War's das? Der DAX legt ein (kleines) Ei

Tags: Meinung Analyse Chart DAX Smart Investor Ralph Malisch Ralf Flierl

vom Smart Investor

Der heutige Börsentag (23.05.2018) verlief für Aktienanleger wenig erfreulich. Schon über den asiatischen Märkten zogen dunkle Wolken auf und der DAX startete gleich mit einem reinigenden(?) Gewitter. Charttechnisch sind die in der Vorwoche genannten Aspekte („rotes Band“, Schulter-Kopf-Schulter-Formation) zwar weiter gültig und relevant, heute wollen wir in das Bild jedoch etwas hineinzoomen: Denn der Teufel liegt bekanntlich im Detail...

Unmittelbar nach unserem letzten SIW hatte sich der DAX kraftvoll aus dem „Roten Band“ gelöst. Genau das hätte man durchaus als Richtungsentscheidung ansehen können. Zumal dabei auch die – allerdings freihändig gezeichnete – rechte Schulter einer möglichen Schulter-Kopf-Schulter-Formation nach oben durchbrochen wurde, wodurch diese zunehmend windschief wurde, sofern man dieser Arbeitsthese zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch folgen wollte (vgl. Abb., Schwarzer Bogen). Es sah also durchaus so aus, als ob der Markt genug Stärke habe, um sich aus dem drohenden Abwärtsszenario freizuschwimmen, das wir bereits in der Titelgeschichte des Smart Investor 3/2018 „Der Sturm“ ausführlich beschrieben hatten.

Mit dem heutigen Tag entpuppt sich diese Sicht als falsch. Der Ausbruch aus dem roten Band – also über die Marke von 13.000 Punkten – erweist sich als Fehlsignal. Solche Fehlsignale entwickeln mitunter deshalb eine so hohe Dynamik in die Gegenrichtung – in diesem Fall abwärts –, weil sich die Marktteilnehmer noch unmittelbar zuvor in die falsche Richtung positioniert haben und damit ziemlich unerwartet unter Handlungsdruck kommen. Zusätzlich zeigt der hier dargestellte Zoom des fortgeschriebenen Chartbildes der Vorwoche, dass sich im DAX ein aufsteigender Keil herausgebildet hat (vgl. Abb., blaue Linien), der heute nach unten durchbrochen wurde. Das ist neben dem Fehlsignal ein weiteres, klar negatives Zeichen. Die Frage „War’s das?“ muss man bezüglich der gemächlichen Aufwärtskorrektur der letzten Wochen also ebenfalls bejahen.

Nun kann man, und das durchaus zu Recht, anmerken, dass man doch immer wieder irgendwelche Formationen in Charts entdeckt und das Ganze doch einer Art Rorschach-Bild gleicht, bei der die Interpretation mehr über den Interpreten als über das eigentliche Bild aussagt. Auch wir sehen derartige Formationen nicht als zwingend, sondern eher als eine Art Hilfskonstruktion bei der Interpretation. Die eigentliche Aussage steckt in der Verschiebung der Angebots-/Nachfrageverhältnisse im Zeitablauf und diese Verschiebung hinterlässt nun einmal ihre Spuren im Kursbild. Die Betrachtung hat also weniger mit „Kaffeesatzlesen“ als etwas mit Fährtensuche zu tun.

Fazit

Die erneute DAX-Schwäche zwingt uns zum Handeln. Wir machen unser Musterdepot wieder sturmfest. War’s das? Ja, das war es für heute.

© Ralph Malisch, Ralf Flierl – Homepage vom Smart Investor

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