities teilt seine Ansichten nicht notwendigerweise, diese können sich als richtig oder falsch herausstellen.) Exklusiv und ohne Gewähr übersetzt für Metallwoche.de. Das Original wurde am 13.06.2019 auf der Website www.silverseek.com veröffentlicht.

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