TGIJ: Thank God it's January

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vom Smart Investor

Man hätte es ahnen können. Denn die Gerüchte um zunehmende Absatzprobleme bei Apple häuften sich in den letzten Monaten. Diverse Lieferanten berichteten über rückläufige Bestellungen, der Kurs des Vorzeigekonzerns war bereits seit Anfang Oktober massiv unter Druck. Bereits im November reduzierte der iPhone-Produzent seine Prognose für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2018/2019. Anfang des Jahres nun jedoch der Hammer: Statt 89 Mrd. USD Umsatz erwartet Apple nun lediglich 84 Mrd. USD, ein Minus von 8%. Neben hausgemachten Problemen macht das Unternehmen dafür auch die Kaufzurückhaltung in den Emerging Markets und ungünstigere Wechselkurse verantwortlich. Waren im Vorjahresquartal die Verkaufszahlen des damals neuen iPhones (iPhone X) enthalten, wurde dessen Nachfolger (iPhone Xs) bereits im vierten Quartal des letzten Geschäftsjahres auf den Markt gebracht. Für die Märkte hatten all diese Erklärungsversuche jedoch relativ geringe Bedeutung. Bei vielen Börsianern war dagegen vor allem eine Nachricht in den Köpfen hängen geblieben: Wenn die schwächere Konjunktur sogar dem Wunderkonzern Apple Probleme bereitet, wie soll es dann erst bei sehr viel schwächer aufgestellten Unternehmen aussehen? Da das Epizentrum der Probleme in China verortet wird, scheinen die Börsianer zudem mal wieder vor dem drohenden Handelskrieg und dessen Auswirkungen zu zittern.

 

„Mr. Market“ ist in einer depressiven Phase

Konsequenterweise ging der Markt in den USA daher zeitgleich mit dem „Apple-Schock“ erneut in die Knie. Doch der Reihe nach: Ist Apple tatsächlich der perfekte Konjunkturindikator und warum stellte der erneute Ausverkauf auf deren Gewinnwarnung die (zumindest) kurzfristige Trendwende dar? Zwar dürfte Apple tatsächlich von der schwachen Nachfrage aus den Emerging Markets überrascht worden sein, der größte Teil der Probleme scheint jedoch selbstverschuldet zu sein. Das Unternehmen hat den Bogen bei den Preisen in den letzten Jahren überspannt, gleichzeitig sind die Produkte aus dem Hause Apple heute selten innovativer wie die günstigeren Smartphones und Tablets der Konkurrenz. Eines übersehen jedoch alle Apple-Pessimisten: Bereits im aktuellen Jahr dürften die Umsätze aus der Service-Sparte (Apps, Musik, Videos, Apple Pay etc.) bei knapp 45 Mrd. USD liegen, in wenigen Jahren dürften sie rund 100 Mrd. USD betragen. Die Margen in diesem Geschäft sind jedoch völlig andere als im angestammten Hardwaregeschäft. Unterstellt man eine operative Marge von mehr als 50% dürfte der gesamte Apple-Konzern derzeit nicht viel mehr wert sein wie die Service-Sparte allein. Das Geschäft mit iPhones ist damit fast schon geschenkt. Ein weiter schwächelndes Geschäft mit neuen Smartphones ist damit kaum mehr als Risiko zu erkennen, sondern bereits ausreichend eingepreist. Hatte die Börse bis Oktober vermutlich auch nach oben einen Tick übertrieben, wird sie nun aber möglicherweise auch nach unten in eine Übertreibungsphase übergehen. Mittelfristig halten wir jedoch einen Abgesang auf Apple für verfrüht.

 

Ein magisches Wort

Das Apple-Desaster verdauen konnten die Marktteilnehmer jedoch nur durch externe Unterstützung: Jerome Powell, der Chef der US-Notenbank, konnte mit einem simplen Wort die Beruhigungspille liefern, die die Märkte offensichtlich dringend benötigt hatten. Powell zufolge werde die Federal Reserve mit weiteren Zinserhöhungen „geduldig“ sein und abwarten, wie sich die Konjunktur 2019 darstellt. Sollte das Wirtschaftswachstum abrupt einbrechen, werde die Fed ihre Geldpolitik entsprechend anpassen. Powell weicht damit erstmals von der harten Linie ab, die die Fed bis zu ihrer letzten Zinsentscheidung im Dezember verfolgt hatte. Die Future-Märkte preisen dagegen bereits eine erste Zinssenkung für Ende 2019 ein. Mit seinen jüngsten Äußerungen schlägt sich der Fed-Chef nun auf die Seite der Mehrheit der Marktteilnehmer und nimmt diesen die Angst, die Fed könnte mit ihrer Geldpolitik die ohnehin schwächere Konjunktur in 2019 endgültig abwürgen. Allerdings handelt es sich dabei eben auch um nicht mehr als eine Beruhigungspille. Denn nach wie vor schwelt der Konflikt der Fed mit US-Präsident Trump. Laut eigenen Aussagen würde Powell nicht zurücktreten, wenn ihn Trump dazu auffordern würde. Um die Unabhängigkeit der Notenbank unter Beweis zu stellen, dürfte Powell auch 2019 weiterhin die geldpolitischen Zügel straffer ziehen als vom Präsidenten gewünscht. Die Frage ist vielmehr, wie groß der Sturm an den Märkten werden muss, bis Powell kapituliert und tatsächlich gegensteuert.

 

 

Ostern an Weihnachten

Was für ein Dezember! An dieser Stelle dürfen wir noch ein paar Daten zum abgelaufenen Börsenmonat nachliefern, die ansonsten zwischen den Jahren möglicherweise untergegangen wären. Als an Heiligabend in Deutschland bereits beschert und gefuttert wurde, gingen die Börsianer an der Wall Street noch ihrer Lieblingsbeschäftigung der vergangenen Wochen nach: Sie verkauften Aktien. Mit einem Minus von satten 653 Punkten verpassten die Marktteilnehmer dem Dow Jones am 24. Dezember ein Begräbnis erster Klasse. Das allerdings war dann auch der Tiefpunkt, denn schon am zweiten Tag nach diesem Kursdesaster konnte der viel beachtete US-Blue-Chips-Index mit einem Plus von 1.086 Punkten – der größte je erzielte Punktezuwachs im Dow Jones – seine Wiederauferstehung feiern (vgl. Abb., grüne Markierung). Ganz sattelfest scheinen die Anleger in christlicher Mythologie also nicht zu sein. Trotz dieses vorgezogenen Osterfests geht der Dezember 2018 aber als einer der schwärzesten Dezember überhaupt in die Börsengeschichte ein (vgl. Abb., gelbes Quadrat). Schlimmer war es um US-Aktien zuletzt im Dezember 1931, also mitten in der Großen Depression, bestellt. Das Wort Jahresend-Rally mochte trotz des 1.000-Punkte-Anstiegs niemand mehr so richtig in den Mund nehmen.

 

Boden oder Korrektur?

Was aber bedeutet dies für die nähere und weitere Zukunft? Die extreme Volatilität, insbesondere die scharfen Aufwärtstage sind ein typisches Charakteristikum für Abwärtstrends. Denn diese Trends sind nicht nur von Verkaufswellen gekennzeichnet, sondern immer wieder auch von Eindeckungen der Leerverkäufer und sogenannten Short-Squeezes. Zudem ist es ein deutlicher Hinweis auf die schwache innere Verfassung des Marktes, wenn ein statistisch einigermaßen gut fundiertes Phänomen wie die Jahresendrally per Saldo schlicht überrannt wird. Dass Märkte mit dem Jahreswechsel oft erst einmal die Gegenrichtung einschlagen ist allerdings einigen Ultimo-Effekten geschuldet: Zum einen wollen professionelle Anleger in ihren Abschlusszahlen nicht unbedingt eine hohe Gewichtung in jenen Titeln zeigen, die während des Jahres besonders gefallen sind. Zum anderen kann für Privatanleger die Realisierung von steuerrelevanten Verlusten attraktiv sein, zumal wenn im betreffenden Jahr bereits entsprechende Gewinne vorhanden waren. In den ersten Tagen des neuen Jahres spielen solche Erwägungen dann erst einmal keine direkte Rolle mehr, können allerdings als eine Art Reflex in Form von Rückkäufen erneut auf die Kurse einwirken. Die aktuelle Beruhigung der Lage im neuen Jahr muss nicht bedeuten, dass wir hier schon die vielbeschworene Bodenbildung sehen. Angesichts des Ausmaßes der Trendwenden dürfte es sich hierbei eher um eine Korrektur im Abwärtstrend handeln, die aber durchaus noch ein Stückchen tragen kann.

 

Edles und Rohes

Wesentlich eher nach einer Bodenbildung sieht dagegen das Kursverhalten bei den Edelmetallen und einigen Rohstoffen aus. Auch hier gab es zwischen den Jahren Kurssprünge, die im Gegensatz zu den US-Aktien allerdings nicht aus einer hoffnungslos überverkauften Lage heraus erfolgten. Auch bei Öl – hier tatsächlich nach einem Kurssturz – und Uran kam es zu Kurszuwächsen. Für US-Uranproduzenten ergibt sich zudem insofern eine Sondersituation, als die USA unter Donald Trump ihre hohe Importabhängigkeit in diesem Bereich wohl perspektivisch verringern werden.

 

Fazit

Für das Jahr 2019 wünschen wir Ihnen Glück, Gesundheit, Frieden und Erfolg, ganz egal, was Märkte und Politik noch so alles treiben werden.

© Ralph Malisch, Christoph Karl

https://www.smartinvestor.de

 

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