Wird der Wahlausgang in Zimbabwe die Investitionen reduzieren?

Tags: Heraeus Edelmetall Bulletin Gold Silber Platin Palladium Charts Rhodium Ruthenium Iridium Analyse Meinung Marktreport vom 06.August 2018

Heraeus Edelmetall Bulletin

Freie und faire Wahlen waren eine erhebliche Voraussetzung für die Schaffung einer Wachstumsplattform in Zimbabwe. Westliche Beobachtergruppen haben jedoch berichtet, dass die Parlamentswahlen zwar relativ frei waren, doch von Unruhen überschattet wurden und dass sich die Medien deutlich auf die Seite der regierenden Partei Zanu-PF gestellt haben, die 69,0% der Parlamentssitze (145/210) und mit 50,8% einen knappen Sieg in der Präsidentschaftswahl davontrug. Die neue Regierung muss nun ganze Arbeit leisten, um ihre Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen, obwohl davon auszugehen ist, dass die Opposition die Wahlergebnisse anfechten wird.

Wenn die neue Regierung das Vertrauen in die Wirtschaft verbessern kann und klare rechtliche Vorgaben für Minenunternehmen aufsetzt, werden Investitionen folgen. Entscheidend für die künftige Stabilität der PGM-Industrie ist die Lösung des Konflikts um die Eigentumsübertragung von Unternehmen an die lokale Bevölkerung. Darüber hinaus würde die Beseitigung von Landbesitzansprüchen, die Gewährleistung realistischer Lizenzgebühren für Produzenten und die Aufhebung der Quoten beim Export von unraffinierten PGMs dafür sorgen, dass die Hürden, die in der Vergangenheit Investitionen verhindert haben, aufgehoben würden.

Auf die enthaltenen PGMs bezogen ist der Great Dyke in Zimbabwe nach dem Igneous Bushveld Complex in Südafrika das zweitgrößte Vorkommen. Die Main Sulphide Zone von Zimbabwe bietet einen besonders attraktiven PGM-Mix (51% Pt, 54% Pd, 4% Rh), der sehr nah an der erwarteten Verbrauchskombination in den 2030er Jahren liegt. Die Platinproduktion von bereits existierenden Minen sowie aktuell gestarteten Projekten hat das Potential bis 2030 auf 1 Mio. Unzen (31t) zu wachsen, die Palladiumproduktion steht dem kaum nach. Sofern keine weiteren Investitionen getätigt werden, wird Zimbabwes PGM-Produktion ab etwa 2020 zurückgehen.

 

GOLD

Eine robuste Wirtschaft unterstützt die Aussicht auf festere US Zinsraten und den Dollar, was sich auf den Goldpreis negativ auswirkt. Das BIP der USA ist im zweiten Quartal 2018 um 4,1% gestiegen (annualisiert), verglichen mit 2,2% in Q1 (revidiert von 2,0%). Diese Beschleunigung steht in starkem Kontrast zur Eurozone, die ein annualisiertes Wachstum von 1,2% in Q2 und 1,6% in Q1 2018 verzeichnete. Während die FED andeutet, noch mindestens eine Zinserhöhung in diesem Jahr vorzunehmen, macht die EZB keine Anstalten die geldpolitischen Maßnahmen zu straffen. Seit Ende Januar hat der US Dollar gegenüber dem Euro 7% an Wert gewonnen. Zwischenzeitlich haben große Spekulanten ihre Nettolongposition um fast 1 Mio. Unzen (31t) auf unter 5 Mio. Unzen (155t) reduziert. Dies ist die kleinste spekulative Nettolongposition seit Januar 2016, was vermuten lässt, dass die oben erwähnten negativen Makro-Faktoren größtenteils bereits eingepreist sind und damit Potential für eine Preiserholung gegeben ist.

Die physische Goldnachfrage befindet sich auf dem tiefsten Stand seit fast einer Dekade. Den Demand Trends des World Gold Councils (WGC) zufolge lag die Nachfrage im ersten Halbjahr 2018 bei ungefähr 1.960 Tonnen, dem tiefstem Niveau seit 2009. Während die gesunkene Nachfrage in Teilen dem seit 2009 um 30%+ gestiegenen USD-Preis zugeschrieben werden muss, merkt der WGC an, dass die ETF Zuflüsse – die in der Regel dem Preis folgen – ebenfalls schwach ausgefallen sind. Die ETF-Zuflüsse im ersten Halbjahr 2018 waren die geringsten seit 2015, als der Preis fast 10% tiefer lag als in H1 2018. In Indien, dem größten Markt für Goldschmuck, waren die Goldimporte des im März zu Ende gegangenen Finanzjahrs um bemerkenswerte 22% gestiegen. Dafür verantwortlich waren jedoch besondere Umstände, insbesondere Probleme mit der neuen Güter- und Dienstleistungssteuer, die die Nachfrage kleiner Schmuckhändler im vorangegangenen Finanzjahr reduziert hatte. Im zweiten Quartal lag Schätzungen des WGCs zufolge die indische Schmucknachfrage 8% tiefer als im Vorjahr, da der Preis in Rupien gestiegen ist.

 

SILBER

Silber steht unter technischem und geopolitischem Druck. Der Silberpreis ist am 17. Juli unter seine zuvor starke Unterstützungslinie bei 15,60 $/oz gefallen. Diese Unterstützung ist nun zum Widerstand geworden, der – wenn er nicht bald überwunden wird – zu Charttechnischen Verkäufen bis zu 15 $/oz führen würde. Ein bereits wenig erfreulicher technischer Ausblick könnte im Zuge von Washingtons Überlegung, Zölle in Höhe von 25% auf chinesische Güter mit einem Gegenwert von 200 Mrd. USD zu erheben, geradezu dramatisch werden. Bei der Androhung eines Zolls in Höhe von 10% ging man davon aus, dass dies teilweise oder sogar vollständig durch den schwächeren Yuan ausgeglichen werden könnte (-8% seit die USA am 23. März. Zölle auf Stahl und Aluminium angekündigt haben). Doch ein Zoll in Höhe von 25% hätte das Potenzial, wenn er tatsächlich erhoben wird, dem wichtigsten Sektor für die Silbernachfrage, der Elektronikbranche, zu schaden. Noch hat die Gold-Silber Ratio ihren Wert von März, als die Tarife erstmals angekündigt wurden, jedoch nicht erreicht.

 

PLATIN

Impala Platinum (Implats) hat seine Produktionsschätzung für 2021 um 230.000 Unzen (7t) gesenkt, was dabei helfen wird, den Markt auszugleichen und den Platinpreis zu unterstützen. Implats hat die Schließung der Hälfte der 12 Minenschächte in Rustenburg bis 2021 angekündigt, um Kosten zu senken. Dies wird zu einer Reduktion der Platinproduktion führen: von 656.000 Unzen in 2017 (Finanzjahr) auf 520.000 in 2021 (Finanzjahr), wo zuvor für 2021 noch 750.000 Unzen erwartet worden waren. Die im Zuge des niedrigen Platinpreises und des Überangebots im Markt notwendigen Produktionskürzungen wurden in früheren Spotlights dieses Marktberichts bereits beschrieben.

Die Produktionskosten für Impala Rustenburg gehören zu den Höchsten der Industrie, so dass der niedrige Platinpreis in Rand, der letzte Woche mit 10.687 ZAR/ oz auf den tiefsten Wert in 8 Jahren gefallen ist, für das Unternehmen besonders schmerzhaft gewesen ist. Diese Produktionskürzungen reduzieren das Abwärtsrisiko für den Platinpreis, doch für eine nachhaltige Rally wird es mehr brauchen.

Die Platinnachfrage wird unterstützt durch den Absatz von Nutzfahrzeugen in Europa. Die ACEA berichtet, dass der Absatz von Nutzfahrzeugen in der EU im Juni im Vorjahresvergleich um 7,3% auf 247.000 Fahrzeuge gestiegen ist und im ersten Halbjahr 2018 um 4,7% auf 1,3 Mio. Fahrzeuge. Der Absatz von kleineren Nutzfahrzeugen hat mit 5,1% im ersten Halbjahr 2018 am meisten zugelegt, doch auch der Absatz von Schwerlast- kraftwagen ist im selben Zeitraum mit 3,9% ordentlich gewachsen. Wenn sich der Absatz in diesem Maße im zweiten Halbjahr fortsetzt, dann wird die Platinnachfrage höher ausfallen als derzeit angenommen. Die Nachfrage nach Platin aus dem Bereich Nutzfahrzeuge lag bei 32% der gesamten Platinnachfrage für Autokatalysatoren in der EU, obwohl diese nur 14% des Absatzes ausmachen. Das liegt daran, dass sie alle Diesel-betrieben sind und ihre Katalysatoren eine hohe Platinbeladung haben. Es wird erwartet, dass der Absatz von Nutzfahrzeugen den Rückgang der Platinnachfrage im Zuge des geringeren Absatzes von Diesel-PKW weiterhin in Teilen ausgleichen wird.

 

PALLADIUM

Nornickel, der größte Palladiumproduzent mit 39% des weltweiten Angebots in 2017, hat seine Palladiumproduktion im ersten Halbjahr 2018 steigern können. Die Palladiummenge ist in der ersten Hälfte des Jahres auf 1.396.000 Unzen (42t) gestiegen, was im Vorjahresvergleich einer Erhöhung von 5% entspricht. Nornickel hat seine Produktionsziele für 2018 mit 2.630.000 – 2.725.000 Unzen (82t - 85t) beibehalten, was im Vorjahresvergleich auf eine leichte Abnahme der Produktionsmenge schließen lässt. Ein Anstieg der Produktionsmenge in 2018 kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, denn das Ziel für das zweite Halbjahr 2017 lag bei 2.636.000 – 2.732.000 Unzen, doch die finale Produktionsmenge lag letztendlich bei 2.740.000 Unzen. Das hohe Defizit im Palladiummarkt bedeutet jedoch, dass solche positiven Überraschungen den Palladiumpreis wohl nicht schwächen werden.

 

RHODIUM, RUTHENIUM, IRIDIUM

Die Zahlen von NGK Spark Plugs im zweiten Quartal 2018 deuten darauf hin, dass der hohe Bedarf an Platingruppenmetallen aus der Zündkerzenindustrie anhalten wird. Das japanische Unternehmen berichtet von einem Anstieg der Nachfrage bei Zünd- und Glühkerzen im zweiten Quartal 2018 in Höhe von 7,3% im Vorjahresvergleich auf 54,2 Mrd. Yen. Für Zündkerzen werden Spitzen aus Platin und Iridium verwendet, da diese die extremen Bedingungen in Fahrzeugmotoren aushalten und eine längere Lebensdauer haben als andere Metalle. Der Absatz von Automobilsensoren, die kleine Mengen Platin beinhalten, ist um 9,9% auf 36,5 Mrd. Yen gestiegen. Der Anteil von Zündkerzen an der Platinnachfrage ist nur gering, aber bei Iridium dem kleinsten Markt unter den PGM’s, ist er beträchtlich. Der Gesamtmarkt für Iridium beträgt nur ca. 250.000 Unzen (8t).

Rhodiumverkäufe am Anfang letzter Woche haben zu einer kleinen Preiskorrektur geführt. Doch im Zuge der limitierten Verfügbarkeit und der Nervosität der Marktteilnehmer erholte sich das Metall schnell. Das Metall verzeichnete letzte Woche ein hohes Handelsvolumen und der Preis fiel am Montag um 15 $/oz, doch das verfügbare Metall wurde schnell vom Markt absorbiert. Die angekündigten Produktionskürzungen seitens Impala könnten Rhodium stärker treffen als Platin, denn der Markt ist um ein Vielfaches kleiner und knapper die Verfügbarkeit hängt in höherem Maße von Südafrika ab.

 

MARKTINDIKATOREN

 

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